Gleison Bremer wird von einem Teamkollegen geherzt.
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Gleison Bremer (r.) spielt beim FC Turin eine starke Saison.

Ralph Gunesch im Exklusiv-Interview

FC Bayern ohne Alaba und Boateng? DAZN-Experte Gunesch mit spektakulärem Geheimtipp für FCB-Bosse

  • Florian Schimak
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Alaba und Boateng weg? DAZN-Experte Ralph Gunesch spricht mit der tz.de exklusiv über den FC Bayern, deren künftige Abwehr und den Champions-League-Gegner Lazio Rom.

  • Ralph Gunesch spricht im Interview exklusiv über den FC Bayern
  • Der DAZN-Experte legt dem Rekordmeister dabei einen ganz besonderen Abwehrspieler ans Herz
  • Außerdem verrät der Ex-Bundesligaspieler, auf welchen Lazio-Star die Bayern in der Champions League aufpassen müssen

München - Der FC Bayern hat am Donnerstagabend den sechsten Titel in der abgelaufenen Saison geholt. Durch einen 1:0-Erfolg gegen Tigres dürfen sich die Münchner nun Weltpokalsieger nennen. Im Vorfeld des Finals hat sich tz.de mit DAZN-Experte Ralph Gunesch unterhalten.

Der ehemalige Abwehrspieler spricht dabei über das neue Defensivverhalten des Teams von Hansi Flick und legt dem Rekordmeister zudem einen ganz besonderen Innenverteidiger an Herz. Außerdem erklärt Gunesch, was den FC Bayern in der Champions League gegen Lazio Rom erwartet und auf den man da besonders aufpassen sollte.

FC Bayern: DAZN-Experte Gunesch erklärt, warum der FCB nun stabiler steht

Herr Gunesch, Sie haben für DAZN den FC Bayern bei der Klub-WM gesehen. Die Performance im Halbfinale gegen Al-Ahly war überschaubar. Aber auffällig war, dass alles FCB-Akteure sich auf diese Klub-WM gefreut haben - trotz des sehr eng getakteten Terminkalenders in dieser Corona-Spielzeit. Überrascht Sie das?
Ralph Gunesch (DAZN): Die Klub-WM hat lediglich in Europa diesen untergeordneten Stellenwert, in vielen anderen Ländern ist es der wichtigste Vereinswettbewerb der Welt. Das liegt aber auch daran, dass man in Europa auch eine viel höhere Dichte an wirklichen Top-Klubs hat. Aber der FC Bayern ist mit einer Ernsthaftigkeit an dieses Spiel gegangen, sodass es jetzt gegen Al-Ahly kein Feuerwerk war, der Gegner aber auch keine wirkliche Chance hatte. Außerdem: Wenn der FC Bayern jetzt eine Woche nach Katar fliegt, dann wollen die diesen Titel natürlich auch holen – ohne Wenn und Aber.
Im Herbst und Winter hatte der FC Bayern einen kleinen Durchhänger. Vor allem die Defensive wirkte dort nicht sattelfest. Nun spielt Manuel Neuer sogar wieder zu Null. Was hat sich in den vergangenen Wochen diesbezüglich taktisch getan?
Gunesch: Letztlich hat Hansi Flick gar nicht so viel im taktischen Bereich verändert. Es war eher ungewöhnlich, dass die Bayern im Herbst und der Vorweihnachtszeit so viele Gegentore kassiert haben. Jetzt haben sie wieder in drei der letzten vier Bundesligapartien keinen Gegentreffer kassiert. In der Mannschaft hat ein Umdenken stattgefunden, weil man gemerkt hat, dass man mit dem brutalen Vollgas-Fußball aus der Vorsaison zwar erfolgreich ist, aber dieser auf Dauer nicht immer umsetzbar war. Dieser Prozess hat nun stattgefunden. Allerdings sind die Bayern noch nicht da, wo sie hinwollen. Erinnern wir uns nur an das Spiel gegen Hertha BSC, als Cunha in der 90. Minute völlig frei auf Manuel Neuer zu marschiert. Das darf dann halt nicht passieren.
Daher waren gerade in den vergangenen Monaten die Abwehrspieler beim FC Bayern häufig in der Kritik. Die leidige Diskussion um David Alaba, die unklare Zukunft von Jerome Boateng, die fehlenden Form von Niklas Süle. Welche Rolle spielte das?
Gunesch: Gerade für die Stabilität einer Mannschaft ist eine funktionierende Innenverteidigung enorm wichtig, das ist der Grundpfeiler. Wenn es dort Unstimmigkeiten auf mehreren Ebenen gibt, führt das nicht zu Top-Leistungen. Natürlich hat die Mannschaft im Gesamten nicht besonders gut verteidigt, aber wenn es im Zentrum anfängt zu bröckeln, dann wird es sehr fragil. Auch wenn die Gesamtqualität der Mannschaft dann immer noch ausreicht, um nur ein Bundesligaspiel wie gegen Gladbach zu verlieren. Aber man sieht auch beim FC Liverpool, wie instabil alles wird, wenn der Grundpfeiler in der Innenverteidigung ausfällt.
Ralph Gunesch ist Experte bei DAZN
Aber geht der FC Bayern unter dem Gesichtspunk, dass Alaba den Verein wohl verlassen wird, nicht ein zu großes Risiko, wenn man in Sachen Kaderplanung zum Beispiel mit Boateng nicht verlängert, oder ist man sich bei Dayot Upemacano schon sicher?
Gunesch: Ich gehe davon aus, dass die Verantwortlichen beim FC Bayern wissen, was sie machen. Sie werden sich durchaus um Ersatz bemühen. Aber diesen bekommt man nicht für einen schmalen Taler, zumindest mit den Ansprüchen des FC Bayern nicht. Upamecano hat jetzt schon ein sehr hohes Leistungsvolumen, in ihm steckt noch ganz viel Potenzial. Aber da ist die Konkurrenz halt auch recht groß, wie man so hört.

FC Bayern ohne Alaba und Boateng? DAZN-Experte Gunesch mit spektakulären Geheimtipp für FCB-Bosse

Wen sollte der FCB denn sonst für die Innenverteidigung verpflichten? Einen Sergio Ramos wird man ja nicht nach München locken können…
Gunesch: Wie wäre es denn mit dem Bremer?
Sie meinen Marco Friedl?
Gunesch: Nein. (lacht) Ich meine den Innenverteidiger vom FC Turin, Gleison Bremer. Der ist 23 Jahre jung, spielt eine überragende Saison in der Serie A. Das ist ein spannender Junge, Liverpool hat ihn wohl auch schon auf dem Zettel. Er ist vielleicht vom Leistungsstand noch nicht ganz auf dem Level von Upamecano, aber einer, der ein unglaubliches Potenzial hat. Allerdings stellt sich hier Frage, wer von den aktuellen Innenverteidigern bleibt. Wenn der FC Bayern einen Stamm-Innenverteidiger sucht, wäre das jetzt vielleicht nicht die erste Wahl.
Apropos Serie A. Sie begleiten für DAZN am Sonntag das Topspiel in Italien zwischen Lazio Rom und Inter Mailand. Auf was muss sich das Team von FCB-Coach Hansi Flick in zwei Wochen gegen die Römer einstellen?
Gunesch: Aufpassen müssen die Bayern definitiv. Lazio hat die Vorrunde ungeschlagen überstanden, auch wenn sie da jetzt nicht in der BVB-Gruppe durchmarschiert sind. Aber die Römer sind ein unangenehmes Team, das im November und Dezember auch eine schwächere Phase hatte. Aber zuletzt ist die Mannschaft von Simone Inzaghi wieder richtig gut in Form gewesen.
Den Fans in Deutschland wird nur Ciro Immobile was sagen. Aber auf wen wird man beim FC Bayern da jetzt besonders achten müssen?
Gunesch: Klar, Immobile steht toretechnisch über allen. Für mich persönlich ist Sergej Milinkovic-Savic ein Spieler, auf den man aufpassen muss. Er ist groß, physisch präsent, hat super Spielmacherqualitäten, ist technisch richtig stark. Er spielt jetzt im dritten Jahr auf wirklich konstant hohem Niveau und könnte im Sommer den nächsten Schritt gehen. 

Interview: Florian Schimak

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