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Vorbild: Boateng (hier mit deutschen Kindern) unterstützt mit UNESCO Jugendliche im WM-Land Brasilien.

Merkur-Interview

Boateng: "Für die Verletzten wird es schwer"

München – Die WM in Brasilien steht vor der Tür - und Jerome Boateng ist vorbereitet. Im Merkur-Interview spricht er über Löws berechtigte Sorgen, seinen WM-Stammplatz, Pizza und Familien-Träume.

In knapp 100 Tagen ist Jerome Boateng (26) selbst in Brasilien – aber er denkt voraus: Am Dienstag gab der Bayern-Spieler an der Willy-Brandt-Gesamtschule den Startschuss für das Projekt „Living a dream“: Mit der Stiftung UNESCO „Pro Kinderhilfe e.V.“ fördert er den Bau einer Fußballschule für Kinder aus den Favelas von Rio de Janeiro.

Herr Boateng, Brasilien ist wegen Ihres Projektes in Ihrem Kopf. Wie präsent ist die WM sportlich?

Jerome Boateng: Es ist nicht mehr weit bis Brasilien, das wissen wir alle. Klar denkt man an die WM, man will sich darauf bestens vorbereiten. Das machen wir aber auch, indem wir hier bei Bayern alles geben. Wir sind mitten in der Saison. Und das Wichtigste für mich und für die Mannschaft ist, mit Bayern Titel zu holen. Wir stehen in allen Wettbewerben gut da – und wir wissen jetzt, wie es ist, in Finals zu kommen und diese zu gewinnen. Jeder Spieler, der in Frage kommt, will sich mit guten Leistungen ins Gespräch bringen.

Joachim Löw sorgt sich um die vielen Verletzten. Ist das auch für die Spieler ein Thema?

Boateng: Klar. Man will auf dem Weg zur WM jedes Spiel machen. Für die Spieler, die jetzt verletzt sind, wird es schwer, weil sie erst wieder reinkommen müssen. Da sind wir, die im Moment fit sind, schon im Vorteil. Für die anderen – Sami Khedira zum Beispiel, jetzt Sven Bender – ist das ein weiter Weg. Denn wir brauchen eine fitte Mannschaft.

Ihr Teamkollege Bastian Schweinsteiger war eines von Löws Sorgenkindern, ist aber nun auf einem guten Weg.

Boateng: Ja. Er ist rechtzeitig fit geworden. Er hat nun genug Zeit, um Spielpraxis zu sammeln. Und er wird ein ganz wichtiger Spieler bei der WM.

Auf Ihrer Position ist Mats Hummels angeschlagen. Sie und Per Mertesacker sind in der Innenverteidigung gesetzt, oder?

Boateng: Ja (lacht). Das entscheidet der Trainer, aber ich muss schon sagen: Ich habe die letzten Spiele alle gespielt, auch nicht so schlecht. Ich habe ein gutes Gefühl und bin selbstbewusst. Und so gehe ich auch in das Turnier.

Wenn Sie den Jerome Boateng von vor der WM 2010 mit dem von vor der WM 2014 vergleichen. Was hat sich geändert?

Boateng: Einiges. Ich bin nun bei den Bayern und nicht mehr bei Hamburg. Hier ist alles viel größer, eine ganz andere Vorbereitung. Ich habe die Champions League gewonnen, ich habe noch eine EM gespielt. Ich habe mich auch als Mensch weiterentwickelt, habe zwei Töchter bekommen. Ich bin deutlich reifer – wie die anderen auch. Wir haben viele Spieler, die jetzt schon zwei Turniere gespielt haben, die also sehr erfahren, aber trotzdem noch jung sind.

In Brasilien kommt es im Gruppenspiel gegen Ghana zum Brüder-Duell mit Kevin-Prince, aber auch schon am Wochenende gegen Schalke 04. Ist das inzwischen normal?

Boateng: Nein, gar nicht. Es ist immer etwas Besonderes. Es kommt zwar nun öfter vor, dadurch, dass Kevin-Prince auch in der Bundesliga spielt. Aber dass wir bei der WM nochmal aufeinandertreffen, ist ein Traum für uns und die Familie.

Wie viele Karten haben Sie für die Partie am Wochenende bestellt?

Boateng: Oh. Ich habe aufgehört zu zählen (lacht).

Wie ist die Brüder-Kommunikation vor dem Spiel?

Boateng: Jeder ist eigentlich für sich damit beschäftigt. Der Kontakt bleibt wie immer. Aber da gibt es keine blöden Sprüche – so wie das jeder erwartet.

Beim Hinspiel gewann Bayern deutlich. Was sagen Sie Kevin-Prince, wenn er von Revanche spricht?

Boateng: Ist doch klar: Wir sind heimstark und wollen unsere Serie weiter ausbauen. Es ist wichtig für uns, dass wir auf dem hohen Level bleiben – oder noch viel mehr: Wir werden von Spiel zu Spiel besser. Aber man muss auch sagen, dass sich Schalke in der Rückrunde deutlich gesteigert hat. Sie tragen die Früchte des guten Trainings. Unser alter Co-Trainer Peter Hermann ist ja auch da. Und man sieht, dass das Passspiel nun viel besser geworden ist, das Zusammenspiel. Wir erwarten uns deutlich mehr Gegenwehr.

Essen Sie eigentlich lieber Pizza oder Burger?

Boateng: Jetzt darf ich ja wieder Pizza essen (lacht). Am liebsten Margherita. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Schalke Pizza oder Gourmet-Essen ist.

Ihr Trainer Pep Guardiola hat die Bundesliga mit Fastfood verglichen.

Boateng: Er meinte damit, dass jedes Spiel in der Bundesliga auch erstmal gespielt werden muss. Und nun die ganze Zeit zu sagen „Bayern schlägt alles im Vorbeigehen“ finde ich nicht gut. Das stimmt nicht. Man sieht ja auch in den Spielen, dass wir uns oft am Anfang schwer tun. In der Hinrunde hatten wir oft Spiele, in denen wir in Rückstand waren und hinterherrennen mussten. Das können wir noch abstellen. Perfekt ist es noch nicht.

Interview: Hanna Schmalenbach

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