In der Kritiik: Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern.
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In der Kritiik: Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern.

Wirbel um Hoeneß

Hoeneß tief gekränkt

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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Uli Hoeneß hat die Jahreshauptversammlung des FC Bayern nachhaltig getroffen: „Der Abend macht mir Sorgen“

München – Es gab Böller und Blasmusik, Applaus für die Seele und einen Schinken für den Leib – und der Krampus war nur ein Statist, der half, Geschenke zu verteilen. Der Adventsbesuch von Uli Hoeneß beim Bayern-Fanclub im oberfränkischen Kersbach lief gestern deutlich harmonischer als das Ende der Jahreshauptversammlung am Freitag, die dem Präsidenten noch länger zu schaffen machen wird, wie er erklärte.

Die Buhrufe, Pfiffe, Kritik und Polemik hat ihn nachhaltig verletzt. Er sei wegen der aggressiven Atmosphäre, die sich ja nahezu ausschließlich gegen seine Person gerichtet hatte, „schockiert“ gewesen. „Der Abend geht nicht spurlos an mir vorüber, man kann da nicht zur Tagesordnung übergehen.“ Er habe 40 Jahre dafür gearbeitet, dass der FC Bayern genau dort stehe, wo er jetzt ist. „Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich hoffe, dass sich das wieder ändert. Sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern.“

Lange war die Veranstaltung ruhig verlaufen, am Ende aber bekam Hoeneß erstmals zu spüren, dass sich Teile der Fangemeinde an seinem Stil reiben. Einige hätten versucht, sagte Hoeneß, „meinen tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und Präsident zu beschädigen“. Nach den massiven und unsachlichen Attacken werde er „in Ruhe die nächsten Wochen und Monate beobachten, wie sich alles entwickelt. Ich werde mir viele Gedanken machen und dann entscheiden, was ich will und was nicht.“ Das klingt so, als würde er auch in Erwägung ziehen, sich im kommenden Jahr nicht zur Wiederwahl zu stellen. Der Freitagabend in der Form, wie er ausgeklungen war, „macht mir Sorgen“.

Die Wortmeldung von Mitglied Johannes Bachmayr hatte ihn überrascht, sagte er, er sei froh, dass er bei all der Polemik und „den fast nur falschen Unterstellungen“ nicht sofort reagiert hatte, „denn ich war sehr aufgewühlt, und darauf hatte ein kleiner Teil dieser Gruppe nur gewartet. Dann wäre Chaos entstanden, und das wäre nicht gut für den FC Bayern gewesen.“ Die „Grundunzufriedenheit“ nehme er sich aber zu Herzen, sagte Hoeneß. „Wir sind alle dazu aufgerufen, dass wir bessere Zeiten ansteuern.“

Hoeneß hat sich vorgenommen, in Zukunft souveräner aufzutreten, doch im Zwist mit Paul Breitner musste er dann doch noch mal ein paar Dinge klarstellen, erklärte er. „Paul wird von den Fans zum Märtyrer gemacht, aber Paul ist nicht Opfer, sondern Täter.“ Als ihn gestern ein Fan bat, den Streit beizulegen, wurde der Präsident richtig traurig und meinte, das werde sehr schwierig. Zum Zerwürfnis zwischen den beiden war es bereits vor fünf Jahren gekommen, erzählte er, doch er habe immer seine privaten Belange von denen des Vereins getrennt. „Er hat Anfang 2017 seinen Vertrag bei uns nach einer Auseinandersetzung mit Karl-Heinz Rummenigge, bei der es auch um Presseauftritte ging, hingeschmissen – da wusste ich gar nichts davon.“ Nach dem Auftritt im „BR“ habe die Führungsriege dann beim Champions League-Spiel in Athen beschlossen, ihm nahezulegen, dem Ehrengastbereich fernzubleiben. „Denn er hat in einer unsäglichen Art den FC Bayern beschädigt. Wenn er ein Problem mit uns hat, soll er uns das selbst sagen. Und nicht den Weg über die Presse gehen“, sagte Hoeneß. „Unser Verhältnis ist nicht mehr zu kitten, er hat den Rubikon überschritten.“

Rummenigge pflichtete Hoeneß bei seinem Fanclubbesuch 500 Kilometer entfernt bei: Dass sich Breitner „ins Fernsehen setzt und den Uli verbal schlachtet, finde ich nicht gut“. Und auch der alte Weggefährte Rudi Völler erinnerte an Breitners Zeitungskolumnen in früheren Jahren: „Das war mitunter menschenverachtend. Ich kann verstehen, wenn man Paul nicht als moralische Instanz akzeptiert.“

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