Auf die Ohren gab es für Rudy (l.) von Süle. Einer der Ex-Hoffenheimer ist Stammspieler – der andere nicht.
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Auf die Ohren gab es für Rudy (l.) von Süle. Einer der Ex-Hoffenheimer ist Stammspieler – der andere nicht.

Heynckes gegen Nagelsmann

Wie Happel, Sacchi und Cruyff

  • vonHanna Raif
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Jupp Heynckes ist für Julian Nagelsmann ein Vorbild – und freut sich auf „prickelndes“ Duell der Generationen. Rücksicht auf Ex-Hoffenheimer nimmt er dabei nicht. Für den Bayern-Coach steht nach zwei Niederlagen gegen die Kraichgauer der Erfolg im Vordergrund.

München – Wenn man knapp eine halbe Stunde auf einem Podium sitzt, kann man schon mal rund ein Drittel dieser Zeit über Julian Nagelsmann sprechen. Dabei hat Jupp Heynckes hat am Freitag ja noch Glück gehabt. Die obligatorische Frage nach der möglichen Nachfolge auf den im Sommer vakanten (oder nicht vakanten?) Trainerjob beim FC Bayern blieb am Tag vor der Partie gegen Hoffenheim nämlich aus. Dafür ging es um so gut wie alles andere, was den Mann betrifft, der an diesem Samstag (15.30 Uhr) rund 30 Meter entfernt auf der Trainerbank sitzen wird.

Heynckes, Jahrgang 1945, und Nagelsmann, Jahrgang 1987, trennen rund 42 Jahre. Es gäbe also abertausende Geschichten zu erzählen, die mit den Sätzen „da war er noch nicht geboren“ oder „das war vor seiner Zeit“ beginnen könnten. Aber der Bayern-Trainer ist keiner, der mit seiner Lebenserfahrung prahlt. Er weiß, dass sie ihm in seiner vierten Amtszeit in München hilft, in Situationen, in denen er früher schon mal hochgehen konnte, ruhig zu bleiben. Er weiß aber auch, dass die jungen, aufstrebenden Trainer dafür manch andere Qualitäten haben. Nagelsmann attestiert er ein „sehr gutes Konzept“, das dieser Mannschaft „ein neues System“ gegeben hat. Er schätzt sein taktisches Verständnis, seine Flexibilität, seine Autorität in jungen Jahren. So sehr, dass er sich sicher ist, dass an diesem 20. Spieltag „eine prickelnde Partie“ ansteht.

In der Tat hat das Aufeinandertreffen dieser beiden Teams jüngst Spannung versprochen – und für die Bayern kein gutes Ende genommen. Die letzten beiden Partien gewannen die Kraichgauer, zuletzt 2:0 im September. Damals stand allerdings Carlo Ancelotti an der Seitenlinie. Das Duell zwischen Heynckes und Nagelsmann erlebt die Bundesliga an diesem Samstag zum allerersten Mal. Uninteressant ist es nicht.

Niklas Süle – von Heynckes gestern als „mehr als ein Stammspieler“ bezeichnet – hatte unter der Woche verraten, dass sein Ex-Trainer ihn ab und an kontaktiere, um sich explizit nach den Ansprachen seines aktuellen Coaches zu erkundigen. Heynckes selbst hat noch keinen Anruf von dem Mann bekommen, der wohl nicht ab dem Sommer, aber womöglich irgendwann mal die Bayern trainieren soll. Aber der Bayern-Trainer findet es „ganz normal“, dass ein Job-Novize „über den Tellerrand“ blickt. Auch er habe das getan, als er mit 34 verantwortlich für Borussia Mönchengladbach war. Ernst Happel, Arrigo Sacchi und Johan Cruyff waren Inspirationsquellen, „denn Sie glauben es kaum: Auch damals gab es schon Raumdeckung, Viererkette, Pressing und Abseitsfallen“. Nagelsmann sei halt jetzt ein paar Jahre früher als er damals „sehr wissbegierig“. Heynckes gluckste regelrecht, als er sagte: „Mit 30 habe ich pro Saison noch 27 bis 30 Tore erzielt.“

Dafür sind heute andere zuständig, bei den zuletzt kriselnden Hoffenheimern etwa der Bald-Schalker Mark Uth, in München Robert Lewandowski oder eben Sandro Wagner. Ob der Neuzugang bereit für seinen ersten Startelf-Einsatz ist, macht Heynckes allerdings nicht vom Gegner abhängig: „Wenn ich den Zeitpunkt für richtig erachte, wird er spielen.“ Dass das nach einer nicht-englischen Woche der Fall sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Lewandowski braucht Tore für den Einzeltitel.

Überhaupt kommt von den drei Ex-Hoffenheimern aktuell nur Süle regelmäßig zum Zug. Sebastian Rudy wartet auf seinen ersten Einsatz 2018. Das 16-Punkte-Polster in der Liga lässt den Profis aus der zweiten Reihe aber immerhin die Hoffnung, bald Spielzeit zu bekommen. Heynckes kündigte an, auch etablierte Spieler mal auf die Tribüne zu schicken. „Luxusprobleme“ nannte er das – und stellte klar: „Spieler müssen das verstehen.“ Aus seinem Mund genauso wie aus jenem von „Bubi“ Nagelsmann.

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