Verfechter des Kurzpassspiels: Sein Stil würde auch zu Bayern passen, sagt Favre.
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Verfechter des Kurzpassspiels: Sein Stil würde auch zu Bayern passen, sagt Favre.

Trainer-Suche

Bayern-Coach: Was für Favre spricht

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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Der Abschied von Jupp Heynckes ist beim FC Bayern akzeptiert - Lucien Favre erhält bei Nizza die Freigabe. Kommt der Schweizer jetzt an die Säbener Straße?

München – An Jupp Heynckes’ Abschied vom FC Bayern bestehen keine Zweifel mehr. Der 72-Jährige hat den Bossen auch beim letzten großen Versuch, ihn zum Bleiben zu überreden, nicht nachgegeben, und die Führungs-crew akzeptierte diesen Entschluss, man hatte das ja auch intern schon länger kommen sehen. Seitdem um Heynckes Klarheit herrscht, läuft die Suche nach einem Nachfolger. Dass es Thomas Tuchel nicht wird, trifft die Macher längst nicht so ins Mark, wie manche suggerieren. So richtig sicher wären sie bei dem ehemaligen Dortmunder sowieso nicht gewesen, heißt es hinter den Kulissen. Die Suche ginge in Ruhe weiter.

Tuchel hatte – abgesehen von seinen auch in München geschätzten hohen Qualitäten als Trainer – einen großen Vorteil: Er war der einzige Kandidat, der frei gewesen wäre. In der Realität läuft alles ja nicht so wie bei einem virtuellen Managerspiel, skizziert unter anderem Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gerne. An der Säbener Straße zitieren sie da oft folgenden Vergleich: Als Luca Toni einst von Louis van Gaal zur Pause ausgewechselt wurde, brauste der Stürmerstar zornig nach Hause, und ab dem nächsten Morgen gab es Stunk. Bei einem Managerspiel auf dem Computer sei man mit solchen Feinheiten nicht konfrontiert. Gar noch vielschichtiger gestaltet sich die aktuelle Trainer-Suche.

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Abwerbungsversuche? Denkbar unwillkommen!

Von Liverpool bis Leipzig haben Trainer und Vereine in der jetzigen Saisonphase entscheidende Ziele vor sich – ein Abwerbungsversuch vom deutschen Branchenführer ist da denkbar unwillkommen. Eine heikle Sache, zumal die Bayern verständlicherweise wenig Rücksicht auf die Interessen anderer nehmen können. Weiterhin suchen sie einen deutschsprachigen Trainer. Eine schnelle Lösung ist anvisiert. Ralph Hasenhüttl scheidet als Option aus, nicht zuletzt, da eine Übernahme des Leipzigers extrem kompliziert und kostspielig wäre. Aber in Nizza scheinen sie sich bereits auf einen Abgang von Lucien Favre einzustellen. Der Schweizer wird mit Bayern und Dortmund in Verbindung gebracht.

Wie „France Football“ gestern schrieb, gehe man beim Tabellenachten der französischen Liga nach internen Gesprächen von einer Auflösung des bis 2019 laufenden Vertrags aus. Das Blatt berichtet von einer „freundschaftlichen Trennung“, als Ablöse sollen drei Millionen Euro im Raum stehen. Favre besitzt eine entsprechende Klausel im Vertrag. Die Frage sei laut dem südfranzösischen Klub nur mehr, wohin die Reise geht: Bayern oder Dortmund?

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Favre und Rummenigge: Sie waren früher Zimmernachbarn

Beim BVB stand Favre bereits im Sommer ganz oben auf der Liste, doch Nizza ließ ihn nicht ziehen. Er hatte den Klub auf Platz drei geführt. In dieser Saison war erst in der Zwischenrunde der Europa League Endstation. In München träfe er in Rummenigge auf einen alten Gefährten, die beiden schliefen einst als Profis bei Servette Genf in einem Zimmer. Favre passt allerdings nicht nur deshalb ins Profil. Die Bayern bevorzugen routinierte Übungsleiter, und mit seinen 60 Jahren würde ein Routinier auf den Routinier Heynckes folgen.

Favre gilt als Anhänger des spanischen Kurzpassspiels, er war schon als Profi von der Philosophie beim FC Barcelona unter Johan Cruyff angetan. „Das ist auch meine Auffassung: schnelle Kombinationen, viel Ballbesitz.“ Bereits 2011, damals als Coach von Gladbach, sagte er, sein Stil würde auch zu Bayern passen. Der „Guardian“ titelte einst unter seiner Regie in Anspielung auf die Katalanen: „Borussia Barcelona“. Favre legt viel Wert auf technische Qualitäten, 99 Prozent seines Trainings finden mit Ball statt. „Nur wer schnell ist und schnell das Spiel lesen kann, kann heute Fußballer sein“, sagt er, „alle anderen sollten sich einen anderen Job suchen.“ Er brauche Spieler, „die verstehen, was ich fordere“. Die hätte er bei Bayern.

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