Christoph Daum hat den türkischen Fußball stets im Blick, er trainierte in der Türkei Besiktas.
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Christoph Daum hat den türkischen Fußball stets im Blick, er trainierte in der Türkei Besiktas.

Alt, aber Achtung!

Darum warnt Ex-Besiktas-Coach Christoph Daum die Bayern vor den Türken-Oldies

  • Manuel Bonke
    vonManuel Bonke
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Christoph Daum hat den türkischen Fußball stets im Blick, er trainierte in der Türkei Besiktas. Die Mannschaft hat das höchste Durchschnittsalter von allen Achtelfinal-Teilnehmern.

München - Der Mann kennt sich aus mit Besiktas Istanbul. Gleich zweimal (von 1994 bis 1996 und 2001 bis 2002) trainierte er die Türken. Was er sich vom Achtelfinale zwischen Bayern und Bestikas erwartet, erzählt er im tz-Interview.

Herr Daum, was können Sie uns über Ihren zweimaligen Ex-Klub Besiktas Istanbul berichten?

Christoph Daum: Besiktas hat eine beeindruckende Gruppenphase gespielt, wie keine andere türkische Mannschaft zuvor. Daraus hat sich ein unheimliches Selbstbewusstsein entwickelt. Sie haben alle drei Auswärtsspiele gewonnen. Dabei waren sie gnadenlos effektiv!

Im berüchtigten Vodafone-Park hat Besiktas aber zweimal nur unentschieden gespielt.

Daum: Ihre Heimstärke ist ihnen trotzdem nicht abzusprechen. Das liegt natürlich auch an diesen euphorischen Fans, die ihre Mannschaft regelrecht nach vorne peitschen. Diese frenetische Unterstützung der Fans im Rücken ist eine Macht. Für diese Leute ist Optimismus bedeutsamer als jeglicher Realitätssinn! Drauf kann sich Bayern schon mal im Rückspiel einstellen.

Das heißblütige Fanverhalten passt ja auch ganz gut zum hitzigen Gemüt türkischer Mannschaften.

Daum: Bei solchen Aussagen komme ich immer ein bisschen ins Schmunzeln. In der Mannschaftsaufstellung wird man gegen die Bayern maximal zwei türkische Spieler finden, neun davon werden Ausländer sein.

Dafür hat Besiktas enorm viel Erfahrung in seinen Reihen.

Daum: Das ist eine Ansammlung von Ü-30-Spielern. Sie haben das höchste Durchschnittsalter von allen Achtelfinal-Teilnehmern. Gerade deswegen besitzt Besiktas Überraschungspotenzial, obwohl Bayern Favorit ist. Die vielen Routiniers können in Extremsituationen über sich hinauswachsen.

Stichwort: Pepe.

Daum: Zusammen mit seinem Nebenmann Dusko Tosic (33) hat Pepe mit seinen 34 Jahren schon einige internationale Schlachten geschlagen. Und was er schon alles mit Real Madrid in der Königsklasse erlebt hat, brauche ich nicht zu erwähnen.

Von den Angreifern um Ricardo Quaresma (34) könnte man auch behaupten, sie hätten ihren Zenit überschritten…

Daum: Ricardo Quaresma ist zwar in die Jahre gekommen, aber immer noch ein absolutes Schlitzohr und ein exzellenter Vorbereiter. Er gleicht viel durch Antizipation aus, weshalb ihm fehlende Laufstrecke zu verzeihen ist.

Beim Spiel in Porto hatte Besiktas einen Altersschnitt von über 30 Jahren: Tosic (33), Pepe (34), Tosun (26/im Winter zum FC Everton), Hutchinson (35), Fabri (30), Babel (31), Quaresma (34), Gönül (33), Adriano (33), Arslan (27) und Talisca (24) (von links).
Wie bewerten Sie die Arbeit von Jupp Heynckes beim FC Bayern bis jetzt?

Daum: Dass er so schnell die Wende herbeigeführt hat, das konnte niemand vorhersehen. Entscheidend war, dass er für Zusammenhalt und Identifikation gesorgt und die entsprechenden Kräfte freigesetzt hat.

Ist die logische Konsequenz, dass Heynckes ein weiteres Jahr in München bleiben soll?

Daum: Das ist die never ending Story, wo sich alle gefragt oder ungefragt mit Aussagen einmischen (lacht). Ich kann nur sagen: Bayern München gewinnt so natürlich auch etwas Zeit und kann im Verborgenen alle Planungen betreiben – so lange Jupp Heynckes nicht zu 100 Prozent gesagt hat: „Ich mach es nicht mehr!“

Laut Uli Hoeneß gibt es keinen Plan B für Heynckes…

Daum: Seien Sie mir nicht böse: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man keinen Plan B für Jupp Heynckes in München hat. Das würde nicht zu der Art und Weise passen, wie Bayern München normalerweise plant. Diese Aussage soll einfach die Wertschätzung gegenüber Jupp Heynckes zum Ausdruck bringen – und das kann ich wiederum durchaus nachvollziehen.

Trauen Sie Heynckes den CL-Titel zu?

Daum: Wenn sie in den nächsten Runden auf Gegner wie Manchester City treffen, müssen sie schon einen absoluten Sahnetag haben. Im Viertelfinale wird es sehr davon abhängen, wen sie zugelost bekommen. Einige Kandidaten sehe ich auf Augenhöhe, einige stehen besser da als der FCB. Ich traue den Münchnern durchaus das Halbfinale zu. Und wenn du mal da bist: Die Mannschaft wird sich in den nächsten Wochen noch einmal steigern, immerhin können sie sich 1000-prozentig auf die Champions League konzentrieren. Darum würde ich auch die Endspielteilnahme nicht ausschließen.

Der FC Bayern München trifft im Hinspiel des Achtelfinals der Champions League auf Besiktas Istanbul. Hier erfahren Sie alles im Live-Ticker.

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Interview: Manuel Bonke

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