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Giovane Elber sprach mit uns über Bayerns Titelchancen, Ribery und Gomez.

Giovane Elber: "Leverkusen kriegt Panik"

München - Wie weit kann der FC Münchner noch in Europas Elite vorstoßen? Ex-Bayer Giovane Elber (37) muss es wissen. Ein Interview über Münchner Titelchancen, Riberys Zukunft und Gomez’ Potenzial.

Herr Elber, was trauen Sie dem derzeit souverän aufspielenden FC Bayern in dieser Saison noch zu?
Also, mit solchen Leistungen wie derzeit kann der FC Bayern in der Champions League viel erreichen – er kann bis ins Halbfinale, vielleicht sogar ins Finale kommen. Man darf Florenz nicht unterschätzen und muss Gas geben, aber dann traue ich den Jungs alles zu. In der Meisterschaft läuft es ja sowieso hervorragend. Die ersten sechs Monate waren schrecklich, aber jetzt kann man das Spiel genießen.

„Breno und Bayern, das wird schon noch“

Ist das aktuelle Team besser als das, das 2001 Europas Thron eroberte?
Noch nicht, das muss man abwarten. Wenn sie am Ende Meister und Champions-League-Sieger werden, sind sie so gut wie wir es waren. Ansonsten nicht. Messen kann man das nur an Titeln. Die können vielleicht insgesamt spielerisch stärker sein – aber was zählt, sind allein die Erfolge.
Zu Ihrer Zeit ist Leverkusen stets vor großen Zielen gestrauchelt. Schafft es der Werksklub diesmal, bis zum Ende top zu bleiben?
Erst einmal muss man Leverkusen ein großes Kompliment machen. Die spielen eine tolle Saison. Aber ich glaube, die brechen bald ein. Jeder Klub hat immer so eine Phase, in der es nicht so läuft. Leverkusen hatte die Phase in dieser Saison noch nicht, die Bayern haben die schon überstanden. Es wird spannend. Leverkusen hat eine große Meisterchance, aber wenn man den FC Bayern im Nacken hat, wird man nervös. Die kriegen bald Panik. Glauben Sie mir: Das wird passieren! Diese schlechte Phase kommt sicher noch bei denen. Und die muss Bayern dann ausnützen.

Ein großes Thema in München ist die unsichere Zukunft von Franck Ribery.

Ein großes Thema in München ist die unsichere Zukunft von Franck Ribery.
Ich hoffe, dass er noch lange bleibt. Es wäre schade für die Bayern und für ganz Deutschland, wenn so ein Spieler die Liga verlässt. Ich bin mir sicher, Bayern macht alles, um Ribery zu halten. Und ich glaube auch, dass es möglich ist, dass er in München bleibt.

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Wie könnte man Ribery zum Bleiben bewegen?
Das geht auf jeden Fall nur mit Titeln. Wenn der FC Bayern Titel gewinnt, will Ribery bleiben. Wenn nicht, ist er enttäuscht. Nur ein gutes Team zu haben, reicht nicht.
Wenn er im Juni doch die Bayern verlässt, würden Sie für einen neuerlichen Transfer der Größenordnung Franck Ribery/Arjen Robben plädieren?
Wenn er geht, braucht man einen neuen sehr, sehr guten Spieler. Einen Ribery kriegt man aber nicht noch mal. Er ist einfach ein hervorragender Spieler. Auch, dass er zuletzt sauer war, weil er nur auf der Bank sitzen durfte, zeigt seinen guten Charakter. So einer ist mir viel lieber als einer, der sich auf die Bank setzt, gar nicht traurig ist und Monat für Monat nur abkassiert. Ich muss schon sagen: Ribery und Robben, das ist die ganz große Klasse in Europa. Christian Nerlinger hat recht, wenn er sagt, dass man mit solchen Spielern viel erreichen kann.
In Turin ist Diego unglücklich. An ihm war Bayern schon letztes Jahr interessiert. Wäre er ein Ribery-Ersatz, der Sinn macht?
Ja. Vor allem, weil er die Liga kennt. Das würde gut passen.
Eine zu lange Anlaufphase hatte hingegen Breno, den Sie Bayern empfohlen haben und auf den man am nächsten Samstag trifft, wenn es gegen Nürnberg geht. Dorthin wurde Ihr Landsmann verliehen.
Es ist normal, dass ein junger Spieler, der aus Südamerika zu Bayern oder generell nach Europa kommt, Zeit braucht. Aber in München bekommst du nicht so viel Zeit. Hier ist der Druck viel größer als zum Beispiel in Leverkusen. Bayer hat früher pro Jahr fünf Brasilianer geholt. Da sind dann ein oder zwei gut geworden – über den Rest hat nie jemand gesprochen. Weil das einfach keinen interessiert, wenn Leverkusen danebengreift. Beim FC Bayern darf man so etwas nicht machen. Da ist die Presse ja gleich da. In München wird alles genau beobachtet.
Haben Sie seit dem Wechsel nach Nürnberg mit Breno gesprochen?
Nein, aber ich habe gehört, dass er in Nürnberg gut spielt. Ich habe Uli Hoeneß damals gesagt: Das ist ein guter Spieler, der noch jung ist und Zeit braucht. Das Ausleihgeschäft war jetzt wichtig für ihn. In Nürnberg kann er die deutsche Liga besser kennenlernen. So etwas geht ja nicht von der Ersatzbank aus. Er muss spielen. Ihn auszuleihen ist gut für Bayern, für Nürnberg und für Breno sowieso.
Kann er es noch immer bei den Bayern schaffen?
Ich glaube ja. Man muss jetzt mal bis Saisonende abwarten. Aber ich glaube nach wie vor, dass das noch was wird mit Breno und dem FC Bayern. -Sie waren jahrelang Sturmführer der Bayern – was halten Sie von Mario Gomez, einem Ihrer Erben? Bei Stuttgart hat er toll gespielt. Da war er zwei, drei Jahre richtig gut. Bei Bayern lief es erst nicht so, wie in der ganzen Mannschaft. Langsam wurde es besser. Er muss sich konzentrieren. Er ist ein guter Spieler – aber er kann sich schon auch noch steigern . . .

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Die Bayern-Bosse hoffen, dass er zu einem internationalen Top-Star reift. So einer, wie Sie es waren. Hat Gomez das Zeug dazu?
Ja. Spielerisch ist er vielleicht nicht so begabt wie ich. Aber seine Tore wird er machen.
Miroslav Klose fristet ein Dasein als Dauerreservist. Wer kann ihn erlösen?
Nur er selbst. Mit Leistung. Aber das wird schon noch im Lauf der Zeit. Er kriegt sicher seine Chance. Und da muss er dann Leistung bringen. Läuferisch und kämpferisch ist er stark. Er muss nur treffen, dann ist er wieder eine Verstärkung. Für Deutschland ist es wichtig, dass er bis Juni, Juli in Form kommt. Er muss ja bei der WM auf Torjagd gehen. Für das Nationalteam ist Klose ein wichtiger Spieler.
Um die WM in Südafrika ist eine Sicherheitsdebatte entbrannt. 2014 ist Ihre Heimat dran. Auch da fürchten viele Probleme.
Es ist richtig von der FIFA, das Turnier nicht nur an europäische Länder zu vergeben. Natürlich muss die FIFA die Regierungen der jeweiligen Länder genau beobachten. Und wenn es im Vorfeld einer WM zu große Probleme gibt, muss man vielleicht über Alternativen nachdenken. Aber ich glaube, die Ausrichter bekommen alles schon immer rechtzeitig unter Kontrolle.

Interview: Andreas Werner

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