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„Ich kann niemandem sagen, wie stolz ich bin“: Michael „Buschmann“ Zeman im Mannschaftshotel in Doha.

Mit Kutte in der Wüste

Dieser Edelfan reiste für die Bayern bis nach Doha

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Doha - Für Bayern-Edelfan „Buschmann“ war das schönste Geschenk zum 50. die Doha-Reise mit seinem FC Bayern. Er spendierte sie sich selbst, zwei Jahre hat er für den Trip gespart.

Michael Zeman sagt von sich selbst: „Wenn ich 15 Minuten in der Sonne liege, bin ich braungebrannt.“ Auch in Doha hatte der Edelfan des FC Bayern eine gesunde Gesichtsfarbe erlangt. Ausgerechnet am letzten Tag des Trainingslagers, dem, an dem die Sonne am intensivsten schien, war er aber nicht mehr da. Auf der Tribüne an der Aspire Anlage klaffte eine Lücke.

„Nach Saudi Arabien kann ich leider nicht mitfliegen. Da reicht das Budget nicht mehr“, erzählte Zeman im Lauf der Woche. Das 4:1 der Bayern gegen Al-Hilal sah er sich am Samstagabend zuhause in Erftstadt an. Die siebentägige Reise nach Doha war für den 50-Jährigen schon kostspielig genug gewesen.

Zwei Jahre lang hat er für diesen Trip gespart, auch seine Eltern haben noch etwas dazu gegeben. Er wollte sich diesen Traum unbedingt erfüllen, weil es für ihn kein schöneres Geschenk zum 50. Geburtstag geben konnte.

Schon 2012 in Katar war er dabei

Schon 2012 begleitete er das Team nach Katar, damals hatte er die Reise bei einem Gewinnspiel gewonnen. Diesmal musste er sich selbst kümmern. Im Dezember, pünktlich zu seinem runden Ehrentag, war klar: Zeman wird dabei sein, wenn die Bayern sich in Doha auf die Rückrunde vorbereiten.

Es gibt viele verrückte Bayern-Fans, viele, die für den Rekordmeister um die Welt fahren. Michael Zeman aber ist eine eigene Marke. „Buschmann“ wird der gebürtige Ludwigsburger genannt, „weil ich als Jugendlicher Haare hatte wie Jimmy Hendrix und so schnell braun werde“.

Er tritt in Fernsehsendungen auf, er hat eine eigene Homepage. Sogar die Spieler, denen er als Gast im Mannschaftshotel „Grand Heritage“ so nah war wie noch nie zuvor, posieren schon mal mit ihm.

Michael „Buschmann“ Zeman fällt eben einfach auf, wenn er in seiner Kluft auftritt. Mehr als zehn Kilogramm wiegt die Kutte, die der Frühpensionär im Sommer wie im Winter trägt. „Angefangen hat es mal mit einer Jeansjacke, in den siebziger Jahren wurde es dieser Mantel“, sagt er.

Mehr als 100 Aufnäher sind darauf angebracht, gewaschen wird er in Sommer- und Winterpause, „natürlich im Schonwaschgang“. Die Hose allerdings, die Zeman in Doha trug, ist relativ neu. Vor zwei Jahren musste er eigenhändig alle Aufnäher von der alten abnehmen. „Das war vielleicht viel Arbeit“, sagt er lachend. Seine Mama, gelernte Näherin, brachte sie dann auf der neuen wieder an.

Der „Buschmann“ ist Mitglied beim FC Bayern, seitdem er Anfang 20 ist, die Nummer 4992 ist seine. Als kleines Kind wollte er Gerd Müller sein, seit 30 Jahren begleitet er seinen Verein nun überall hin. Meist mit dem Bus geht es quer durch Europa. Die schönste Reise? „Cluj. Dort haben die Leute nichts – und davon geben sie dir auch noch was.“ Die schlimmste? „Ging nur in die Allianz Arena. Nach dem Finale dahoam war ich mehrere Tage nicht ansprechbar.“

Auf 6000 Euro beziffert Zeman seine jährlichen Ausgaben für den FC Bayern, mit 1200 Euro Frührente pro Monat ist das schwer zu stemmen. Verzichtet werden muss an anderen Ecken. „Meine Frau weiß, dass der Fußball für mich alles ist“, sagt er. Einmal war Andrea mit bei einem Spiel, in Wolfsburg. Da war es kalt und ungemütlich, deshalb war der erste gemeinsame Stadionbesuch auch der letzte des Ehepaars Zeman.

Dass Andrea ihren Liebsten irgendwann einmal vor die Wahl stellt, ist unwahrscheinlich. „Aber wenn“, sagt Zeman und wirkt kurzzeitig ernst, „würde ich mich für den Fußball entscheiden.“

hls

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