Ausstellung Erlebniswelt FC Bayern
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Charlotte Knobloch

FC Bayern mal anders geschichtsträchtig

"Kicker, Kämpfer, Legenden": FCB-Ausstellung eröffnet

München - Karl-Heinz Rummenigge und Charlotte Knobloch Hand in Hand: Mit einem starken Symbol eröffneten die beiden die Ausstellung "Kicker, Kämpfer, Legenden" in der FCB-Erlebniswelt. Einigkeit herrscht auch im Saudi-Arabien-Streit.

Die Szenerie war perfekt durchdacht. Charlotte Knobloch hatte ihre linke Hand an den Arm von Karl-Heinz Rummenigge gelegt, die andere mit ihm gemeinsam an die Schere, als sie Montag-Vormittag das rote Band der Ausstellung „Kicker, Kämpfer, Legenden“ durchschnitt. Im Hintergrund lachten Klaus Schultz (Diakon der Versöhnungskirche Dachau), Uri Siegel (Neffe des ehemaligen Bayern-Präsidenten Kurt Landauer) und Dan Shaham (israelischer Generalkonsul). Sport und Politik waren in diesem Moment in der FC Bayern Erlebniswelt vereint, setzten gemeinsam – ja sogar Hand in Hand – ein Zeichen gegen Rassismus und jegliche Art der Diskriminierung. „Der FC Bayern steht seit Jahren für Erinnerungskultur. Er ist ein absolutes Vorbild“, sagte Knobloch.

Der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern war es ein Anliegen gewesen, an diesem Tag, an dem es um „Juden im deutschen Fußball und beim FC Bayern“ ging, dabei zu sein. Schon vor rund zwei Wochen hatte sie ihr Kommen zugesichert, die Ausstellung, die nun bis zum 12. April im Vereinsmuseum in der Allianz Arena zu sehen ist, besuchte sie gemeinsam mit Rummenigge als Erste. Medienrummel war gewiss bei diesem Termin. Dafür, dass der Andrang aber derart groß war, hatte nicht zuletzt der Streit um das Testspiel in Saudi-Arabien gesorgt.

Die Frage, die bei der Eröffnung einer zweifellos gelungenen Ausstellung mit Exponaten wie etwa dem Reisepass von Landauer und dem Julius-Hirsch-Preis für die Choreographie der „Schickeria“, mitschwang: Kann man als Fußballklub einerseits nach Saudi-Arabien reisen, ohne auf die dortigen Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen, sich andererseits anlässlich des 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Ausschwitz aber so deutlich „pro Toleranz“ (Rummenigge) positionieren?

Es war über dieses Thema schon in der vergangenen Woche viel diskutiert worden. Auch Knobloch hatte deutliche Worte gefunden, die sie gestern allerdings als „Hinweis unter Freunden“ bezeichnete: „Der Sport soll überall hingehen, denn er kann vermitteln. Auf der anderen Seite hätte man vorher die Verletzung der Menschenrechte schon zum Ausdruck bringen sollen. Das wäre wünschenswert für die Zukunft.“

Auch Rummenigge betonte erneut, „dass es wichtig ist, dass auch wir im Fußball die Stimme erheben. Ich finde es aber besser, die Dinge anzusprechen, als zu boykottieren“. In Zukunft werde man vergleichbare Reisen „eingehend prüfen, auf alles“. Da es aber laut Recherche des Klubbosses „112 Länder gibt, in denen gegen Menschenrechte verstoßen wird“, sei die Frage, „wo darfst du hinreisen und wohin nicht?“, schwer zu beantworten. Zumindest, erneut ein Land zu besuchen und Missstände nicht anzusprechen, schloss Rummenigge aus.

Die Irritationen um die erste, zurückhaltende Reaktion der Bayern nach der harschen Kritik aus Politikkreisen waren nach der Rückkehr aus Riad nachvollziehbar gewesen. Inzwischen aber scheint es so, als sei sich die Klubführung dieses Fehlers bewusst. „Der Fußball hat gesellschaftspolitische Verantwortung. Man muss Klartext sprechen“, sagte Rummenigge. Auch im Fall von Landauer, dem einst verfolgten jüdischen Bayern-Präsidenten, war das nicht immer so. „Als ich hier gespielt habe, habe ich seinen Namen nicht einmal gehört. Wir korrigieren – auch erneut mit dieser Ausstellung –, was schon in Vergessenheit geraten war.“

In der Tat engagiert sich der FC Bayern schon seit Jahren im Rahmen der Initiative „Nie wieder“. Neben der mit Bayern-Exponaten ergänzten Wanderausstellung des Centrum Judaicum in Berlin will man heuer noch ein weiteres Zeichen setzen. Knoblochs bereits mit dem Kultusreferat besprochenen Plan, die Fläche vor der Allianz Arena als „Kurt-Landauer-Platz“ zu benennen, unterstützt der FC Bayern. Den „Kurt-Landauer-Weg“, der von der Arena zu einer Kläranlage führt, bezeichnete Knobloch als „Schandfleck“.

"Kicker, Kämpfer und Legenden" beim FC Bayern

Für die Ausstellung fand sie nur lobende Worte: „Ich bin tief beeindruckt.“ Das hörte man gerne. Unter Freunden.

Hanna Schmalenbach

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