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Zum Bad in der - begeisterten - Menge wurde der Empfang in der Staatskanzlei für den FC Bayern. Ministerpräsdent Horst Seehofer brachten die Bayern ein persönliches  Extra-Trikot mit.

Donnergrollen im Kuppelsaal

München – Taktik ist alles im Fußball. Nur Mannschaften, die sich sinnvoll verschieben, können etwas erreichen. Und so erinnerten sich die Spieler des FC Bayern am Samstagnachmittag an die Anweisungen ihres Trainers, als sie sich einer unüberschaubaren Menschenmenge gegenübersahen.

Horst Seehofer hatte zu einem Empfang in seine Staatskanzlei geladen, und da der Bayerische Ministerpräsident ein volksnaher Mann ist, wurde der schmucke Kuppelsaal mit vielen, vielen Fans vollgepackt. Nach einer kleinen Begrüßungsrede gab es auf der Hatz nach Autogrammen kein Halten mehr. Die Stars schrieben sich die Finger müde, während sie sich Seite an Seite langsam Richtung rettenden Ausgang verschoben.

Bilder vom Empfang für den FC Bayern

Staatskanzlei-Empfang für FC Bayern

Thomas Müller wurde abgedrängt. Den WM-Torschützenkönig schloss die Menge unbarmherzig ein. Erst, als er gegen einen Tisch am Saalrand gedrückt wurde und dabei ein paar Weißbiergläser zu Bruch gingen, wichen die Fans einen entscheidenden Schritt zurück. Müller ergriff diese Chance zum Spurt in den schützenden Kreis seiner Kollegen hinter verriegelten Türen, im Vorbeigehen schüttelte er nur schmunzelnd den Kopf: „So ein Wahnsinn.“

Richtig gut koordiniert war Seehofers Empfang nicht, zur Krönung unterlief dem Landesvater auch noch ein kleiner Fauxpas, als er den Trainer „Louis van de Gaal“ begrüßte, doch die Bayern absolvierten die Veranstaltung, die als nachträgliche Ehrung ihrer Erfolge der Vorsaison gedacht war, professionell.

Uli Hoeneß dankte Seehofer für die „tolle Einladung“, verschnupft reagierte er auf Fragen, ob man sich nach dem 0:2 tags zuvor gegen Kaiserslautern nicht etwas fehl am Platz fühle: „Sollen wir so einen Empfang wegen eines verlorenen Fußballspiels absagen?“ Im Großen und Ganzen bemühten sich die Bayern um eine nüchterne Nachlese, doch zwischendurch erschütterte den Kuppelsaal ein Donnergrollen. „Wir haben in Lautern total überheblich gespielt und sind total fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen“, mäkelte Hoeneß, „da braucht man sich nicht wundern, wenn man verdient verliert.“

Angesprochen auf das angenehme Los in der Champions League mit den Kontrahenten Rom, Basel und Cluj, meinte der Präsident, ein Weiterkommen sei „machbar – aber nicht, wenn wir wie am Freitag spielen“. Hoeneß war einerseits gut drauf („ich verspreche all unseren Fans, der FC Bayern ist für die Zukunft bestens aufgestellt“), hob aber auch den Finger. Wobei: Vergleiche zum Holperstart im Vorjahr ließ er nicht zu. „Da haben wir gegen Mainz verloren und katastrophal gespielt – aber das Spiel gegen Lautern war nicht katastrophal.“

Die Bayern haben dennoch wieder einen Holperstart hingelegt, und die Sorgen werden in diesen Tagen nicht weniger. Mit Arjen Robben rechnet man an der Säbener Straße in diesem Jahr kaum mehr, die neuformierte Innenverteidigung befindet sich gerade in der Selbstfindungsphase, dazu ist ausgerechnet Müller ins Visier der hausinternen Kritiker geraten. Beim Stand von 0:0 hatte er eine Großchance nicht nach Gusto seines Trainer abgeschlossen, der Rüffel ereilte ihn unmittelbar nach Abpfiff: „Zwei Spieler stehen neben ihm, das muss er sehen. Wir sind beim FC Bayern – da muss man Orientierung haben.“ Das gilt auf dem Platz genauso wie im Kuppelsaal.

Andreas Werner

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