Tief enttäuscht: Arjen Robben, Javi Martínez und Thomas Müller (v. l.) müssen das Bayern-Aus im Pokal erst einmal verdauen.
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Tief enttäuscht: Arjen Robben, Javi Martínez und Thomas Müller (v. l.) müssen das Bayern-Aus im Pokal erst einmal verdauen.

Verantwortliche halten sich noch zurück

Parallelen zu 2012: Revolution bei den Roten bahnt sich an

  • Sven Westerschulze
    vonSven Westerschulze
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München - Beim FC Bayern erinnert derzeit vieles an das Jahr 2012. Damals setzte es für die erfolgsverwöhnten Roten zuletzt Enttäuschung auf Enttäuschung. Doch wie sehen die Folgen aus?

Update vom 28. April 2017: Wen verpflichtet der FC Bayern nach dem Dopple-K.o. in der Champions League und im DFB-Pokal? Welche Top-Stars hat der Rekordmeister auf der Einkaufsliste? Wir haben alle aktuellen News zu Transfers und alle Transfergerüchte zum FC Bayern München zusammengefasst.

Fünf Jahre ist es her, da lag der FC Bayern am Boden. 2012 stand für die Roten am Ende der Saison das schmerzhafte Vize-Triple zu Buche. Das Drama dahoam, das Scheitern im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea im CL-Endspiel, war nach Platz zwei in der Liga und der 2:5-Pleite im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund der traurige Höhepunkt in einer der wohl bittersten Spielzeiten der Vereinsgeschichte. In dieser Saison werden die Münchner Meister, in den Pokalwettbewerben sind sie nicht erst kurz vor dem Ziel ausgeschieden - und trotzdem erinnert bei den Bayern gerade vieles an 2012.

Der Rekordmeister ist angezählt, in der neuen Saison muss er zurückschlagen. Aber wie? Damals schlug der FCB schon im Sommer zu und zwar auf dem Transfermarkt. Mit Mario Mandzukic, Dante und Javi Martinez holte er drei neue Stammspieler, der Spanier ist mit seinen 40 Millionen Euro Ablöse bis heute der teuerste Transfer der Bayern-Historie. Der Rest ist Geschichte: 2013 holten die Bayern das Triple! Das Scheitern jetzt könnte bei den Bossen Ähnliches bewirken. „Vielleicht wird das dafür sorgen, dass, ähnlich wie wir es mit dem BVB mit dem Double 2012 ausgelöst haben, wieder richtig was vorangetrieben wird“, meinte Mats Hummels nach der 2:3-Niederlage gegen seinen Ex-Verein am Mittwochabend.

Symbolträchtiges Bild: Irgendwie wirkt die Bayern-Saison wohl nicht nur für Arturo Vidal wie ein verlorenes Jahr.

Zur Revolution gezwungen?

Nicht mal eine Woche zuvor hatte Carlo Ancelotti noch erklärt, dass es im Sommer „keine Revolution“ im Kader geben werde. Die zu umgehen, dürfte aber inzwischen nicht mehr nur wegen der Abschiede von Philipp Lahm und Xabi Alonso immer schwerer werden, sondern vor allem wegen des unbefriedigenden Verlaufs dieser Spielzeit. Auch, wenn Jogi Löw die Bayern tröstete. „Man kann nicht immer drei Titel gewinnen“, so der Bundestrainer.

Es ist allerdings fraglich, ob es Carlo Ancelotti wirklich gelingt, in der neuen Saison die jungen, talentierten Spieler im FCB-Kader in die erste Elf zu integrieren. Auch wenn der Italiener unmittelbar nach dem Pokal-Aus betonte, dass es „zu früh ist, ein Saisonfazit zu ziehen“, ist ihm bewusst, dass seine Mannschaft qualitativ verstärkt werden muss. Mit Alexis Sanchez vom FC Arsenal ist der erste Kandidat in die engere Auswahl gerückt. Den Chilenen aus England loszueisen, dürfte angesichts der Wahnsinns-Gehälter auf der Insel kein Kinderspiel werden. Und auch wenn es der erste Blick auf die Nationalität vielleicht vermuten lässt: Beste Freunde sind Sanchez und Bayern-Krieger Arturo Vidal nicht.

Der Trainer und sein neuer Abwehrchef? Carlo Ancelotti (l.) könnte in Zukunft mehr denn je auf Mats Hummels bauen.

Rummenigge will noch nicht über Zukunft sprechen

Fragen nach der Zukunft wich Karl-Heinz Rummenigge am Mittwoch aber aus. „Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über die Zukunft zu sprechen. Jetzt müssen wir erst einmal in Ruhe die Wunden lecken“, machte der Vorstandsvorsitzende keinen Hehl daraus, dass die Bayern der doppelte Pokal-K.o. hart getroffen hatte. Ein ehemaliger FCB-Spieler blickte dafür aber schon ein bisschen weiter voraus. „Ich glaube, dass sie verrückte Dinge machen werden“, sagte ARD-Experte Mehmet Scholl in Richtung Rummenigge und Uli Hoeneß. Sorgen macht er sich dabei aber nicht um die Münchner. „Auf die beiden kann man sich als Bayern-Fan verlassen. Uli entscheidet aus dem Bauch, Kalle aus dem Kopf“, so der 46-Jährige weiter.

2012 reagierten Rummenigge und Hoeneß recht rabiat, auch Sportdirektor Christian Nerlinger musste damals gehen und wurde durch Matthias Sammer ersetzt. Unter dem Sportvorstand holten die Bayern nicht nur das Triple, sondern insgesamt elf Titel. Sammer kümmerte sich abseits der öffentlichen Wahrnehmung extrem um die Spieler, nahm sich ihrer an und kitzelte oft jene letzten Prozente aus Ribéry & Co. heraus, die auf absolutem Top-Niveau entscheiden. Doch Sammers Posten ist seit dessen Abschied vergangenen Juli vakant, die Suche nach einem Nachfolger ist bislang im Sand verlaufen. Auch diese Baustelle müssen die Bayern-Bosse in ihre Personalplanungen für die neue Saison mit aufnehmen. Ein erneuter Umbruch ist unvermeidlich, wollen die Münchner die Meriten ihrer erfolgreichen Arbeit in den vergangenen Jahren nicht schneller wieder zunichte machen als ihnen lieb ist.

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Sven Westerschulze, Manuel Bonke

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