Fans machen gegen van Bommel mobil

FC Bayern: - München - In seinen guten Momenten ist Mark van Bommel der charmanteste Mensch beim FC Bayern, ein echter Lockenkopf-Darling. Zum Dienstantritt tourte er durchs Verwaltungsgebäude, machte sich mit allen Angestellten des Vereins bekannt. Und als er unserer Zeitung das erste Interview gab, ließ er geduldig das Essen warten, das vor ihm auf dem Tisch dampfte. Alufolie drüber, freundliche offene Miene, keine Spur von Hektik, kein Blick zur Uhr. Bei der Verabschiedung Aufstehen und Handschlag und Dankeschön.

Die Bayern könnten sich auch nach den Spielen keinen besseren Repräsentanten wünschen. Mark van Bommel läuft nie davon, er stellt sich immer den Nachfragen. Und meist findet er gute Worte: "Wir haben uns heute blöd gelaufen. Sagt man das so auf Deutsch?"

Doch es gibt noch einen zweiten Mark van Bommel, er trägt nicht Zivil, sondern das Bayern-Trikot mit der Nummer 17, und auf dem Platz verwandelt sich der nette Plauderer regelmäßig in einen Wüterich. Es ist die klassische Dr. Jekyll wird Mr. Hyde-Geschichte.

Im nächsten Bundesligaspiel am Samstag bei Borussia Mönchengladbach wird er fehlen. Zehn Gelbe Karten, die zweite Sperre schon in dieser Saison im nationalen Betrieb. Das sei nicht typisch für ihn. "In Holland hatte ich maximal fünf Gelbe Karten in einer Saison, in Barcelona voriges Jahr sogar nur vier." Vergangenen Samstag gegen Hamburg hatte er Landsmann Nigel de Jong am Schienbein "rasiert". "Manchmal will ich den Ball holen, manchmal komme ich dabei ein bisschen spät."

Mark van Bommels Ruf beginnt zu leiden. Weniger wegen Fouls wie dem gegen de Jong, sondern wegen anderer Aktionen. In der Champions League rief er mit seinem provokativen Jubel in Madrid die UEFA-Sportgerichtsbarkeit auf den Plan, sie sprach eine Bewährungsstrafe gegen ihn aus und ordnete einen Fair-Play-Botschafter-Auftritt bei einem Jugendturnier an.

Der andere große Aufreger ereignete sich im Rahmen der 0:2-Niederlage beim VfB Stuttgart. ZDF-Bilder zeigten: Mark van Bommel war drauf und dran, seinem Gegenspieler Pavel Pardo den Ellbogen in den Hals zu wuchten. Er traf nicht, und der DFB-Kontrollausschuss nahm daher und weil man bei Pardo "keine Ausweichbewegung feststellen konnte" keine Ermittlungen auf, van Bommel ging straffrei aus. Doch unter deutschen Fußball-Fans ist der versuchte Ellbogen-Check ein großes Thema. Bereits über 600 Beschwerde-E-mails sind beim DFB eingegangen.

Da  der  Verband  sich  aber nur zu Standardantworten aufraffen konnte, hat die Netz-Gemeinde, organisiert in der Plattform "Worldcupwiki", nun zur satirischen Attacke aufgerufen. Auf der DFB-Website "Fair ist mehr" schlägt sie van Bommel für die Auszeichnung "für besonders sportliches Verhalten" vor. Die Computertastatur wird zur Waffe der Anti-van-Bommel-Fraktion. Die schreibt: "Mark van Bommel hat eine schwere Verletzung seines Gegenspielers Pardo verhindert, indem er sich selbst dazu entschlossen hat, ihn nicht zu verletzen."

"Ich schlage van Bommel vor für das faire und freiwillige Zurückziehen seines Armes kurz vor dem Zusammenprall mit seinem Gegenspieler."

"Er hat in vorbildlicher Manier seinen Ellenbogen am Gesicht seines Gegenspielers vorbeigelenkt. Dafür gebührt ihm eine Auszeichnung in Sachen Fairness und Vorbild für unsere Jugend."

"Er nahm billigend in Kauf, dass er sich den Arm auskugeln könnte."

Oder: "Der bekannt hitzköpfige VfB-Spieler Pavel Pardo versuchte, seiner Mannschaft einen Vorteil zu verschaffen, indem er Mark van Bommel mit seinem stählernen Kiefer den Ellbogen zerschmettern wollte."

Nur wenige Monate hat es gedauert, und Mark van Bommel, zu Saisonbeginn noch weit weg, in Barcelona, ist in Deutschland zur Reizfigur geworden. Manchmal muss er sich wundern über das Land, in das er gekommen ist, weil er  in Spanien nicht erste Wahl war.

"Es ist nur in Deutschland so, dass man sich für das Privatleben der Spieler interessiert und Zusammenhänge mit dem Sport herstellt", hat er neulich kritisch angemerkt, als wieder Olli-Kahn-und-seine-Frauen-Woche war. "Auf dem Platz ist Olli ganz normal, das ist für mich entscheidend." Der Medienbetrieb erschreckt van Bommel. "Das gibt wieder Schlagzeilen", sagte er mit leichtem Sarkasmus in Stuttgart zu den Journalisten.

Mit dem FC Barcelona gewann er 2006 die Champions League, in der er zuvor als Anführer des PSV Eindhoven geglänzt hatte. Die nahe Zukunft in München ermöglicht ihm nur noch die Mitwirkung im UEFA-Cup. Ein Rückschritt.

Wechsel bereut? "Nein", wehrt Mark van Bommel ab. Vielleicht ist es nicht die Wahrheit, doch nun ist er wieder der loyale Angestellte: "Ich bin stolz, für den FC Bayern spielen zu dürfen. In Europa gilt er immer noch als der Top-Verein in Deutschland."

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