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„Die Heim-WM 2026 ist mein größtes Ziel“: Julian Green (SpVgg Greuther Fürth) hat mit den USA viel vor.

Ziele des Ex-Bayern

Julian Green im Exklusivinterview:„Über Scheitern reden wir in 15 Jahren“

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Julian Green hat bei der SpVgg Greuther Fürth eine neue Heimat gefunden. Im Interview spricht der US-Amerikaner über den FC Bayern, Fußball in den USA, die Alpen, die Everglades und Fotos mit selbstgeangelten Haien.

München - Für Julian Green steht morgen wieder Alltag an: In der Zweiten Liga empfängt das langjährige Bayern-Talent mit der SpVgg Greuther Fürth Holstein Kiel. Die letzte Woche war dafür wesentlich glamouröser: Für die USA stand er gegen Brasilien (0:2) und gegen Mexiko (1:0) auf dem Platz. Im Interview erläutert Green seine Ziele.

Herr Green, Sie haben Ihren Vertrag in Fürth bis 2020 verlängert - was sind die Gründe?

Green: Ich will dauerhaft spielen, das ist das Wichtigste. Die Zweite Liga hat gezeigt, dass jeder jeden schlagen kann. Es sollte unser Ziel sein, dass wir uns im ersten Tabellendrittel positionieren und dann den Blick nach oben richten. Da kann ich meinen Beitrag leisten.

Sie sagten im Winter, eine Karriere als Zweitligaspieler sei für Sie „nicht okay“ – haben Sie inzwischen umgedacht?

Green: Es ist immer noch so, dass ich hohe Ambitionen habe. Ich weiß, was ich kann und ich weiß, wo ich schon einmal war. Natürlich möchte ich in einer Top-Liga spielen, aber die letzten zwei Jahre haben mich reifen lassen. Das tut gut. Man sollte immer offen sein und lernen, egal auf welcher Karrierestation. Ob das nun im Champions League-Kader beim FC Bayern ist, oder beim Hamburger SV im Abstiegskampf. Ich habe schon die ganze Bandbreite des Profifußballs mitbekommen, auch beim VfB Stuttgart und in Fürth spezielle Aufgabenstellungen erlebt. Ich weiß, dass mich das weiterbringt.

Martin Ödegaard wurde als Supertalent gehandelt, doch auch sein Weg führt nicht steil nach oben.

Green: Ich schaue grundsätzlich nicht auf andere. Jede Karriere ist anders. Man muss einfach sein Ziel vor Augen haben, nicht aufgeben und auch wenn die Zeiten mal schwerer sind, immer weitermachen.

Beim HSV standen Sie plötzlich Monate nicht mehr im Kader - hatten Sie mal Zweifel an sich?

Green: Natürlich ist man da frustriert, aber Zweifel hatte ich zu keiner Sekunde.

Das Beispiel Sandro Wagner, der auf Umwegen zurück zum FC Bayern kam, macht ja auch wieder Mut.

Green: Da sieht man, dass der Fußball viele Karrierewege ermöglicht. Man muss hart an sich arbeiten, darf nie aufgeben. Dann kommt alles, wie es kommt.

In welchem Stadium befinden Sie sich gerade: Sind Sie noch immer ein Talent, etabliert, ein etabliertes Talent oder ein talentierter Etablierter?

Green: Alles ein bisschen. Letzte Saison habe ich fast jedes Spiel gemacht, ich bin durch viele schwere Situationen gegangen. Ich würde sagen: Etabliert hier bei Greuther Fürth, aber noch immer ein Talent.

Stand ein Wechsel in die USA nie zur Debatte?

Green: Mein Fokus liegt klar hier in Europa und Fürth. Für die Zukunft schließe ich nichts aus.

Sie wurden in Tampa Bay geboren, wuchsen in Miesbach auf - wo sind Sie zuhause?

Green: Mein Vater lebt noch in Florida, ich bin da geboren und freue mich immer wieder da zu sein. Mein Herz ist da schon sehr amerikanisch. Bei der Nationalelf sind wir viele Deutschamerikaner, auf dem Platz sind wir alle Amerikaner. Aber ich habe beide Nationalitäten in mir. Ich fühle mich mit Blick auf die Alpen genauso wohl wie in den Everglades beim Angeln.

Was waren Ihre spektakulärsten Erlebnisse in den Everglades?

Green: Die Natur dort interessiert mich allgemein sehr: Die Alligatoren sind spektakulär, ich wollte auch immer einen Puma sehen, aber das Glück dazu hatte ich leider noch nicht. Spektakulär ist auch das Angeln dort, es gibt sogar Haie.

Schon mal einen an der Angel gehabt?

Green: Ja, schon. Mein letzter war ein knappen Meter groß, das ist dann schon anstrengend. Ungefähr zehn Minuten Kampf, und als er im Boot war, ging es erst richtig los. Das war ganz schön stressig. Zum Glück war ich mit einem Kumpel unterwegs, der wusste, was zu tun ist. Aber auch er kam ganz schön ins Schwitzen.

Landete der Hai dann am Ende auf dem Grill?

Green: (lacht) Nein, um Gottes Willen. Ein paar Fotos, dann zurück ins Meer.

Hatten Sie da mal Angst?

Green: Nein, ich mag das Adrenalin.

Wie werden Sie in den USA wahrgenommen? Sie sind der jüngste WM-Torschütze der US-Geschichte.

Green: Als Jürgen Klinsmann als Trainer gehen musste, haben viele Zeitungen geschrieben, dass ich es jetzt schwerer haben werde. Aber das war nicht so. Die verpasste WM ist ein Rückschlag für uns gewesen, jetzt haben wir einen Umbruch, und bei dem gehöre ich voll dazu. Ich habe gute Rückmeldungen aus dem Trainerstab und sehe mich als Teil der Zukunft der US-Mannschaft.

Und das Ziel ist die WM 2022 in Katar?

Green: Ja, das ist mein Ziel. Wir haben gute Jungs in der Mannschaft, und ich bin mir sicher, dass wir die Qualifikation schaffen. Es wäre wichtig für das ganze Land, dass die Entwicklung weitergeht.

Zumal 2026 die WM in die Staaten kommt.

Green: Ja, man merkt es jetzt schon. Der Fußball wird in den USA immer größer. Ehrlich gesagt ist er noch nicht an Basketball, American Football und Eishockey vorbeigezogen, aber er holt zunehmend auf.

Es heißt, es werden Baseballplätze abgerissen, um Fußballfelder zu bauen.

Green: Das habe ich persönlich noch nicht gesehen. Aber ich kann mir das gut vorstellen.

Bei der WM 2026 wären Sie fußballerisch im besten Alter.

Green: Ja, es wäre der Höhepunkt meiner Karriere, dort dabei zu sein. Das ist mein größtes Ziel. Etwas schöneres als eine Heim-WM zu spielen, gibt es nicht. Dafür werde ich alles geben. Es ist noch lange hin, aber man muss Ziele haben.

Wenn Sie 2026 bei der WM für die USA auflaufen, wäre das auch ein schönes Signal an alle, die Sie jetzt schon als einen Gescheiterten abstempeln.

Green: Über Scheitern können wir in 15 Jahren reden. Ich bin 23, habe schon viel erlebt, positiv wie negativ, und von Scheitern bin ich weit weg. Es geht jetzt erst gerade los.

Der FC Bayern versucht, in den USA Fuß zu fassen. Wie bekannt ist der Club in den Staaten?

Green: Ich war selbst zwei Mal mit Bayern in den USA dabei, einmal mit Pep Guardiola, einmal mit Carlo Ancelotti. Es ist noch nicht so, dass man im ganzen Land den FC Bayern kennt. Als wir einmal beim Angeln darüber geredet haben, bekam ich die Antwort: „Bayern? Noch nie gehört!“ Aber als wir mit dem Club damals dort waren, war schon sehr viel los. Fußball ist im Kommen, und es ist sinnvoll für die Bayern, sich zu positionieren, weil der Markt wächst. Auch fußballerisch entwickelt sich etwas. Wir haben viele gute Talente. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis noch mehr nach Europa kommen.

Die Bayern holen Alphonso Davies, ein 17-jähriges Talent aus der MLS.

Green: Davies kenne ich persönlich nicht. Ich kann nur sagen, dass in den US-Zeitungen steht, dass er ein super Spieler ist. Da können sich die Bayern sicher freuen.

Der FC Bayern oder das Oktoberfest - was ist in den USA bekannter?

Green: Momentan noch die Wiesn. Aber Bastian Schweinsteiger hat in Chicago viel bewirkt. Er ist eine Legende aus Bayern, das wissen die Leute. Er müsste vielleicht mal in Lederhosen durch Chicago laufen...

 ...oder Sie selbst.

Green: (lacht) Ja, oder ich. Aber bisher hatte ich noch nie eine mit im Gepäck dabei.

Interview: Andreas Werner

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