Warm anziehen muss sich Alaba dieser Tage in München. Sportlich ist er unumstritten – aber unter Beobachtung.
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Warm anziehen muss sich Alaba dieser Tage in München. Sportlich ist er unumstritten – aber unter Beobachtung.

FCB will vom Österreicher mehr sehen

David Alaba: Wiener Schmäh ist nicht genug

  • vonHanna Raif
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Bayerns David Alaba ist „kein Talent mehr“, hat aber trotzdem viel Luft nach oben.  Sportdirektor Salihamidzic sagt: „Dann wird ihm zugehört“ und nennt den Österreicher einen „Führungsspieler“.

München – David Alaba kann es so oder so, das merkt man, wenn man ihm nur für ein paar Minuten gegenüber sitzt. Spricht der 25-Jährige über sich, den FC Bayern und seine Ziele für 2018, tut er das in bemühtem Hochdeutsch, langsam, bedacht, konzentriert. Geht es aber um alles, was abseits des Trainingsplatzes passiert, kann er mit seinem Wiener Schmäh kaum an sich halten. Vergangene Woche in Doha berichtete er aus dem Essensraum, in dem er kurz vorher zur Belustigung seiner Mitspieler einen überdimensionalen Teller Spaghetti Bolognese aufgetischt bekommen hatte. Drei Portionen seien das gewesen, sagte er, und fügte lang gezogen hinzu: „Ja, spiiiiiiiinnst Duuuuuu?“

Ansage von oben: Es muss mehr kommen

In solchen Momenten ist es einfach nur nett, David Alaba zuzusehen. Lausbub hat man früher zu Jungs seines Schlags gesagt, immer Flausen im Kopf, für jeden Spaß zu haben. Und weil gute Laune deutlich sympathischer ist als schlechte – und Spaßvögel beliebter sind als überhebliche Alleingänger –, gibt sich der Defensivspieler gerne in dieser Art. Intern, also bei den Kollegen, kommt er gut an, gemeinsam mit Franck Ribery gilt er als Klassenclown. Extern – und sowohl in der Chefetage der Bayern als auch jener des österreichischen Verbandes – fragt man sich aber seit geraumer Zeit, wie lange Alaba noch braucht für den nächsten Entwicklungsschritt. Die deutliche Ansage von oben: Es muss mehr kommen.

Bilder: Öffentliches Training der Bayern vor Testspiel

Hasan Salihamicic bezeichnet den Nationalspieler – WM- und EM-Teilnehmer, heuer beim Turnier in Russland nur Zuschauer – gegenüber unserer Zeitung als „einen der Topspieler unserer Mannschaft, einen Führungsspieler“. Der Sportdirektor ist erst sechs Monate im Amt, also siebeneinhalb Jahre weniger als Dauerbrenner Alaba. Er hat aber aus Gesprächen mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge schon vernommen, dass dieser junge Mann auf der linken Abwehrseite eigentlich deutlich mehr kann, als er in den letzten Jahren gezeigt hat. Nicht ohne Grund fügt der Sportdirektor hinzu: „Wir erwarten, dass er das zeigt.“ Die „intensive Vorbereitung“ bestärke ihn in der Annahme, „dass ihm das gelingt“. Letzte Zweifel werden aber bleiben, bis Alaba auch auf dem Platz restlos überzeugen kann.

„Will meine Person auf und neben dem Platz weiterentwickeln“

Die Fragen, die dem sechsmaligen deutschen Meister in Doha gestellt werden, sind Jahr für Jahr dieselben. Sie drehen sich um Verantwortung und Selbvertrauen, um Leistung und interne Hierarchien. Heuer gab Alaba erstmals und vor allem von sich aus zu, dass er „kein Talent“ mehr sei. Verantwortung zu übernehmen, sei sein Anspruch: „Ich will meine Person auf und neben dem Platz weiterentwickeln.“

Ein Treffer und zwei Vorlagen stehen aus der Hinrunde zu Buche, er agierte sowohl mit Ribery als auch mit Kingsley Coman solide, obwohl er sich je nach Flügel-Partner umstellen müsse. Er spricht sich klar für einen Verbleib von Ribery aus, trainiert hat er in Doha aber mit beiden intensiv und effektiv. Nur mit vollem Einsatz im Training, sagt Brazzo, könne man vorankommen: „Das weiß ich aus Erfahrung.“

Auch Alaba verfügt inzwischen über viel Erfahrung, er gibt sie aber deutlich weniger weiter als etwa Thomas Müller, Jerome Boateng oder Manuel Neuer. Ein Lautsprecher werde er nie werden, sagt er, aber: „Ich habe eine Vorbildfunktion. Ich kann mit dem helfen, was ich von anderen lernen durfte.“ Vor allem Ribery, aber auch Philipp Lahm, Mario Gomez und Bastian Schweinsteiger waren seine Förderer.

Salihamidzic hat Alaba – seit 2008 im Verein – knapp verpasst. Und so spricht der Sportdirektor nun als Vorgesetzter, wenn er sagt: „Wir erwarten, dass er seine Meinung sagt.“ Das Rezept klingt einfach: „Wichtig ist, dass er sei Potenzial abruft. Wenn ihm das gelingt, wird ihm in der Mannschaft zugehört.“ Womöglich ist also alles bisher ein Teufelskreis gewesen – und Alaba dreht wirklich wieder auf. So dass andere mal über ihn sagen: „Ja, spiiiiiiiinnst Duuuuuu?“

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