Uli Hoeneß
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Uli Hoeneß auf dem Weg in den Weihnachtsurlaub: Seine Frau Susi fuhr ihn heim nach Bad Wiessee.

Feiertage daheim

Uli Hoeneß’ Rückweg in die Normalität

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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München - Deutschlands derzeit wohl prominentester Häftling Uli Hoeneß muss nach zwei Tagen Urlaub wieder zurück ins Gefängnis. Anfang 2015 könnte er Freigänger werden. Der Ärger um seinen Verdienstorden geht unterdessen weiter.

Urlaub, raus aus dem Gefängnis, Weihnachten nicht im Gefängnisbett schlafen. Uli Hoeneß durfte an Heiligabend die Justizvollzugsanstalt Landsberg verlassen, um das Fest mit seinen Lieben zu verbringen. Deutschlands wohl prominentester Häftling hatte nach knapp sieben Monaten Haft seinen ersten Urlaub über Nacht.

Am Morgen des 24. traf er im Auto zu Hause ein, seine Frau Susi steuerte den Wagen. Am Freitag musste er zurück in die Justizvollzugsanstalt. Sein Anwalt Tobias Pretsch von der Kanzlei Ufer-Knauer sowie ein Sprecher des Bayerischen Justizministeriums bestätigten das Ende der Auszeit. Wo und wie Hoeneß die Weihnachtstage im Einzelnen verbracht hat, blieb dabei offen.

Der Weihnachtsurlaub des einstigen FC-Bayern-Präsidenten ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zurück in ein normales Leben. Entscheidender dürfte der nach dem Jahreswechsel erwartete Freigängerstatus sein. Hoeneß könnte das Gefängnis dann jeden Morgen verlassen und arbeiten gehen. Der FC Bayern wartet auf dem Münchner Vereinsgelände an der Säbener Straße schon auf ihn. „Es war sein eigener Wunsch, im Nachwuchsbereich zu arbeiten“, sagte Bayern-Präsident Karl Hopfner schon im November. Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ergänzte am vergangenen Samstag im ZDF: „Ab Anfang Januar kommt er zum ersten Mal her, wird dann im Nachwuchs tätig sein.“

Nach getaner Arbeit müsste Hoeneß stets um 18 Uhr wieder zurück in seine Zelle. Dies wird nicht das Landsberger Gefängnis sein. Er wird wohl zunächst in die Außenstelle Rothenfeld nahe dem Starnberger See verlegt, später vielleicht in die Münchner Leonrodstraße.

Der genaue Zeitpunkt ist offen. Logisch wäre, als ersten Arbeitstag den 2. Januar zu akzeptieren. Kuriosität am Rande: Eigentlich sind bis 6. Januar Betriebsferien an der Säbener Straße. Auch die längerfristige Perspektive ist gut: Gibt Hoeneß sich reumütig und wird die Hälfte seiner Strafe zur Bewährung ausgesetzt, könnte er im Frühjahr 2016 dann ein ganz freier Mann sein.

In der Landespolitik wird unterdessen kontrovers darüber beraten, warum Hoeneß im September den Bayerischen Verdienstorden abgab. Die Opposition verlangt eine Erklärung von Regierungschef Horst Seehofer und eine Offenlegung aller Details. „Die Vorgänge um den Ordensentzug von Uli Hoeneß sind ein schmieriges, undurchsichtiges Staatstheater“, sagte Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause unserer Zeitung am Freitag. „Wir erwarten, dass Ministerpräsident Seehofer sich unverzüglich zu den Hintergründen äußert.“

Vor allem stelle sich die Frage, ob der für eine theoretisch mögliche Aberkennung zuständige Ordensbeirat mit der Angelegenheit befasst war. Ihm gehören kraft Amtes die CSU-Politikerinnen Barbara Stamm (Landtagspräsidentin) und Ilse Aigner (Vize-Ministerpräsidentin) an. Bause kritisiert: „Wollte sich Seehofer vom Steuerbetrüger Hoeneß distanzieren, aber gleichzeitig dessen Fans nicht verprellen? Dann wäre die Aktion gründlich daneben gegangen.“

SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher rügte, der Vorgang und die Spekulationen um Hoeneß’ Orden „nützen niemandem und schaden der staatlichen Anerkennungskultur im Allgemeinen“.

Hoeneß’ Anwälte hatten mitgeteilt, von der Staatskanzlei selbst sei vor einem halben Jahr der Rat ergangen, den Orden zurückzugeben. Hoeneß’ Ehefrau Susi hatte die hohe Auszeichnung Anfang September dann persönlich, aber freiwillig, bei Seehofer abgegeben.

Paul Winterer / Christian Deutschländer

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