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Fremdelt noch: James Rodriguez spielt seit Saisonbeginn bei Bayern München.

Der FC Bayern und seine Transferprobleme

Bayerns Leihkauf James ist Ancelottis 11

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Der FC Bayern hat James Rodriguez geholt, um in Spielen wie gegen Paris St. Germain zu glänzen - doch noch ist es dunkel um die Leihgabe von Real Madrid. Ändert sich das am Mittwoch?

München - Die Zeiger steuerten Mitternacht an, und da seine Karriere seit einer Weile beendet ist, darf man heute ja frotzeln: Luca Toni hatte seinen Auftritt am Freitagabend in den Katakomben der Allianz Arena tiefsinnig getimt, denn die wahre Kernarbeitszeit des ehemaligen Bayern begann einst auch eher gegen Mitternacht. Toni schoss vor zehn Jahren zwar viele Tore, genoss aber nicht umsonst den Ruf als „Stenz von Monaco“. Er hat letzte Woche seine einstige Wahlheimat besucht, und als er nach dem 2:2 gegen Wolfsburg so locker vorbeispazierte, wie es vermutlich nur Südländer können, grübelte man einmal mehr über der Frage, wo sich der Stenz Toni denn wohler gefühlt hatte: Im Stadion oder im P1?

Als die Bayern 2007 Luca Toni holten, läuteten sie eine Phase ein, die sie bis auf Europas Thron führte. Zwar ist sein Name eine Fußnote geblieben, doch an Tonis Seite saß damals bei der Präsentation Franck Ribery, der noch heute den Ton angibt. Dieses Duo war der Anfang, später kam noch Arjen Robben, und weil es auch ein paar außerordentliche Talente aus der Region gab, wuchs ein Team heran, für das der Titel in der Champions League eine so legitime wie realistische Vorgabe war. Mehr denn je stellt sich zehn Jahre nach Toni/Ribery die Frage: Wer steht für den nächsten Umbruch?

Bayern würde keinen Ribery oder Robben mehr bekommen

Die Zeiten haben sich gewandelt, das manifestiert sich nicht zuletzt im Duell am Mittwochabend mit Paris St. Germain, das märchenhafte Millionenbeträge in die Szene gepumpt hat. Einen Ribery würden die Bayern heute nicht mehr bekommen, einen Robben auch nicht, und selbst der Nachtschwärmer Toni würde seine Grenzen ebenfalls eher in den Stadien und Diskotheken von England oder Spanien ausloten. Neulich hat der deutsche Rekordmeister seinen sogenannten Campus eingeweiht. Uli Hoeneß sagte bei der Gelegenheit, diese Akademie sei die Antwort der Münchner auf den grassierenden Transferwahnsinn. Ärgerlicherweise sind Wachstumsbeschleuniger unzulässig, und so benötigt man Zeit, Geduld und gute Nerven, bis man wieder ein paar Talente integrieren kann. Zeit, Geduld und gute Nerven sind beim FC Bayern ziemlich rare Rohstoffe.

Adolfo Valencia: Türöffner für James Rodriguez beim FC Bayern?

Am Samstag lächelte James Rodriguez auf dem Oktoberfest in die Kameras, doch der Kolumbianer fremdelte in seiner Tracht und mit der schäumenden Mass in der Hand. Es ist sicher noch ein weiter Weg zu einem Luca Toni (in mancher Hinsicht: Gottlob), aber auch zu einem Ribery oder Robben, und das ist schade. James Rodriguez ist eines der Gesichter dieses Umbruchs, der zwischen den völlig konträren Polen Tradition und Moderne stattfindet, er ist sogar noch mehr. Die Bayern haben seit jeher Fachkräfte aus dem Ausland geholt, und in einigen Fällen lagen sie damit sehr richtig. James Rodriguez, 26, ist aber ein Bote der Neuzeit: Bei Real Madrid war er überzählig, doch die Bayern wollen mit ihm glänzen. Europaweit. Sie haben ihn zu günstigen Konditionen ausleihen können. Momentan ist es noch dunkel um ihn. James Rodriguez wurde für die Top-Spiele in der Champions League geholt - vor der Partie in Paris aber ist nicht einmal klar: Spielt er überhaupt?

James kann für fast jeden der Jobkiller sein

Beim 3:0 auf Schalke ließ er sein Können aufblitzen, es werden aber Auftritte dieser Art in Serie nötig sein, um die Integration der Offensivkraft zu bewältigen. In James haben sich die Münchner nicht nur ein Versprechen für die Zukunft geholt, sondern auch entscheidende Eingriffe in ihrer Hierarchie in Kauf genommen. Bis auf Robert Lewandowski sieht ihn jeder als potenziellen Jobkiller, allen voran Thomas Müller muss den Neuen fürchten. Und jeder weiß auch: Der Mann mit der Nummer 11 ist Carlo Ancelottis 11. Der Coach wünschte sich den 26-Jährigen ausdrücklich, wegen guter Erinnerungen an die Zusammenarbeit einst bei Real Madrid. Es ist Ancelottis ureigenstes Interesse, dass James glänzt. Denn ein paar Strahlen fielen dann auch auf den Coach.

Die "Granate" zündet: James-Gala mindert Sorgen um Neuer

Für persönliche Eitelkeiten ist die Zeit aber zu kostbar. Die Aufregung um den Klub steigt ohnehin mit jedem enttäuschenden Auftritt. Derzeit wird alles registriert. Unter anderem zirkuliert ein Foto, das James am Sonntag auf Instagram gepostet hat. Er spielt dort ein Computerspiel mit seinem FC Bayern, sich selbst stellt er auf die „10“, Müller ist bei ihm bloß Bankdrücker. Pikant? Nur virtuelle Spielerei? Es sind jedenfalls neue Zeiten. Luca Toni kickte, wo es ihm gefiel und das Geld stimmte. Er hätte am Tag nach dem Wiensbesuch aber vermutlich Besseres zu tun gehabt, als Computer zu spielen oder Fotos zu posten.

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