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Hopfner: "Hauptsache, Pep bleibt"

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Von: Andreas Werner, Hanna Raif

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Karl Hopfner hat mit dem FC Bayern bislang 44 Titel gewonnen - und aller Voraussicht nach werden noch einige hinzukommen. © Ruiz

München - Bayern-Präsident Hopfner über Guardiola, Hoeneß, Reus, Geldsorgen und Pingpong mit Dortmund.

Eigentlich hatte sich Karl Hopfner (62) das Jahr 2014 anders vorgestellt: Nach dem Rückzug aus dem Vorstand des FC Bayern wollte er endlich einmal die Freizeit genießen. Die Steueraffäre von Uli Hoeneß spülte ihn dann aber ins Amt des Präsidenten und an die Aufsichtsratsspitze. Im Interview blickt er zurück – und erklärt, wie er die Zukunft des Klubs sieht.

Herr Hopfner, feiert man als Präsident anders Weihnachten als sonst?

Nein, ich feiere wie immer. Wir alle sind stolz darauf, wie die Situation im ganzen Verein ist. Nicht nur die tolle Lizenzspielermannschaft ist zu würdigen, sondern auch jede andere der übrigen Abteilungen. Es ist alles perfekt. Aber es gibt jetzt für mich deshalb keine extra „Präsidenten-Platzerl“. Das kann ich mir auch nicht erlauben (lacht).

Das Jahr 2014 war ein sehr bewegtes: Das Double zum Einstand von Pep Guardiola, aber auch 0:4 gegen Real Madrid verloren, der Rücktritt von Uli Hoeneß, der WM-Coup. Was bleibt am meisten hängen?

Am meisten der Rücktritt von Uli Hoeneß. Es gab in diesem Jahr geplante Veränderungen im Aufsichtsrat, aber auch diese nicht geplante. Das war das Einschneidenste. Sportlich war das Jahr top. Wenn bei uns jetzt einer jammern würde, wäre er hier falsch.

Hoeneß kehrt im Januar zurück. Vor seiner Haftstrafe sagten Sie, er hinterlässt ein Vakuum. Wie sah dieses Vakuum aus?

Es gab eines wegen seiner Art und Präsenz in allen Bereichen. Aber der Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge hat das sehr gut ausgefüllt. Dass Viele Uli Hoeneß als Ratgeber vermissen, ist normal.

Hat er sich schon geäußert, wie seine Pläne sind, abgesehen von seiner Tätigkeit als Freigänger im Jugendbereich?

Er kommt jetzt ja erst zurück, geht in eine kleine Normalität zurück. Er muss sich hier nicht einleben, aber er muss sich nach sieben Monaten Absenz wieder zurechtfinden. Und dann sieht man weiter.

Was war 2014 für Sie das größte Geschenk?

Das Christkind kommt ja erst (lacht). Für uns alle ist immer das Wichtigste Gesundheit. Große Geschenke im Job gab es bei überraschenden Transfers im letzten Jahr. Wer hätte gedacht, dass Xabi Alonso an einem Freitag zu uns kommt und am Samstag auf Schalke gleich ein sensationelles Spiel macht? Die Serie, die Manuel Neuer hingelegt hat, ist ebenso ein Geschenk wie sieben Weltmeister vom FC Bayern.

Sind Sie heute froh, dass Sie überredet wurden, Präsident zu werden?

Das Wort überredet ist richtig, denn das Amt war sicherlich nicht in meiner Planung. Froh ist aber der falsche Ausdruck: Ich glaube, man hat eine Verpflichtung, wenn man so lange wie ich für den FC Bayern tätig gewesen ist.

Ihr Ziel ist es, dass der FC Bayern in den nächsten Jahren zum werthaltigsten Klub der Welt werden soll. Was meinen Sie damit?

Wir sind jetzt schon der weltgrößte Klub. Werthaltig heißt, dass wir uns international in eine Liga wie Real Madrid oder Barcelona bringen. Wir sind da auf dem besten Weg, haben andere schon überholt. Real hat zehn Mal die Champions League gewonnen, wir fünf Mal – da ist allein numerisch noch ein Unterschied. Wobei wir in anderen Bereichen sogar schon weiter sind. Auf der Allianz Arena ruhen etwa keine Bankverbindlichkeiten mehr. Diese Erfolgsstory ist wirklich sensationell: Nicht mal zehn Jahre nach dem Bau ist alles erledigt.

Die Arena ist nun 15 Jahre früher als geplant abbezahlt. Silvester steht zwar noch aus – aber haben bei Ihnen bei der Nachricht schon die Champagner-Korken geknallt?

Bleiben wir beim Sekt, und bei mir darf es auch Weißbier sein. Wenn man so ein Invest von 348 Millionen Euro mitverantwortet, und das ohne Zuschüsse und Bürgschaften, dann machst du dir schon einige Gedanken. Damals war ja das Invest höher als der Jahresumsatz. Wenn uns einer 2005 gesagt hätte, dass die Allianz Arena zehn Jahre lang bei allen Spielen ausverkauft sein wird, hätten wir gesagt: Ist bei dir alles okay? Hast du vielleicht zu viel getrunken? Die mutige Entscheidung war damals absolut richtig.

Wie feiern Sie eigentlich Erfolgserlebnisse? Ihr Vorstandskollege Jan-Christian Dreesen verriet zuletzt, er singe gerne.

Würde ich singen, würde ich vor mir selbst davonlaufen (lacht). Im musischen Bereich hieß es bei mir in der Schule immer nur: „Teilgenommen“. Ich freu mich einfach, aber nicht wochenlang, es warten ja neue Aufgaben.

Haben Sie Herrn Dreesen schon singen hören?

Nein, leider nicht. Wahrscheinlich singt er lieber in der Badewanne (lacht). Halt, jetzt erinnere ich mich: Beim Champions League-Sieg hat er in London ein Lied angesungen. Seitdem nicht mehr.

Adidas finanziert Manchester United neuerdings mit einer Milliarde Euro. Bei Ihnen löste es keinen Jubel aus, dass der Anteilseigner die Konkurrenz so spendabel bedient. Sie wollten mit adidas-Chef Herbert Hainer, der bei Ihnen im Aufsichtsrat sitzt, reden, dass er beim FC Bayern ordentlich draufpackt.

Also, das mit dem „ordentlich draufpacken“ habe ich nicht gesagt – auch wenn man es so interpretieren kann. Unser Vorstand ist da mit adidas im Gespräch. Die Größenordnung dieser Aufwendung für Manchester hat uns natürlich schon überrascht. Jetzt schauen wir mal, wie es da weitergeht. Wir brauchen Geld. Wenn Sie nur die TV-Einnahmen sehen: Wir müssen da im Vergleich zu allen anderen Top-Ligen eine gewaltige Lücke ausgleichen. Das geht nur über Sponsoring und Merchandising. Unsere Fans sagen ja nicht: „Gut, 0:4 gegen Real, in Madrid kriegen sie ja auch viel mehr TV-Geld.“ Die sagen: „Herrschaften, sowas wollen wir nicht nochmal haben – also macht’s was!“

Jetzt zur Weihnachtszeit: Könnte es endlich mal Frieden geben zwischen den Bayern und dem BVB?

In Bayern ist Advent die staade Zeit. Es ist ruhig. Ich muss sagen: Das Thema nervt extrem. Aber für dieses Pingpong können wir oft nichts: Man wird gefragt, dann antwortet man. Ich musste mal eine Sache richtigstellen, als wir angegriffen wurden. Damit sollte es gut sein.

Der Streit manifestiert sich an den Herrn Rummenigge und Watzke. Könnten Sie da als Schlichter sagen: Gebt euch die Hand!

(lächelt) Ich glaube, dass ich da als Schlichter nicht anerkannt bin. Ein Handschlag sollte aber auch so drin sein. Ich sehe das undramatisch.

Mit dem Werben um Marco Reus droht neues Konfliktpotenzial. Wann vermelden Sie da Vollzug?

Welchen Vollzug sollte wir da vermelden? Da ist momentan gar nichts zu sehen, das ist bei uns kein Thema.

Hand aufs Herz: Empfinden Sie ein bisschen Schadenfreude, wenn Sie den BVB-Absturz sehen?

Auf gar keinen Fall. Es ist unfassbar, dass sie auf einem Relegationsplatz stehen.

Wünschen Sie sich einen starken BVB für einen stimulierenden Wettstreit?

In den letzten 30 Jahren haben sich die Herausforderer immer abgewechselt. Zuletzt war es Dortmund, jetzt rücken Wolfsburg, Gladbach, Leverkusen, Hoffenheim und auch Schalke auf. Wolfsburg habe ich für die nächsten Jahre schon als Herausforderer auf der Rechnung, wenn sie sich noch mehr stabilisieren.

Was macht Bayern nach der WM im Vergleich mit Dortmund besser?

Bei uns hängt sicher viel mit der Person Pep Guardiola zusammen. Er hat es verstanden, in der Belastung, Reha und Regeneration alle Spieler top hinzubekommen, trotz unseren vielen Verletzten. Er arbeitet einfach exzellent.

Karl-Heinz Rummenigge will bald mit dem Trainer verlängern. Wie steht der Präsident zu dem Plan?

Den kann ich als Präsident und als Aufsichtsrat nur begrüßen. Ich habe Karl-Heinz Rummenigge auch schon gesagt, dass ihn der Aufsichtsrat absolut ermutigt, in dieser Sache tätig zu werden. Guardiola hat noch einen Vertrag bis 2016 und sogar bei seinem FC Barcelona nie langfristig verlängert. Aber es wäre unser aller Wunsch, wenn er noch länger bei uns bleiben würde.

Bei Barca unterschrieb er nur Einjahresverträge. Auch hier ein Modell?

Jede Lösung mit Pep wäre gut. Hauptsache, er bleibt.

2015 steigen das Champions League- und das Pokal-Finale in Berlin. Lust auf zwei weitere Besuche in der Hauptstadt?

Das erste Pokalfinale in Berlin haben wir schön verloren. 1985. Ich will mich gar nicht an den Verein erinnern . . .

Bayer Uerdingen.

Ja, ich weiß, Uerdingen. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Zwei Berlin-Reisen im ersten Halbjahr 2015 wären ein Traum. Wir sind bereit.

Dann darf man aber nicht noch einmal 0:4 gegen Real Madrid verlieren.

Ich glaube nicht, dass Real hier noch mal 4:0 gewinnt. Es gibt zwar Tage, an denen die Tagesform nicht passt. Das ist aber im Moment schwer vorstellbar. Wie unsere Mannschaft spielt, ist ein Genuss.

Wissen Sie eigentlich, wie viele Titel Sie seit 1983 hier gewonnen haben?

Nein, weiß ich nicht.

44. Machen Sie die 50 noch voll bis zur nächsten Präsidiums-Wahl 2016?

(lächelt) Man soll ja an Weihnachten immer einen Wunsch äußern dürfen. Also: Ja!

Morgen Teil II:

Hopfner über die FIFA, Sepp Blatter und die WM in Katar.

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