Spielerroulette im Mittelfeld

Goretzka kommt - und wer muss dann gehen? Für einen wird‘s besonders eng

  • Gregory Straub
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Die Verpflichtung von Leon Goretzka im kommenden Sommer bedeutet, dass beim FC Bayern demnächst mal wieder Umbauarbeiten am Kader stattfinden müssen. Die große Frage lautet: Wer muss gehen?

Mit dem Transfer von Leon Goretzka ist dem FC Bayern mal wieder ein Husarenstreich gelungen: Der Rekordmeister sicherte sich die Dienste eines der größten Talente im deutschen Fußball für mehrere Jahre, noch dazu kommt das Juwel ablösefrei vom FC Schalke 04 nach München. Alles richtig gemacht also.

Doch alle Arbeit ist damit noch nicht getan. Die Verantwortlichen der Bayern müssen nun abwägen, wie im eigenen Luxuskader Platz geschaffen werden kann für den Confed-Cup-Sieger. Dass alle Spieler gehalten werden und Goretzka den Kader damit nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ verstärken wird, davon ist nicht auszugehen. Die große Frage ist also: Welcher Mittelfeldspieler muss gehen? In Frage kommen vier Spieler, die eine ähnliche Position bekleiden wie Leon Goretzka:

Sebastian Rudy: Der Mittelfeld-Allrounder kam im Sommer ablösefrei aus Hoffenheim und hat beim FC Bayern bislang überrascht: Immerhin kam der 27-Jährige heuer bereits in zwölf Bundesligaspielen zum Einsatz, auch in der Champions League stehen bereits fünf Einsätze zu Buche. Rudy war sowohl bei Ex-Trainer Carlo Ancelotti ein fester Bestandteil als auch seit der Übernahme durch Jupp Heynckes. Sein Vertrag bei den Bayern läuft bis 2020.

Fazit:  Rudy ist nicht nur sportlich wertvoll, er reiht sich auch problemlos ins zweite Glied ein, wenn der Trainer auf andere Spieler in der Startformation setzt. Es käme sehr überraschend, wenn sich die Bayern von ihm trennen würden.

Wechselwahrscheinlichkeit: 10 Prozent.

Sebastian Rudy.

Corentin Tolisso: Dafür, dass der Franzose der Rekordtransfer des FC Bayern ist (kam zu Saisonbeginn für 41,5 Millionen Euro aus Lyon), hat er noch nicht vollends eingeschlagen. Tolisso spielt nie wirklich schlecht, allerdings bislang auch so gut wie nie herausragend. Das macht aber nichts, denn die Bayern wollen dem 23-Jährigen noch eine gewisse Eingewöhnungszeit gewähren. Trainer Jupp Heynckes schwärmt regelrecht vom zentralen Mittelfeldspieler: „Er ist ein laufstarker, aggressiver Mittelfeldspieler mit sehr gutem Torabschluss. Er hat einen sehr guten Charakter. In der Mannschaft genießt er große Anerkennung.“ Damit nicht genug. Für Heynckes kommt die große Zeit Tolissos erst noch: „Er wird auf Sicht sehr wertvoll sein.“

Fazit: Tolisso wird nicht abgegeben. Es müsste schon Verrücktes passieren, dass die Münchner den Spieler nach nur einem Jahr wieder verkaufen werden - ein unmoralisches Angebot aus England eintrudeln, beispielsweise. Das wird aller Voraussucht nach nicht passieren. Und selbst wenn, dann könnten und würden die Bayern wohl immer noch Nein sagen.

Wechselwahrscheinlichkeit: 5 Prozent.

Corentin Tolisso.

Arturo Vidal: Vidal ist derjenige Spieler, um den es derzeit die meisten Wechselgerüchte gibt. Bis der Chilene vor wenigen Tagen erklärte, im Winter auf keinen Fall den Verein zu verlassen, rechnete so mancher Beobachter schon mit einem vorzeitigen Abschied im Januar. „Ich bleibe bis Sommer“, sagte der 30-Jährige, dessen Vertrag in München bis 2019 läuft. Und dann? „Dann werden wir sehen, was passiert“, erklärte der „Krieger“, der in dieser Saison zu den Stammkräften zählt. 16 Einsätze in der Bundesliga und fünf in der Champions League hat Vidal bereits zu Buche stehen. Klingt ein bisschen nach Abschied.

Fazit: Angesichts des Interesses von finanzstarken Klubs wie dem FC Chelsea und Inter Mailand, diversen Skandälchen abseits des Fußballplatzes und Vidals Alter scheint es nicht unrealistisch, dass der FC Bayern Vidal ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages gehen lässt - gegen die Zahlung einer ordentlichen Ablösesumme, versteht sich.

Wechselwahrscheinlichkeit: 80 Prozent

Arturo Vidal.

Thiago: Dass der Spanier in dieser Liste auftaucht, alleine das dürfte für den einen oder anderen Fan ein Frevel sein. Ausgerechnet Thiago, der in Topform möglicherweise sogar der beste Bayern-Spieler im Kader ist, soll ein Kandidat für einen Abgang sein? Auf den ersten Blick nicht, doch wenn man sich seine Werte ansieht, besonders im Vergleich zu Arturo Vidal, könnte man ins Grübeln kommen. Der Kicker hat die Leistungsdaten der beiden Spieler verglichen und stellt fest, dass Vidal wesentlich torgefährlicher (21 Tore in zwei Jahren gegenüber 21 Toren in vier Jahren bei Thiago) und defensiv robuster ist. Außerdem plagt sich der 26-Jährige seit seiner Ankunft in München 2013 immer wieder mit Verletzungen, auch hier ist Vidal einen Schritt voraus. Dennoch: Fußballer der Marke Thiago gibt es nur ganz wenige auf dem Planeten. Auch deshalb haben die Bayern den Vertrag mit ihm langfristig bis 2021 verlängert. Zuletzt hielten sich jedoch Spekulationen über eine Rückkehr des Spielers zu seinem Heimatverein FC Barcelona hartnäckig.

Fazit: Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, dass die Bayern-Verantwortlichen ihre Meinung über Thiago ändern würden. Oder dass der künftige Trainer keinen Wert auf die Dienste des Zauberfußes legen würde. Die Wahrscheinlichkeit eines Abschieds aus München ist im Gegensatz zu Rudy und Tolisso zwar höher, dennoch aber vermutlich nicht realistisch.

Wechselwahrscheinlichkeit: 25 Prozent

Thiago.

Video: Glomex

Rubriklistenbild: © MIS

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