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"Schwarze Haare, viel parlare": Luca Toni, wie man ihn oft sieht.

Freibrief für den typischen Toni

München - Als wäre es perfekt inszenierte Werbung der Musikindustrie: Am Freitag kam die CD raus, am Sonntag lieferte Luca Toni das Spiel zur Musik. Voller Klischees.

Matze Knop, ehemaliger "Supa-Richie" und jetzt als Comedian in der Schmidt-und-Pocher-Show in diversen Fußall-Rollen zu sehen (Franz Beckenbauer, Christoph Daum), hat sich Luca Toni vorgenommen.
"Luca sei per me Numero uno" heißt der Schlager (zur Melodie des auch schon fast 30 Jahre alten "Zuppa Romana" der Jux-Gruppe "Schrott nach 8"), Knop inszeniert sich auf der CD-Hülle als fallsüchtiger, reklamierender, gestikulierender Bayern- und Italia-Spieler, im Text lässt er kein Speisekarten- und sonstiges Klischee aus: Cannelloni, Luca Toni, peperoni . . . mamma mia, alimenti . . . zabaione, minestrone, oben ohne . . . Und dazu, gut getroffener Luca-Toni-Sound: "Tore mache und zum Jubel lache . . . Foul a Luca Toni, simulazione . . . schwarze Haare, viel parlare . . . EM ausgeschieden? No!"

"Toni sieht nur sich, den Ball und das Tor"

Am Sonntag, beim 3:1-Sieg des FC Bayern über Dortmund, ist Luca Toni so aufgetreten, wie Matze Knop sich vorstellt, dass Luca Toni auftritt. Auch Bayern-Präsident und Fernsehexperte Franz Beckenbauer seufzte: "Der typisch italienische Torjäger." Seine Ausführungen über das Wesen der Azzurri hätten auch Gerhard Polts Urlaubsfilmklassiker "Man spricht Deutsh" über Teutonen-Touris an der Adria entnommen worden sein. Es war der Abend der Klischees. Beckenbauer sagte: "Toni sieht nur sich, den Ball und das Tor. Es ist der Egoismus, den ein typisch italienischer Torjäger hat."

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Klinsmann: "Toni ist gesetzt"

Jürgen Klinsmann schätzt solche nationalen Klassifizierungen nicht. "Welcher Mensch ist schon typisch?", entgegnet er. Wenn schon typisch, dann ist Toni ein typischer Stürmer. Klinsmann meint damit: "Weil er immer hungrig ist, das Tor zu machen." Und Selbstbezogenheit, ja, die gebe es auf dieser Position nun mal, so der Ex-Stürmer Klinmann: "Wenn die Chancen aufs Tor 50:50 sind, dann suchst du eher selbst den Abschluss als abzugeben."

Vielleicht ist es ein Problem im Bayern-Sturm, dass Miroslav Klose oft nicht dagegenhält. Franz Beckenbauer jedenfalls sieht ein Ungleichgewicht zwischen den beiden Spitzen. Hier Toni, "der unheimlich viel Platz beansprucht mit seinem Charakter", dort Klose, "der sich unterordnet".

Von den Toren stehen sie fast gleich, Toni bei neun, Klose dank seiner beiden späten Treffer gegen Dortmund (87., 90.) bei acht. Was auffällt: Miroslav Klose ist weitaus wirkungsvoller im Abschluss, wenn sein italienischer Nebenmann nicht spielt. Beste Saisonphase des deutschen Nationalspielers war während der Dreieinhalb-Spiele-Verletzungspause des Italia-Weltmeisters im Herbst, fünf seiner nun acht Treffer machte er ohne Toni als Nebenspieler.

 Wie ist das Verhältnis der beiden? Grundsätzlich entspannt. Vor eineinhalb Jahren kamen sie beide als Neuzugänge, ihre Anwartschaft auf die Plätze im Sturm untermauerten sie, indem sie sich öfter zusammen beim Essen sehen ließen. Konversation: auf Englisch und mit Gesten. Während der EM hatten sie eine Wette laufen, wem mehr Tore gelingen (klarer Klose-Sieg), der Deutsche schickte dem glücklosen Italiener aber aufmunternde SMS. "Ich hab ihm was getextet", sagte Klose. Doch immer wieder reklamierte er zwischen den Zeilen, dass auf dem Spielfeld beim FC Bayern er dem Kolleghen Toni weitaus mehr zuarbeite als der ihm.

Klose ohne Toni oft wirkungsvoller

Als am Sonntag Landon Donovan sich einsatzbereit machte, war zwischen Klose und Toni die Spannung spürbar, wer dem Amerikaner weichen müsste. "Gottseidank ist nicht die 18 aufgeleuchtet", sagte hinterher Klose. Er durfte bleiben, Toni musste runter und ignorierte die zum Gruß ausgestreckte Hand von Klose. Klinsmann will daraus aber keinen Zwist inszeniert haben: "Als Stürmer ist man da sauer, ich bin selber das beste Beispiel", erinnert er an seinen Tonnen-Tritt in der Trapattoni-Zeit. Und er denkt: "Miro und Luca passen schon zusammen." Der Italiener hat weiter das Vertrauen des Trainers und "bleibt gesetzt" (Klinsmann).
Egoismus ist Teil des Geschäfts beim FC Bayern. Dass die Stars sich nicht immer komplett in den Mannschaftsdienst stellen, das zeigt sich auch an Franck Ribéry. Genial in der Offensive (zwei Torvorlagen gegen Dortmund, insgesamt leitete er 13 Torschüsse ein, hatte 97 Ballkontakte), nachlässig jedoch in der Defensive. Diese einseitige Ausrichtung droht zum Thema zu werden unter den Mitspielern. "Man gewöhnt sich daran, das als Mannschaft aufzufangen", sagt Philipp Lahm und erklärt, dass auch Bastian Schweinsteiger, Pendant zu Ribéry auf der rechten Seite, auf Kosten eigenen Glanzes Abwehrarbeit zu verrichten habe.

Ribéry, ein typischer Franzose? Muss man Beckenbauer fragen. In Matze Knops Luca-Toni-Lied kommt Ribéry jedenfalls auch vor. Er passt vom Reim gut rein.

Günter Klein

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