+
Pierre-Emile Hojbjerg bekommt kaum Einsatzzeiten.

19-jähriges Talent

Darum will Hojbjerg wechseln

  • Hanna Raif
    vonHanna Raif
    schließen

München - Nach Xherdan Shaqiri erklärt Pierre-Emile Hojbjerg Wechselabsichten – Heinz Müller bleibt trotz Verletzung von Manuel Neuer ohne Vertrag bei Bayern.

Beinahe hätte der FC Bayern in dieser Woche einen 27. Mann in den Profi-Kader aufgenommen. Weil Manuel Neuer wegen anhaltender Kniebeschwerden nicht mit der DFB-Elf zum Testspiel nach Spanien gereist ist, herrschte kurzzeitig Alarm an der Säbener Straße.

Wäre der Nationalkeeper auch für das Bayern-Heimspiel am Samstag gegen 1899 Hoffenheim ausgefallen, hätte es tatsächlich eng werden können. Seine Vertreter Pepe Reina (Muskelbündelriss) und Tom Starke (Syndesmosebandriss) sind derzeit nicht einsatzfähig.

Die Alternativen: Der 20 Jahre alte Leopold Zingerle oder Torwart-Praktikant Heinz Müller, der allerdings erst einen Vertrag gebraucht hätte. Viele Konjunktive, die auch solche bleiben werden. Denn der ehemaliger Mainzer Torhüter wird in dieser Woche keinen Kontrakt unterzeichnen. Neuer wird am Samstag im Tor stehen.

Der Verzicht des 28-Jährigen auf das abschließende Länderspiel des WM-Jahres sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, ist aus Vereinskreisen zu hören. Neuer wird in München nun am seit einigen Tagen leicht zwickenden Knie behandelt, Ende der Woche sollte er wieder komplett schmerzfrei sein.

Müller, der sich im Training sichtlich verbessert hat und nach eigenen Angaben sehr wohl als Trainingsgast beim Rekordmeister fühlt, bleibt Praktikant. 26 Profis sind erst mal genug. Beziehungsweise nach Einschätzung von Xherdan Shaqiri oder Pierre-Emile Hojbjerg sogar zu viele.

"Ich glaube, dass es so weit ist, einen anderen Weg zu gehen"

Dass Shaqiri mit seiner Rolle in München mehr als unzufrieden ist, diktiert der Schweizer den Journalisten seit Monaten gerne in den Block. Die sportliche Leitung muss sich in der Winterpause aber nicht nur mit dessen Zukunft, sondern auch mit der von Hojbjerg beschäftigen. Die Aussagen, mit denen der Däne am Dienstag im „kicker“ zitiert wurde, sind eindeutig.

„Ich glaube, dass es so weit ist, einen anderen Weg zu gehen“, sagte der 19-Jährige. Fünf Liga-Einsätze in der laufenden Saison seien ihm zu wenig: „Ich will endlich loslegen. Der Kader bei Bayern ist so gut. Es ist vielleicht nicht die Zeit, dass ich hier meinen Weg gehen kann.“ Unter anderem Hannover 96 hat sein Interesse am robusten Mittelfeld-Allrounder bereits signalisiert. Auch der FC Augsburg ist an einem Leihgeschäft angeblich stark interessiert.

Es ist ein teils nicht zu bewältigender Spagat bei Mannschaften wie dem FC Bayern, auf der einen Seite die Superstars bei Laune zu halten, auf der anderen Seite aber Talente heranzuführen. Hojbjerg gilt seit seinem Wechsel vor zwei Jahren als Kronjuwel, das besonders behutsam gepflegt wurde. Ein Jahr lang wohnte er sogar bei Nachwuchskoordinator Michael Tarnat zuhause. Auch Pep Guardiola galt bisher als großer Fan des wissbegierigen Jung-Profis. In Einsatzzeiten aber drückte der Coach seine Wertschätzung heuer nicht aus.

Seit seinem starken Auftritt auf der nicht präferierten Position des Außenverteidigers im Pokalfinale gegen den BVB spielt Hojbjerg kaum mehr eine Rolle. Und das, obwohl auf seiner angestammten Position in der Zentrale in Bastian Schweinsteiger, Thiago und Javi Martinez drei Top-Spieler den Großteil der Hinrunde verpasst haben. Erst zwei Mal stand der Däne in der Bundesliga-Startelf. Seinem Nationaltrainer Morten Olsen hat er aber versprochen, dass er „ab Januar regelmäßig Spielzeit haben“ werde. In München scheint das nicht möglich.

Es ist davon auszugehen, dass Guardiola, der Hojbjerg im Winter prophezeite, „ein großer Spieler“ zu werden, ihn nun öfter auflaufen lassen wird. In der Liga geht es zwar darum, den Vorsprung auszubauen, in der Champions League aber dürften Spieler aus der zweiten Reihe ihre Chancen bekommen.

Bis zur Winterpause wird keine Entscheidung fallen. Erst dann werden sich Guardiola, Sportdirektor Matthias Sammer, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen zusammensetzen und den Kader analysieren.

 Leicht wird es für den bis 2016 gebundenen Hojbjerg nicht, die Bosse von einem Leihgeschäft zu überzeugen. „Das ist ein Bayern-Spieler, der bleibt hier“, hat Rummenigge erst vor einigen Monaten gesagt.

Von so einer Aussage über seine Person kann Heinz Müller derzeit nur träumen.

Hanna Schmalenbach

Auch interessant

Kommentare