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Die Fankultur beim FC Bayern. Wenn es sie je gab, so ist sie jetzt vom Aussterben bedroht.

Verhältnis zwischen Fans und Bayern belastet

"Klatschpappen gehen im Zweifelsfall vor"

München - Das Triple war erst der Anfang: Mit Star-Trainer Pep Guardiola will der FC Bayern ein Verein für die ganze Welt werden, zu einer globalen Marke aufsteigen. Doch von einigen Fans entfremdet er sich dabei immer mehr.

Das Triple war erst der Anfang: Mit Star-Trainer Pep Guardiola will der FC Bayern ein Verein für die ganze Welt werden, zu einer globalen Marke aufsteigen. Doch von einigen Fans entfremdet er sich dabei immer mehr.

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München – Eine halbe Woche nahm Jupp Heynckes sich Zeit für den Abschied vom FC Bayern. Er gab eine Pressekonferenz, in der er nicht aufhören wollte zu erzählen von den 70er-, den 80er-Jahren und davon, dass er heute jeden Morgen für seine Frau das Obst schält. Dann gab es für die Journalisten Rheinischen Sauerbraten, klassische deutsche Küche, Jupps Lieblingsgericht.

Einen ganzen Tag investierte der scheidende Trainer schließlich noch in einen Fototermin: Jeder der fast 400 Vereins-Angestellten konnte sich persönlich mit Heynckes und den drei gewonnenen Trophäen der Saison (Europacup, Deutsche Meisterschaft, DFB-Pokal) ablichten lassen. Das war Anfang Juni. Beim alten FC Bayern.

Seit Ende Juni ist alles anders. Zur Vorstellung des neuen Trainers Josep „Pep“ Guardiola wurde ein Buffet mit spanischen Tapas aufgebaut, und als wäre man nicht im Pressekonferenzsaal der Allianz Arena, sondern in der Vollversammlung der Uno, waren an den Seiten Kabinen für die Simultandolmetscher aufgestellt. Die Presse: kam aus aller Welt. Es war der erste Tag des neuen FC Bayern.

Als die Mannschaft zum Trainingslager an den Gardasee zog: das gleiche Bild. Gedränge im Kongresszentrum in Riva, 144 Journalisten hatten sich akkreditiert, mehr als für manches Champions League-Spiel. Die erste Frage an Guardiola kam vom italienischen Fernsehsender RAI: „Pep, wie sehen Sie Juventus Turin in dieser Saison?“ Ein Argentinier wollte wissen: „Pep, wie entwickeln sich die Dinge beim FC Barcelona?“ Das sind Themen für den neuen FC Bayern.

Nicht wegen, aber mit Guardiola ist der deutsche Rekordmeister, der heute (20.30 Uhr/ARD live) gegen Borussia Mönchengladbach in die neue Bundesliga-Saison startet, endgültig ein anderer Klub geworden. Der Gewinn des Triple und die Verpflichtung des auch von den reichen Engländern umworbenen katalanischen Startrainers haben die Entwicklung beschleunigt: Der FC Bayern soll jetzt ein Klub für die ganze Welt sein.

„Wir sind nicht mehr nur regional oder national. Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir international sein wollen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. „Wir stehen im Wettbewerb mit Real Madrid, Barcelona, Manchester, Juventus, Paris St. Germain. Wir wollen große Transfers machen und die Mannschaft so stark halten, dass sie auch die Champions League gewinnen kann.“

Die besten Fan-Choreos der Bayern

Die besten Fan-Choreos der Bayern

Für die Internationalisierung hat der FC Bayern einen eigenen Mann eingestellt, gleich mit Sitz im Vorstand: Jörg Wacker, der zuvor für den Wettanbieter bwin gearbeitet hat. Büro in China, Website auf Japanisch. „Beim FC Bayern“, sagte der Marketingexperte Peter Rohmann im Spiegel, „stammen rund zehn Prozent der Einnahmen nicht mehr aus Deutschland“.

Rummenigge erklärt: „Als rein heimatverbundener Klub werden wir auf dem Platz nicht mehr bestehen können.“ Man soll über den FC Bayern überall sprechen, auch in Asien, Amerika, Afrika. Man soll Trikots mit den Namen seiner Spieler tragen und über die taktischen Feinheiten seines Trainers diskutieren.

Der FC Bayern wächst und wächst und wächst – und ist sich selbst nicht sicher, ob er das vorbehaltlos gut finden soll. Denn der Erfolg schafft auch ein Problem: Der FC Bayern hat Bedürfnisse geweckt, die er nicht immer befriedigen kann. An diesem Punkt kommt Professor Wolfgang Salewski ins Spiel.

Er ist 70 Jahre alt, er verbringt die Hälfte seiner Zeit in Spanien, „wo der FC Bayern auch sehr berühmt ist“, er war Polizeipsychologe, hat die Terrorschutzgruppe GSG9 mit aufgebaut, Konflikte sind sein Lebensthema. Salewski hat Tabellen erstellt, die die Entwicklung des FC Bayern aufzeigen. Er hat drübergeschrieben: „Der FC Bayern München und die Fans. Wachstum und Mangel.“

Die Statistik beginnt im Jahr 2000/01, als der FC Bayern noch im Olympiastadion spielte und international nicht ernst genommen wurde, obwohl er in dieser Saison die Champions League gewann. Vereinsmitglieder damals: 91 288. Fanclubs: 1909. Fanklub-Mitglieder: 115 343. Im Jahr 2005 der Umzug in die Allianz Arena: 121 119 Mitglieder, dazu 156 673 in 2290 Fanklubs. Schließlich der Stand am Ende der Triple-Saison: 217 241 Vereinsmitglieder, außerdem sind 241 160 Anhänger in 3372 Fanklubs organisiert. Jedes Spiel ist ausverkauft, zu Olympiastadion-Zeiten waren das pro Saison nur 5,7 Spiele, und weil 44 000 Plätze dauerhaft vergeben sind, bleiben nun immer nur 27 000 Karten übrig.

Die besten Fan-Choreographien in Europas Stadien

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Für die meisten Mitglieder ist der FC Bayern eine Fernbeziehung, eine Bekanntschaft über die Medien, ein Live-Erleben ist kaum möglich. „Unser Konflikt Nummer eins“, sagt der Professor Salewski, „ist der Umgang mit dem Mangel.“

Mittwochabend in der „Unhaltbar“ im Münchner Glockenbachviertel. Ein paar Fans sind zusammengekommen, die sich mit ihrem FC Bayern schwertun – mit denen aber auch der Klub seine Probleme hat. Die aus der Südkurve, aus den Blöcken 112 und 113. Frage in die Runde: Habt ihr den Eindruck, dass sich der FC Bayern von euch, der Basis, immer weiter entfernt? Alle nicken. Wolfgang Martin sagt: „Wenn der Verein uns loswerden will, ist er auf dem besten Weg dazu. Er plant anscheinend die Zerschlagung der aktiven Fan-Szene im Stadion.“

Martin ist Pressesprecher des „Club Nr. 12“, einer losen Vereinigung von Bayern-Fans mit 2400 Mitgliedern, von denen, so der Vorsitzende Gregor Weinreich, „ein Viertel bis ein Drittel ultra-orientiert ist“. Ultras sind der harte Kern der Fans, manche investieren in ihren Verein so viel Zeit wie in Job oder Studium. Sie basteln an Choreographien, fahren zu jedem Spiel mit, auch international, organisieren sich Züge und Flüge, wollen die Mannschaft stets bedingungslos unterstützen und für Stimmung im Stadion sorgen. Doch sie sind auch kritisch, streitbar, sie stellen Forderungen. Ihnen werden pyrotechnische Vergehen und Ausschreitungen zugerechnet. Der FC Bayern glaubt zudem, bei Ultra-Gruppierungen wie Schickeria, Inferno Bavaria, Munich’s Red Pride und Alarmstufe Rot Machtstreben zu erkennen. Rummenigge: „Sie wollen bei allem mitentscheiden. Auch bei Transfers.“

Das bestreitet die Südkurve. Weite Teile von ihr waren vor zwei Jahren dagegen, den bekennenden Schalker Manuel Neuer zu holen. Der FC Bayern bat daraufhin Salewski, in der Sache zu vermitteln. Der Konflikt um Neuer ist noch immer ungelöst, doch Salewski inzwischen zum Experten für die Kurve und speziell die Blöcke 112 und 113 geworden. Sie sind die direkt hinter dem Tor, dort wo gehüpft, gesungen, angefeuert wird, 90 Minuten lang, die Stehplatz-Insel, ein Stück Romantik in einem Stadion, das der Zweckmäßigkeit huldigt und das eine riesige Marketing-Maschine ist. Doch es kriselt in 112 und 113.

Salewski hat analysiert, dass der FC Bayern bei all seiner monumentalen Größe lediglich „600 stimmungsaktive Fans“ hat. So wenige – „ich war bass erstaunt“, bekennt er. An ihnen hängt es oft, ob die schweigende Mehrheit im Stadion sich mitreißen lässt. 1785 Zuschauer passen offiziell in den Stimmungsblock, und der harte Kern sagt, es könnte viel mehr los sein. „Junge Fans wollen dort sein, wo der Punk abgeht, doch für sie ist es schwer, Karten zu bekommen für den Block 112/113. So ging das Geschmuggel los“, erklärt Club Nr. 12-Vorstand Weinreich. Salewski hat Zählteams an die Eingänge gestellt, sie haben registriert, dass bis zu 514 Zuschauer in den Block geschmuggelt wurden. Jetzt hat der FC Bayern Drehkreuze eingerichtet. Die Szene ist verstimmt.

„Der Club Nr. 12 war immer für ein neues Stadion. Die Idee war, dass wir viele Stehplätze und in ein paar Jahren die geilste Kurve Europas bekommen würden“, sagt Gregor Weinreich, „diese Vorstellung war naiv.“ Die Südkurve, die im Olympiastadion 11 000 Plätze bot, wurde in der Allianz Arena in Süd und Nord geteilt. „Sogar Leverkusen hat uns überholt, der FC Bayern hat jetzt den kleinsten Heim-Stehplatzblock der Liga.“ Die Stimmung würde leiden, immer mehr. Auch die großen Fan-Choreographien, an denen man nächtelang bastle, seien ein Auslaufmodell. Verein und Sponsoren nehmen es selbst in die Hand, lebende Bilder zu schaffen, beim Finale der Champions League war eine Agentur beauftragt. Weinreich: „Klatschpappen gehen im Zweifelsfall vor.“

Fan-Plakate beim FC Bayern: Von witzig bis drastisch

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Der FC Bayern erkennt das Problem, das sein Erfolg geschaffen hat. „Wir glauben aber nicht, dass wir unsere Wurzeln vergessen“, sagt Karl-Heinz Rummenigge, „wir müssen den Spagat zwischen den Basics und dem nächsten Schritt der Internationalisierung schaffen.“ Raimond Aumann, ehemaliger Torwart und seit 17 Jahren Fan-Beauftragter des FC Bayern, meint: „Wir sind der einzige Klub, der jedes Jahr ein Traumspiel gegen einen Fan-Klub macht. Fragen Sie mal beim FC Barcelona, ob der gegen seine Fans spielt.“

Barcelona bot über Jahre den schönsten und erfolgreichsten Fußball der Welt, doch der Verein hat keine klassische Fan-Szene mehr, keinen Stimmungskern. Pep Guardiola kommt aus Barcelona, und so willkommen er, der Wunder-Trainer, auch ist, wird befürchtet, dass der FC Bayern sich eine Barcelona-Kultur schaffen werde.

Guardiola fasziniert die Menschen – im und um den Verein herum. Der Katalane ist freundlich und bemüht, auf jede Pressekonferenz-Frage auf Deutsch zu antworten. Doch er ist unnahbar – und wird es bleiben. Selbst dem Reporter des Branchenblatts „kicker“ gelang es gerade mal, Guardiola im Hinausgehen ein Heft in die Hand zu drücken. Richtige Interviews, so hat Pep angekündigt, werde er in München keine geben; das Bild von ihm wird ein oberflächliches bleiben. Das eines entfernten Weltstars.

Günter Klein

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