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China? Was soll ich da? Schweinsteiger.

Er bittet um Schonung

Darum will Schweinsteiger nicht mit nach China

Arco - Bastian Schweinsteiger bittet um Schonung: Der Nationalspieler möchte auf die China-Reise des FC Bayern verzichten und individuell trainieren.

Anatoli Timoschtschuk spricht. Aber man hört ihn kaum. Man hört Arjen Robben. Obwohl der Niederländer in diesem Moment einige Meter entfernt sitzt. Er referiert auf der Terrasse des Medienhotels am Gardasee, drinnen sagt Timoschtschuk gerade, er wolle den FC Bayern nicht verlassen. Das ist eine Aussage, die von Interesse ist, doch selbst sie geht beinahe unter, man muss schon sehr genau hinhören. Timoschtschuk ist ein Anführer in der ukrainischen Nationalelf, er war bei all seinen bisherigen Stationen Führungsfigur – nur in München nicht. Anatoli Timoschtschuk ist ein netter, höflicher Mann. Und er ist eines der Gesichter der größten Baustelle der Bayern.

Dort, wo die Spieler Verantwortung übernehmen sollen, wo der Puls dieses Sports schlägt, wo die Männer laut sein müssen und auch mal weniger nett oder höflich, klafft ein Besetzungsloch. Es ist noch unklar, wie groß dessen Ausmaße sind – es kann sich in Grenzen halten, wenn Bastian Schweinsteiger wieder der Alte wird. Wird er es aber nicht, bekommt das Loch grandiose Ausmaße. Das Mittelfeld ist die zentrale Baustelle des Klubs, und da auch die Bosse um ihre heikelste Problemzone wissen, buhlen sie um den Spanier Javier Martinez von Athletico Bilbao. Obwohl er schwer zu kriegen und wenn doch, dann teuer zu bezahlen ist. Aber man muss sich ja wappnen.

Trainingslager: Die Bayern üben schon das Siegerfoto

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Schweinsteiger wurde in der vergangenen Saison von vielen Verletzungen gebeutelt. Durchs Champions-League-Finale schleppte er sich mit einer Wadenblessur, bei der EM erfüllte er die Erwartungen kaum. Sein Knöchel sei nicht optimal verheilt, klagte er während des Turniers über die Folgen eines Außenbandrisses aus dem Februar. Am Tag, nachdem er von der EM zurückgekommen war, wurde er in München noch einmal eingehend untersucht. Es soll keine Alibis mehr geben, sagte Sportvorstand Matthias Sammer bei seinem Amtsantritt, drei Wochen Urlaub seien nach der EM genug. Dennoch hat Schweinsteiger, wie unsere Zeitung erfuhr, nun darum gebeten, bei der Marketingreise nach China am Sonntag zuhause bleiben zu dürfen. Er möchte in München individuell trainieren.

Jupp Heynckes entscheidet am Samstag, wen er mit nach Asien nimmt. Die deutschen EM-Fahrer und Franck Ribery unterziehen sich vor dem Abflug einem Laktattest, der darüber Aufschluss geben soll, wie fit die Profis zurückgekehrt sind. Es wäre nachvollziehbar, ließe er seinen Mittelfeldstrategen zur Schonung zuhause. Schweinsteiger wird noch gebraucht.

Die zentrale Baustelle ist heikel zu handhaben – schließlich soll Schweinsteiger weiterhin die Führungsfigur im Herzen des Spiels sein. Das erschwert die Fahndung nach klugen Ergänzungen: Holt man einen gestandenen Spieler, könnte das die Autorität des Platzhirschen untergraben. Aber Adjutanten haben die Bayern genug. Wenn im Zentrum ein neuer Mann käme, wäre Luiz Gustavo derjenige, der am meisten darunter zu leiden hätte. Das ist kurios, da der Brasilianer im Halbfinale gegen Real Madrid zwei gute Partien abgeliefert hat. Allerdings handelte er sich im Rückspiel eine Gelbsperre ein. Dass er schließlich beim Showdown gegen Chelsea passen musste, wird ihm nun vielleicht zum Verhängnis. Hätte er da erneut solide die Löcher gestopft, würden die Münchner vielleicht nicht den Markt sondieren.

Luiz Gustavo hat nach der Demission Christian Nerlingers kaum noch Fürsprecher, und bereits im vergangenen Sommer bemühte sich Heynckes, Arturo Vidal zu holen. Eine Alternative wäre Sami Khedira, der in Madrid unzufrieden sein soll. Franz Beckenbauer hielt vergangene Woche ein gewaltiges Plädoyer für den Nationalspieler: „Einer, der sich aufopfert, der Klasse hat.“ Und einer, der bereits an der Seite von Schweinsteiger gespielt hat.

Andreas Werner

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