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Mats Hummels wechselte vom FC Bayern zu Borussia Dortmund

Hummels: Vom dem Fluch halte ich nichts!

München - Mats Hummels kehrt als Leistungsträger von Borussia Dortmund an seinen früheren Arbeitsplatz beim FC Bayern zurück. Das Interview vor dem Spiel in der Allianz Arena:

Man muss geduldig sein, wenn man Mats Hummels erreichen will. „Ich mache Zivildienst in einem Seniorenstift, da kann ich nicht immer ans Handy“, sagt er beim Rückruf. Der 21-Jährige tritt am heutigen Samstag mit Dortmund beim FC Bayern an, bei dem Verein, bei dem er groß wurde und in dem sein Von deVater Hermann im „Junior Team“ arbeitet. Im Januar 2008 wurde Mats Hummels an den BVB ausgeliehen und später für rund vier Millionen Euro Ablöse verkauft.

Mats, beim 2:3 gegen Frankfurt letzte Woche hatten Sie spektakuläre Szenen: Ihnen gelang Ihr fünftes Saisontor, dann kratzten Sie hinten einen Ball akrobatisch von der Linie. Sie haben einen Lauf.

Ja, ich fühle mich gut und fit, die ganze Saison schon. Vor allem bin ich froh, dass ich regelmäßig spiele. Da wird es so wahrgenommen, dass einem der Ball am Fuß klebt.

Ihre Homepage outet Sie als Fan von Computer-Fußballsimulationen; man könne da Dinge riskieren, die man auf dem Feld besser unterlässt. Spielen Sie gerade wie ein Videoheld?

Das mit den Toren kommt daher, dass ich bei Standards als großgewachsener Spieler Vorteile habe. Kurios ist, dass ich, seit ich treffe, die Konsole kaum mehr angerührt habe. Meinen Torwahn in Anführungszeichen befriedige ich auf dem Platz (grinst).

Rufen Sie Fähigkeiten aus Ihrer Teenagerzeit ab, als Sie Torjäger waren, ehe bei Bayern Hermann Gerland eine Umschulung zum Verteidiger empfahl?

Es ist einfach so, dass es bei Dortmund bei Ecken und Freistößen immer brennt.

Ihre Entwicklung geht auffällig schnell. In München dürfte das manche überraschen, sonst hätte man Sie nicht verkauft, sondern Sie nach Auslauf des Leihgeschäfts mit Dortmund zurückgeholt.

Wenn manche das beim FC Bayern so sehen, ist es eine Bestätigung. Aber nichts, was mich anspornt. Ich bin froh, in Dortmund zu sein.

In der schwierigen Saison 2006/07 wurden Sie bei Bayern in den Profikader befördert, das war zur Zeit des Trainerwechsels von Felix Magath zu Ottmar Hitzfeld. Viele Stammspieler waren außer Form, dennoch wurde die Chance für Sie immer wieder verschoben. Enttäuschend?

Nein. Ich war aus der A-Jugend gekommen, wäre da noch spielberechtigt gewesen. Da irgendetwas zu fordern wäre unangebracht gewesen. Dass ich Stammspieler werde, das konnte kein Thema sein.

Hatten Sie es aufgrund der Konstellation mit Ihrem Vater als Nachwuchstrainer schwerer?

Wenn der Vater im gleichen Verein ist, kann es sein, dass man genauer hinschaut, ob der Spieler wirklich so gut ist oder bevorzugt wird. Ich hoffe, dass es nicht so war.

Ihr Vater Hermann Hummels war Verteidiger in der 2. Liga bei Schloss Neuhaus, doch auch Ihre Mutter Ulla Holthoff hat Fußball-Kompetenz zu bieten. Sie war eine der ersten Sportjournalistinnen in der Männerdomäne Fußball, sie schrieb für „Die Welt“, und wenn wir uns recht erinnern, ist sie auch dadurch ein wenig berühmt geworden, dass sie sich mit Otto Rehhagel angelegt hat.

(lacht) Ja. Bei mir haben beide Elternteile zur Entwicklung beigetragen. Mit fundierter Kritik, mit Ahnung, mit klarer Meinung. Das hat eine große Rolle gespielt.

Wie Uli Hoeneß. Der Manager riet Ihnen, die Schule abzubrechen.

So war es nicht. Er hat mir geraten, dass ich mich auf eine Sache konzentriere, Fußball oder Schule, weil ich mit der Doppelbelastung nicht klargekommen bin. Ich habe mich für Fußball entschieden, und das war richtig so. Das Abitur zu haben, wäre allerdings schön, vielleicht werde ich es mal nachmachen.

In der U 21 sind Sie Stammkraft – wann wird Hummels in die A-Nationalmannschaft berufen?

Ich kann nur Fußball spielen. Ich fordere und sage nichts.

Als Abziehbild bei einer Ferrero-Kampagne soll es Sie als Nationalspieler schon geben, wie Schalkes Benedikt Höwedes, der auch noch ohne Berufung ist. Macht das Hoffnung?

Von den Abziehbildern weiß ich nichts, aber das wird daher kommen, dass er und ich in der Nutella-Werbung sind.

Oje, der Nutella-Fluch! Der hat schon manchen getroffen, von Timo Hildebrand bis Kevin Kuranyi.

Von dem angeblichen Fluch halte ich nichts. Es ist ja auch schon bei Spielern in der Karriere was schief gelaufen, die nicht im Nutella-Spot waren.

Abgeschmiert! Der Nutella-Fluch:

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Wie ist die Interessenlage in Ihrer Familie beim Bayern-Spiel? Ihre Mutter, die gerade für die ARD in Vancouver ist, trug im Januar bei den Skimeisterschaften der Münchner Journalisten unterm Anorak ein Bayern-Shirt . . .

Sie trägt einfach gern alte Klamotten zum Sport, das ist kein Bekenntnis zum FC Bayern. Wenn ich ihr ein Dortmund-Shirt schicke, würde sie das genauso tragen.

Und Vater Hummels?

Der hält sich raus, wenn der Sohn gegen den Arbeitgeber seit mehr als einem Jahrzehnt spielt. Er sieht das Spiel relativ neutral.

Das Interview führte Günter Klein

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