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Alle sind gut drauf – nur einer nicht: Robben konnte sich über das 1:0 in Gladbach nicht so freuen wie seine Kollegen.

FC Bayern und die Langeweile

Im Stechschritt zum Titel

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Dass Robbens schlechte Laune so lange Thema ist, beweist: Der FC Bayern hat im Moment keine echten Probleme. Die fünfte Meisterschaft hintereinander ist nur noch Formsache - ein Zustand, der die Bayern freut und die DFL beunruhigt.

München – Mit einem wütenden Arjen Robben ist nicht zu scherzen. Das haben Franck Ribery und Jerome Boateng am Sonntagabend bei ihrem gut gemeinten Aufheiterungsversuch auf der Reservebank im Gladbacher Stadion genauso zu spüren bekommen wie die wartenden Journalisten in den Katakomben. Wenn der Niederländer nicht sprechen will, bewegt er sich ganz anders als sonst, man sieht ihm seine Abwehrhaltung an, sobald er aus der Kabine kommt. Und an diesem Tag, an dem die Bayern mit 1:0 gewannen und ihren Vorsprung in der Liga auf komfortable 13 Punkte ausbauten, machte er den Klassiker: Stechschritt, kein Blick in die falsche Richtung, Mundwinkel nach unten. Selbst die, die ihm bis zum Bus in die westfälische Nacht folgten, erhielten keine Auskunft.

Die Landung der Bayern war erst für spät nachts angesetzt, aber es ist davon auszugehen, dass Robbens Laune auch noch nicht sonderlich gut war, als er den Schlüssel daheim ins Türschloss steckte. Er hatte sich – als Einziger an diesem eigentlich so perfekten Arbeitstag – richtig geärgert, die Hand von Trainer Carlo Ancelotti regelrecht weggeschlagen und sich dann bockig neben seine Kollegen fallen lassen. Schuld an der schlechten Stimmung jedoch war nicht die Auswechslung kurz vor Schluss, sondern eine Szene sieben Minuten zuvor, in der Robert Lewandowski den Ball – den Robben so gerne haben wollte – nicht weitergeleitet hatte. „Ich hätte abspielen können, aber ich habe mich entschieden zu schießen. Im Spiel muss man sich sehr schnell entscheiden“, erklärte der Pole, der stellvertretend für beide Beteiligte sprechen musste. Er versicherte: „Arjen war enttäuscht, aber wir haben kein Problem miteinander.“

Wie die andere Seite das sieht? Wird man wohl nicht mehr erfahren. Wenn die gestern in alle Himmelsrichtungen ausgeschwirrten Bayern in eineinhalb Wochen von ihren Nationalmannschaften zurückkehren, ist der Ärger längst Schnee von gestern. Und wenn man ehrlich ist, sagt der Wirbel um diese Mini-Affäre auch jetzt schon viel über das Innenleben beim Branchenführer aus: Übergeordnete, größere Problemstellen gibt es im Moment einfach nicht. Man kann sich daher – wenn überhaupt – nur über Kleinigkeiten aufregen.

In Champions League und Pokal wartet man auf die nächste K.o.-Runde, in der Liga könnte man kaum besser dastehen. „Statistisch hat so einen Vorsprung noch nie einer verspielt. Wir rechnen auch nicht mehr damit, dass wir uns das noch nehmen lassen.“, sagte Torschütze Thomas Müller. Den fünften Meistertitel hintereinander, den 27. insgesamt, können die Bayern rein rechnerisch schon am 8. April fix machen. Läuft vorher alles im Sinne des Rekordmeisters, dürften am 28. Spieltag die Korken knallen – ausgerechnet nach dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund.

Es gab ja auch schon Tage, in denen das Meisterrennen spannender war, aber „in Deutschland erklären 17 Klubs: Von Verfolgern kann keine Rede sein“, sagte Christian Seifert dem „kicker“. Der DFL-Boss übte nach dem 19. Pflichtspiel in Serie, das die Bayern nicht verloren, ungewohnt offene Kritik an der Lage in der Liga. Der kontinentale Vergleich beunruhigt die Verantwortlichen. „In England geben vor einer Saison fünf Klubs den Titelgewinn als Ziel aus, in Italien drei und in Spanien zwei Vereine“, sagte Seifert. Daran, dass es hierzulande stets von Saisonbeginn an nur einen Favoriten gibt, müsse sich „irgendwann etwas ändern“.

Der Blick auf die vergangenen Jahre bestätigt Seifert. Die letzten vier Titel holten die Bayern mit 15, 19 und zwei Mal 10 Punkten Vorsprung, Spannung gab es meist schon ab Ostern nicht mehr. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, gab Seifert zu bedenken, „wäre das nicht förderlich für die Wahrnehmung des Wettbewerbs“. Allerdings fügte er auch hinzu: „Es liegt nicht am FC Bayern, dies zu ändern.“

Die Konkurrenz ist derzeit nicht stark genug, und deshalb muss Carlo Ancelotti nun jene Aufgabe lösen, an der sein Vorgänger Pep Guardiola drei Mal gescheitert ist. „Im Flow bleiben“ nennt Müller die Herausforderung für die kommenden Wochen, in denen neben dem Liga-Alltag der BVB im Pokal-Halbfinale und Real Madrid im Champions League-Viertelfinale wartet. Derzeit wirkt es so, als treibe die „Sucht nach dem Gefühl zu siegen“ (Müller) alle an. Und wenn dann „Leute, die schon sehr viele Titel auf der Autogrammkarte stehen haben, trotzdem noch Emotionen zeigen, obwohl wir 1:0 in Führung liegen“, sei das nur von Vorteil. „Genau das brauchen wir“, sagte Müller voller Überzeugung.

Robben im Stechschritt – neuerdings ein Sympathieträger.

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