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ARCHIV - Atletico-Torhüter Miguel Reina (M) versucht im Hechten Bayern-Mittelfeldspieler Franz Roth (r) vom Ball zu trennen (Foto vom 15.5.1974).

Franz „Bulle“ Roth: „Kraft muss man von Geburt an haben"

München - Der Mann, der Tornetze zerschoss und in drei Europacup-Endspielen traf, im Interview mit dem Münchner Merkur

Seinen Platz in den Vereinsannalen sicherte er sich bereits 1967: Franz „Bulle“ Roth, Bauernsohn aus Memmingen, schoss das Tor zum 1:0, mit dem der FC Bayern seinen ersten Europapokal gewann, den der Pokalsieger (gegen die Glasgow Rangers). Auch an den Landesmeister-Triumphen 1975 (2:0 gegen Leeds United) und 1976 (1:0 über den AS St. Etienne) war er mit seinen Toren beteiligt. Heute wird Franz Roth, der in Bad Wörishofen und Mindelheim je ein Sportgeschäft betreibt, 65.

-Franz Roth, bei Erwähnung Ihres Namens hat der Bayern-Fan sofort ein Bild vor Augen: Der „Bulle“ holt zum Weitschuss aus und trifft ins Tor. In den Stadien wird heutzutage die Schussstärke gemessen, über die Anzeigetafel kommt sofort die Info, dass das - ein Beispiel - 110 km/h waren. Schade, dass es diese technischen Möglichkeiten zu Ihrer aktiven Zeit nicht gab.

Wir hatten das mal an der Säbener Straße, da hat die Firma Adidas Lichtschranken aufgestellt. Ich weiß nicht, was man heute hat, Ultraschall oder Laser. Jedenfalls durften auch wir mal unsere Schussstärke messen.

„Ich wünsche mir, dass wir Dritter werden“

-Und selbstredend waren Sie der Beste.

Ja, das war ich. Mit 137 Stundenkilometern.

-Das Geheimnis des Schusses: Kraft oder Technik?

Schon Kraft. Schuss und Zweikampf, das waren meine Stärken, immer schon. Das kann man nicht antrainieren, das muss man von Geburt haben. Technik kann man lernen, Robustheit und Schussstärke aber allenfalls ein bisschen steigern.

-Sie kommen aus der Zeit, in der noch der Lederball regierte. . .

. . . sogar noch der mit Schnüren!

-Was würden Sie erst mit einem modernen Ball mit Flatter-Eigenschaften anstellen?

Das kann man leider nicht nachvollziehen. Bälle und Schuhe, es ist alles besser geworden. Die Bälle, die man jetzt hat, sind ein Traum, die Schuhe eine zweite Haut.

FC Minutenschlaf: Was die Bayern heuer schon alles verpennten

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-Ein Bulle-Roth-Mythos ist: Sie haben mal ein Tornetz zerschossen.

Das stimmt. Bei Rapid Wien war das. Der Ball war im Winkel oben drin, doch der Schiedsrichter hat kein Tor gegeben. Von der Seite hat man es nicht gesehen, doch wir, die wir eine gerade Linie zum Ball hatten, haben es eindeutig erkannt. Man ist dann zum Tor hin und hat gesehen, dass das Netz zerrissen war. Dann hat der Schiri das Tor auch anerkannt. Ich sage immer: Das war ein glatter Durchschuss.

-Und im Grünwalder haben Sie mal die Stadionuhr heruntergeschossen?

Runtergeholt nicht. Die Uhr hängt immer noch da, wenn die Amateure da spielen, schaue ich drauf. Ich hatte die Tafel getroffen, an der man mit einer Stange den Spielstadt aufgehängt hatte, darüber war die Uhr. Es hat ein wenig gescheppert.

-Uli Hoeneß sagt: „Ich hab’ mir früher im Training immer Schienbeinschützer angezogen, weil ich wusste: Wenn ,Bulle’ sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn. Das Training war für mich Überlebenskampf.“ Wahrheit oder Übertreibung?

Ich glaube, der Uli übertreibt ein bisschen. Klar: Es war schon wichtig, wettkampfmäßig zu trainieren. Ich kann nicht fünf Tage das Fußerl wegziehen und am sechsten dagegenhalten. Und im Training hat man sicher auch mal mehr hingelangt, wenn man gereizt war oder böse wurde - und Gelbe Karten gab’s keine. Aber ich habe dem Uli nie weh getan, und er hat ja auch immer gespielt.

-Ihre Karriere ist eng verbunden mit drei Toren in vier Europacup-Endspielen.

Ich war Mittelfeldspieler, ein defensiver, der auf den klassischen Spielmacher, den es damals noch gab, angesetzt wurde. Trotzdem habe ich es bei Bayern auf 72 Bundesliga-Tore gebracht. Ich habe also nicht nur in diesen Endspielen getroffen, doch die bleiben natürlich besonders in Erinnerung. Wir hatten noch die Manndeckung, da musste einer den gegnerischen Regisseur ausschalten, und das war ich. Mit der Raumdeckung und mit Kurzpässen ist das Spiel schneller geworden.

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-Sie hatten vier Länderspiele, eine Turnierteilnahme blieb Ihnen versagt.

Nun gut, bei der WM 1970 in Mexiko wäre ich dabei gewesen, aber da musste ich mich operieren lassen. Das hat mir Robert Schwan (damaliger Manager des FC Bayern, d. Red.) geraten, und das war sicherlich gut, denn zur Vorbereitung auf die neue Saison konnte ich wieder voll mitspielen.

-Als Allgäuer im Spitzenfußball waren Sie eher eine Ausnahme. Da gibt’s nicht viele: aktuell Holger Badstuber, Mario Götze von Borussia Dortmund hat Memminger Wurzeln. Davor Karlheinz Riedle, Weltmeister von 1990. Und früher waren da noch beim FC Bayern die Kemptener Hans Jörg, später in Augsburg ein guter Zweitligaspieler, und Stefan Dinauer, der den Durchbruch aber nie geschafft hat.

Im Allgäu ist es schon schwierig gewesen, da war der nächste Stützpunkt Memmingen, Augsburg und München waren noch weiter - wie sollst du da hinkommen als Jugendlicher? Es wird jetzt aber besser durch das DFB-Stützpunktkonzept. Wir haben jetzt drei Zentren, und man sieht es im Nachwuchsbereich, dass da nicht mehr nur die Bayern, die Sechziger, Nürnberger und Augsburger sind, sondern auch kleinere Vereine besser zur Geltung kommen! Man muss was tun, denn acht bis 14 ist das wichtigste Alter, und wenn in diesen Klubs jemand von den Eltern, der gerade die meiste Zeit hat, das Training leitet, ist das nicht immer ideal.

-Ihr Sport jetzt? Golf?

Ich golfe, fahre Rad, jogge, mache Nordic Walking. Ich bin vielseitig.

-Als Golfer wurden Sie von „Verstehen Sie Spaß?“ reingelegt. Sie wollten vor einem Charity-Turnier im Hotel einchecken, man legte Ihnen zig Auswahlkriterien fürs Zimmer vor, Sie sagten immer wieder „Gebt’s mir einfach ein Zimmer, ganz egal, welches“ - und am Ende hatte man angeblich gar keines, Sie sollten dann ein Doppelzimmer mit einem Fremden teilen.

Das war im Europapark Rust. Ich kam genervt an, weil die Autobahn verstopft war. Und dann kamen die mit ihren endlosen Fragen nach dem Zimmer. Man hat mich reingelegt - aber das war alles im Rahmen.

-Und Ihr FC Bayern, wird der die Saison im Rahmen abschließen?

Ich wünsche es mir, dass wir Dritter werden und die Qualifikation zur Champions League erreichen. Und dann auf ein Neues mit Jupp Heynckes!

Das Interview führte Günter Klein

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