Wieder mittendrin: Thiago (r.) wirkt im Training voller Elan. Costa und Lewandowski freut seine Rückkehr.
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Wieder mittendrin: Thiago (r.) wirkt im Training voller Elan. Costa und Lewandowski freut seine Rückkehr.

Comeback des Spaniers

Mit Mamas Erfolgsrezept: Thiago gegen Schalke vor Rückkehr

  • vonHanna Raif
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München - Am Samstag gegen Schalke steht Thiago vor seinem Comeback. Der FC Bayern erhofft sich durch die Rückkehr des Mittelfeldstrategen wieder mehr spielerische Leichtigkeit. Thomas Müller hingegen droht die Bank.

Einfach mal machen lassen, das hat Thiagos Mutter schon immer getan – im Hause Alcantara existieren genug Videos, die als Beweis dafür dienen. Teilweise hat die Mama ihre beiden Söhne minutenlang dabei gefilmt, wie sie sich gegenseitig den Ball stibitzten und vollkommen außer Puste gerieten. Die Aufnahmen sind beeindruckend, schon damals war das familiäre Talent deutlich zu erkennen. Aus den Burschen könnte mal was werden, dachte sich nicht nur die Frau Mama. Heute richtet nicht mehr sie, sondern zig Kamerateams ihre Objektive auf den Profi des FC Bayern (und seinen beim FC Barcelona unter Vertrag stehenden jüngeren Bruder Rafinha).

Allein vom ersten Training der Woche, in der am Samstag gegen Schalke 04 das erste Bundesliga-Heimspiel der Rückrunde ansteht, existieren von Thiago mehrere Dutzend Bilder. Der Spanier, wie er sprintet, wie er Zweikämpfe sucht, wie er sich dehnt, wie er jubelt, wie er mit seinen Kollegen scherzt. Im Moment scheint es, als sei Thiago nach seiner Rückkehr ins Teamtraining das gefragteste Motiv. Womöglich, weil nicht zu leugnen ist, dass er in Bayern-Kreisen die personifizierte Hoffnung auf die Rückkehr der spielerischen Leichtigkeit ist – die mit Blick auf das in zwei Wochen anstehende erste Achtelfinal-Duell mit dem FC Arsenal in der Champions League nun anstehen sollte.

Vielleicht mag es zu früh sein, den holprigen Start in das neue Fußballjahr an der Absenz der Mittelfeldstrategen festzumachen. Wenn man den souveränen Auftritt der Bayern beim 3:0 gegen Leipzig vor der Winterpause aber mit jenen Vorstellungen vergleicht, die sie nun in Freiburg und Bremen geboten haben, ist ein Unterschied nicht zu leugnen. Im Top-Spiel vor Weihnachten stand Thiago in der Startelf, vielmehr noch: Er machte vor den Augen des frustriert auf der Bank sitzenden Thomas Müller ein überragendes Spiel. Es ist kein Zufall, dass sein Ausfall nach der Muskelverletzung, die er sich im Trainingslager in Katar zugezogen hat, die Klubobersten richtig wurmte.

In den letzten beiden Spielen stand Müller auf der Zehn, er blieb so blass wie schon die ganze Saison über. „Richtig prickelnd“, gab der Nationalspieler nun in Bremen zu, sei seine Situation nicht. Er haderte vor allem mit dem Mangel an Torabschlüssen, obwohl Carlo Ancelotti unlängst im kicker erklärte, ihn „mehr als Mannschaftsspieler als als Top-Torjäger“ zu sehen. Das mag stimmen: Einen Bundesliga-Treffer hat Müller in der laufenden Spielzeit erzielt, im vergangenen Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt 14. Kreative Impulse, Pässe, die anderen dienen, zeigt er aber auch kaum. Das Gefühl für Raum und Ball fehlt im Moment.

Wenn alle fit sind, ist nur für Müller oder Thiago Platz. Zwar sagte Ancelotti, dass „die Wahl, wer auf dieser Position spielt, vom Spiel abhängt“. Die Frage, die er sich vor jeder Partie stellt („Wer ist gerade wertvoller in dieser Rolle?“), lässt sich nach den letzten Eindrücken aber eindeutig beantworten. Müller droht die Bank, wie schon vergleichsweise häufig in dieser Saison: In nur zehn von 27 Pflichtspielen stand er 90 Minuten lang auf dem Platz.

Theoretisch könnte Thiago überall spielen, Ancelotti sagte: „Auf der 6, 8, 10 – ach, überall im Mittelfeld.“ Am meisten Bedarf aber besteht in der Zentrale hinter Robert Lewandowski. Dort, wo Müller laut seines Trainers „mehr kombinieren“ könne, Thiago aber „besser zur Wirkung kommt, wenn er Raum hat“. Dann war der spanische Nationalspieler zuletzt genial. So wie schon als Bursche.

Ancelotti hat das Erfolgsrezept aus dem Hause Alcantara übrigens übernommen. Auf die Frage, wie er Thiago dazu gebracht habe, allmählich seine ganze Klasse zu zeigen, sagte er: „Nichts besonderes. Ich lasse ihn einfach spielen.“

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