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Der Geniestreich, der die Krise beendet: Ribery lupft den Ball über Hildebrand hinweg – kurz darauf steht es 1:0 für die Bayern.

Geglückte Gruppentherapie: Bayern zeigen sich als Einheit

München – Auf der Anzeigentafel des vierten Offiziellen prangte die „1“. Weit sichtbar leuchtete die Ziffer, die wie keine andere das Sinnen und Streben des FC Bayern symbolisiert.

Diesmal stellte sie zwar nur die Nachspielzeit dar, stimulierend wirkte sie dennoch. Der Münchner Anhang widmete sich in den Schlusssekunden umgehend höchsten Zielen. Die Fans sangen, man werde die Meisterschaft gewinnen, den Europacup und den Pokal. Kurz: Man werde bald wieder die Nummer 1 sein. Was so ein 2:0 über Schalke alles bewirken kann.

Bayern gegen Schalke: Einmal Note 1 - einer wäre besser im Bett geblieben

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Nun, so weit ist es noch lange nicht, zumal die Dortmunder am Abend mit einem 3:1 gegen Hannover die Münchner auf Distanz halten konnten. Doch zumindest durfte der FC Bayern das Wochenende in der Gewissheit beenden, die Abwärtsspirale gestoppt zu haben. Nachdem zuletzt die Alarmglocken ohrenbetäubend laut geklingelt hatten, wäre es zu früh, bereits den Einzug von friedlicher Stille zu feiern. Aber um ein paar Dezibel haben die Warnsignale abgenommen. Der Sieg über die Gelsenkirchner war verdient, und nicht nur das Ergebnis stimmte den Rekordmeister zuversichtlich. Sondern auch die Art und Weise, wie man sich zum Erfolg zusammengerauft hatte. „Mit der Mannschaft kann man von A bis Z zufrieden sein“, sagte Präsident Uli Hoeneß.

Jupp Heynckes hatte tags zuvor das Gros seiner Spieler zu Einzelgesprächen zu sich bestellt. Er habe ihnen zugehört, berichtete er, habe ihnen aber auch einiges mitgeteilt. Die Kernbotschaft: „Wir haben Riesenfußballer, aber es muss harmonieren. Man muss bereit sein, auch mal Drecksarbeit zu machen.“

Kroos 90 Minuten auf der Bank

Was in Heynckes’ stillem Kämmerlein begann, führten die Profis auf dem Platz als Gruppentherapie erfolgreich fort. Man habe sich fest vorgenommen, besser und mehr zu kommunizieren, berichtete Mario Gomez. In Basel dominierte noch die Kameradenschelte, doch das permanente Abwinken und Kopfschütteln wurde gestern durch demonstrativen Applaus und Daumenheben ersetzt. Selbst nach missglückten Aktionen tauschten die Stars positive Signale aus, auch die sogenannten Diven der Mannschaft, Franck Ribery und Arjen Robben. Teilweise hatten sie sich fast zu lieb. „Wir haben sogar noch einen Meter vor dem Tor quergelegt“, sagte Gomez, ansonsten wären mehr Tore als die beiden des Tagesbesten Ribery drin gewesen. Hoeneß meinte, bei konsequenterer Auswertung hätte man auch 4:1, 5:1 siegen können.

Die Spielerfrauen des FC Bayern

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Die Bayern waren dennoch froh über ihren ersten Schritt aus einer Situation, die Symptome einer Krise hatte. „Wir waren heiß auf dieses Spiel“, sagte Holger Badstuber, das attestierte auch Gäste-Coach Huub Stevens: „Die Bayern waren heute so motiviert, sie haben verdient gewonnen.“ Philipp Lahm meinte, man könne „auf diesen Sieg aufbauen, weil er souverän war. Aber es geht noch besser.“

Ob mit Toni Kroos oder ohne, wird sich zeigen. Der Nationalspieler musste 90 Minuten auf der Bank sitzen. Thomas Müller glückte als sein Vertreter auf der „10“ nicht alles, doch im Großen und Ganzen war er zumindest immer präsent. Die Bayern wirkten agiler als mit Kroos, der das Stadion als Erster verließ, keine 20 Minuten nach Abpfiff.

„Toni hat eine wunderbare Entwicklung genommen“, sagte Heynckes, „aber man hat heute gesehen: Die Mannschaft ist entscheidend, nicht der Einzelne.“ Das klang, als müsste sich Kroos nun erst wieder hinten anstellen, doch wer weiß schon, ob dieses 2:0 nun „der Startschuss für einen Befreiungsschlag“ (Manuel Neuer) war? „Ob wir schon aus der Krise sind, wissen wir erst nächste Woche“, meinte Lahm, „wir müssen das auch auswärts bestätigen.“ Noch ist es zu früh, von Titeln zu singen.

ANDREAS WERNER

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