Servus, Adiós! Xabi Alonso verlässt nach 18 Jahren als Profi eine Welt, die ihm sehr am Herzen liegt. 

Ruhestand mit Lederhose

Xabi Alonso hinterlässt eine große Lücke

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Es ist ja fast untergegangen, dass neben Philipp Lahm an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen den SC Freiburg ein zweiter Großer des Weltfußballs die Bühne verlassen wird. Xabi Alonso hinterlässt eine große Lücke.

München – Er mag sie, die Lederhose, sehr sogar. Und ein Mann von Welt wie Xabi Alonso kann sie natürlich auch tragen. „Stolz“ sei er, hat der 35-Jährige mal gesagt, „Teil dieser traditionsreichen Kultur zu sein“. Er hat das bayerische Beinkleid in den vergangenen drei Jahren mehrfach ausgeführt, zu jeder Meisterfeier, logisch, und auch auf dem Oktoberfest. An diesem Samstag, wenn zum krönenden Abschluss einer durchschnittlich guten Bayern-Saison und einer überdurchschnittlich guten Welt-Karriere die Feier auf dem Rathausbalkon ansteht, wird Xabi Alonso sie wieder aus dem Schrank holen. Und dann?

Irgendwie ist es in den letzten Wochen – und in der zurückliegenden im Speziellen – ja fast untergegangen, dass neben Philipp Lahm an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen den SC Freiburg ein zweiter Großer des Weltfußballs die Bühne verlassen wird. Lahm hat man zuletzt auf gefühlt allen Kanälen gesehen, gehört und gelesen, der scheidende Kapitän des FC Bayern war der gefragteste Mann im lockeren Saisonausklang. Alonso hingegen sagt eher leise Servus. Ein großes Interview hat er zum Abschluss in Deutschland gegeben, der „Süddeutschen Zeitung“ sagte er gestern, dass er den Gedanken an seinen Abschied nach 18 Jahren im Profi-Fußball „angenommen“ habe: „Ich habe alles mit mir letztgültig ausverhandelt.“

Reflektiert, überlegt, niveauvoll. Es geht einer, den der Fußball vermissen wird.

Als Xabi Alonso Anfang März bekannt gab, dass im Sommer Schluss ist, schrieb er auf Twitter: „Habe es gelebt. Habe es geliebt. Lebe wohl, du schönes Spiel.“ Bis zur letzten Minute. Den Zeitpunkt seines Rücktritts hat er – wie Lahm – selbst bestimmt, es war ihm immer klar, „dass ich auf hohem Niveau Adiós sagen“ will. Von Gedanken an ein abschließendes Fußball-Abenteuer in den USA oder China nahm er in seiner Zeit in München Abstand. Nach und nach. Am Ende wusste er selber, dass er zu sehr für das steht, was er „Old-School-Fußball“ nennt: Liverpools Anfield Road. Das Bernabéu-Stadion von Madrid. Und auch die Allianz Arena.

Passte gut zu Bayern:  Xabi Alonso verlässt nach 18 Jahren als Profi eine Welt, die ihm sehr am Herzen liegt

Wer mit 32 Jahren als Weltmeister, zweifacher Europameister und Champions League-Sieger den Verein wechselt, muss wissen, was er will. Alonso sagte damals, als ihn die Bayern Ende August 2014 von Real holten, dass der deutsche Rekordmeister für ihn das einzig denkbare Ziel war. Aus Madrid war zu hören, dass er den schweren Weg zu Reals Präsident Florentino Pérez auf sich genommen und ihn gebeten habe, ihn ziehen zu lassen. In München wurde aufgehorcht. Zu alt, zu langsam, über dem Zenit, tuschelten sie. Alonso antwortete auf seine Weise: Mit einem Debüt auf Schalke, für das der damalige BVB-Trainer Jürgen Klopp nur ein Wort fand: „Offenbarung.“

Zehn Millionen Euro hat Alonso die Bayern gekostet. Heute, knapp drei Jahre, drei Meistertitel, einem DFB-Pokalsieg und einem Fast-Einzug ins Champions League-Finale später, spricht Klubboss Karl-Heinz Rummenigge von „einem unserer besten Transfers der vergangenen Jahre. Ein Glücksgriff.“ Man kann nicht leugnen, dass der Sohn aus einer begnadeten Fußballer-Familie (Vater Periko und Bruder Mikel Aktive, Bruder Jon Schiedsrichter) am Ende nicht mehr der Schnellste war. Je höher das Niveau wurde, desto öfter kam er zu spät. Seine Fähigkeit, schneller zu denken als die anderen, hat aber Fehler verziehen. Rummenigge spricht von einem „begnadeten Strategen, hochintelligenten Mann und einem der unkompliziertesten Spieler“.

„Du bist der beste Passspieler, mit dem ich je gekickt habe.“

Im Bayern-Spiel war Alonso ein Gleichgewichtsschaffer. Einer, an dem auch sein letzter Coach Carlo Ancelotti nicht vorbei kam. Einer, dessen Lücke schwer zu füllen sein wird. Sein ehemaliger Weggefährte Steven Gerrard sagte zum Abschied: „Du bist der beste Passspieler, mit dem ich je gekickt habe.“ Ein Gegenpol zu Feingeist Thiago und Aggressiv-Leader Arturo Vidal. Und neben dem Platz zu all den jungen und nicht mehr ganz so jungen Kickern, denen es nicht immer gelingt, im überreizten Fußball-Geschäft einen kühlen Kopf zu bewahren.

Alonso ist er selbst geblieben. Er liebt Musik, Kultur, neue Städte, und er hat auch Deutschland geliebt. Wäre da nicht das Problem mit der Sprache. „Das hat mich schon frustriert.“ Man muss wissen: Alonso spricht gutes Deutsch, weit besseres als die meisten anderen ausländischen Spieler im Kader. Aber er hat eben auch andere Ansprüche als andere. Er sagt, er hätte seinen Freunden gerne mehr „über das Gesundheitssystem und Bildungswesen“ erzählt.

Zeit genug, sich mit Dingen abseits des Rasens zu beschäftigen, hat Alonso nun. Was danach kommt, weiß er noch nicht. Natürlich ist eine Trainer-Zukunft für einen Mann wie ihn, der unter Ancelotti, Pep Guardiola, José Mourinho oder Rafael Benítez arbeitete, eigentlich vorbestimmt.

„Kann sein“, sagt er.

Die Lederhose wird er mal griffbereit lassen. Er mag München. München mag ihn.

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