Nur noch Liga-Spiele für den Kapitän

Lahms Finale steigt gegen Freiburg

  • vonHanna Raif
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München - Ausgerechnet Philipp Lahm begeht gegen Dortmund den Fehler, der ihn um ein letztes großes Endspiel bringt. Dem Kapitän bleiben nun noch vier Liga-Spiele.

Dieser Fehler, er war so doof, es war eigentlich einer, den man eher in seinem ersten als in seinem letzten DFB-Pokalspiel macht. Also damals, am 31. August 2002, vor 5100 Zuschauern im Grünwalder Stadion. 19 Jahre war Philipp Lahm alt, als er in der ersten Runde als rechter Verteidiger der Bayern-Reserve mitspielen durfte. Es ging gegen Schalke 04, gleich ein großer Gegner zum Einstand. Auf der Trainerbank saß Hermann Gerland und den Anschlusstreffer zum 1:2 schoss ein Mann, der den Namen Ralph Hasenhüttl trägt. Am Ende mussten die kleinen Bayern sich geschlagen geben. Das war irgendwie zu erwarten und für Lahm auch zu schlucken. Denn die Niederlage ging ja nicht auf seine Kappe. Sein Einstand - gelungener als sein Ausstand.

Als Philipp Lahm am Mittwoch vor die Medienvertreter trat, hat er jedem, der ihn sehen konnte, aufrichtig leidgetan. Die Haare hatte er sich nach der schnellen Dusche nicht mehr gerichtet, sie standen in alle Richtungen, seine Stimme wirkte rau und er komplett angeschlagen. Es hat den Bayern-Kapitän in seiner Karriere, die nach dem Aus im Pokal gegen Dortmund nun noch genau vier weitere (Bundesliga-)Spiele vorsieht, stets ausgezeichnet, sich zu stellen - egal was passiert war. Man musste aber bis zu seinem 58. Pokalspiel warten, ehe er eine Pleite direkt auf sich nehmen musste. Er machte es, mit Stil, offen, ohne Umwege. Lahm sagte: „Ich mache den entscheidenden Fehler.“ Er fügte hinzu: „Bitter.“ Und dann: „Sehr bitter.“

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Kollegen wollten für Lahm siegen

Die Mannschaftskollegen hatten schon die ganze Woche über betont, dass sie vor allem für ihren Kapitän die Chance auf das Double wahren wollten. Am Montag dann war Lahm vor die Presse gesetzt worden, die Dramaturgie schien perfekt zugespitzt auf eine große Laufbahn, die ihren letzten Akt, ihren „krönenden Abschluss“ (Karl-Heinz Rummenigge) in Berlin erhalten sollte. Sechs Mal hat Lahm, 33, dort den Pokal in die Luft stemmen können. Ein siebtes Mal „wäre ein würdiges Ende seiner Karriere gewesen“, sagte Mats Hummels, auch Sven Ulreich sprach davon, dass „Philipp das einfach verdient gehabt“ hätte: „Wir wollten ihm das noch mal ermöglichen.“ Wenn am 27. Mai nun der BVB und Eintracht Frankfurt um den Titel spielen, ist Lahm schon im verdienten Ruhestand.

Sein letztes Arbeitsjahr wird mit einem Titel enden, der Meisterschaft, seiner achten. Ob das zu wenig sei, wollte der nach dem Aus noch nicht beurteilen, „das werden wir uns in den nächsten Tagen durch den Kopf gehen lassen“. Denn in der Nacht zum Donnerstag überwog „die Enttäuschung“. Eine „schlechte Saison“ sei seine letzte dennoch nicht. Von einer guten aber wollte er auch nicht mehr sprechen.

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Ball gegen Guerreiro und Reus verloren

Sein Fehler lief auf den Monitoren in den Katakomben der Allianz Arena gefühlt in Dauerschleife. Ein einfacher Ball, vertändelt, nach hinten durch die eigenen Beine gespielt, von Raphael Guerreiro und Marco Reus abgeluchst, in einen Konter mitgenommen und durch Ousmane Dembélé zum Dortmunder 3:2 verwandelt. Viele solche Missgeschicke hat man von Lahm in den letzten 14 Jahren nicht gesehen.

Auch diesmal, sagte Rummenigge, „trifft ihn keine Schuld. Er hat gut gespielt und kann mit seiner Leistung zufrieden sein.“ Mehmet Scholl versuchte ebenso, zu trösten und sagte zum geknickten Lahm: „75 Prozent deiner Spiele warst du überragend. Und die anderen 25 Prozent warst du Weltklasse.“ Aufmunternde Worte, nett gemeint. Lahm aber ist lang genug Profi, um zu wissen, dass das an diesem Abend egal war. Er trägt mindestens eine Mitschuld daran, dass seine letzte Partie nun am 20. Mai das Bundesliga-Spiel gegen Freiburg sein wird: „Dann ist es so. Ich kann es nicht ändern.“

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Ändern will Lahm auch seine Meinung nicht mehr, obwohl Trainer Carlo Ancelotti öffentlich und die Herren aus der Vorstandsetage hinter verschlossenen Türen seit Monaten versuchen, ihn zum Weitermachen zu überreden. „Das war keine Überlegung, die über Nacht gereift ist. Das Gefühl ändert sich nicht, es ist immer noch das gleiche“, sagte er. Es bleibt daher nichts übrig, als „die letzten Wochen als Fußballprofi zu genießen - auch wenn das gerade schwerfällt.“

Einen siebten Pokalsieg - wie sein alter Weggefährten Bastian Schweinsteiger - darf Lahm nicht feiern. Der übrigens saß am 31. August 2002 auf der Reservebank. Er sah ein Spiel, in dem Lahm keinen großen Fehler machte. Wie (fast) immer.

Hanna Raif

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