Jansen: "Hinspiel war kein Maßstab"

München - HSV-Profi Marcell Jansen spricht im Merkur-Interview über das Duell mit seinem Ex-Klub Bayern und die Hoffnung, noch mit zur EM zu reisen.

Marcell Jansen (26) trifft am Samstag mit dem Hamburger SV auf den FC Bayern, für den er in der Saison 2007/08 spielte, ehe er von Jürgen Klinsmann aussortiert wurde. Früher plagten ihn viele Verletzungen, derzeit ist er gut in Schuss – letztes Wochenende erzielte er gegen Hertha ein Tor. Er peilt wieder große Ziele an. Sogar die EM hat er noch im Visier.

Herr Jansen, zum Rückrundenstart wurde Ihr HSV von Dortmund 1:5 zerlegt, es folgte ein 2:1 gegen Hertha – was passiert nun gegen die Bayern?

Wir haben nach Dortmund jedenfalls eine gute Reaktion gezeigt. Das war wichtig und hat Selbstvertrauen gegeben. Wir wissen, dass Bayern ein anderer Gegner als Hertha wird, aber unser Ziel ist klar, auch diesmal zu punkten, damit wir Schritt für Schritt aus dem Keller kommen.

Foto-Shooting der Nationalmannschaft in München

Foto-Shooting der Nationalmannschaft in München

Foto-Shooting der Nationalmannschaft in München
Ihr letztes Auswärtsspiel haben die Bayern in Gladbach verloren – kann man sich was abschauen?

Gladbach hat das hervorragend gemacht, aber wir haben unsere eigene Philosophie. Mit dem 1:5 gegen Dortmund haben wir wieder ein bisschen mehr dazugelernt, wie man gegen große Mannschaften auftreten muss. Das wird man auch am Samstag sehen.

Gegen Dortmund setzte es ein 1:5, in der Hinrunde verlor der HSV gegen Bayern 0:5 – welches Team ist schwerer zu bespielen?

Das ist schwer zu sagen. Gegen Dortmund haben wir absolut nicht optimal gespielt, aber noch schlechter waren wir in der Vorrunde gegen die Bayern. Da waren wir wirklich kein echter Gegner. Dieses 0:5 kann aber kein Maßstab sein, wir haben uns seitdem schon weiterentwickelt. Und ich bin mir auch sicher, dass dieses 1:5 gegen Dortmund ein Ausrutscher von unserer Seite war. Gladbach ist in der Hinsicht auf jeden Fall ein Vorbild, weil man sieht, wie Mannschaften einen Sprung machen können. Wir arbeiten hart, dass das bei uns auch möglich wird.

Warum war der HSV im Hinspiel, wie Sie sagen, „wirklich kein Gegner“?

Ich will gar nicht mehr zu sehr in die Vergangenheit blicken, aber wir waren damals gar nicht in der Lage, ein Spiel aufzuziehen oder kompakt zu stehen. Man hat das in dieser Phase in all unseren Spielen gesehen, dass wir uns kaum Chancen erarbeitet haben. Wir hatten nie wirklich eine Lösung. Jetzt weiß bei uns wieder jeder, wo er hinlaufen muss, was er machen soll. Wir sind hinten noch immer anfällig, aber auch das wird besser. Es ist eine klare Handschrift des neuen Trainerteams zu erkennen.

Was zeichnet Thorsten Fink in Ihren Augen aus?

Er ist einfach sehr positiv. Er vermittelt das Gefühl, dass er an jeden Spieler glaubt. In seinen Ansprachen vermittelt er klar ein Konzept – und auch den Weg, wie es zu realisieren ist. Der Coach hat bei uns einfach genau zu den richtigen Mitteln gegriffen.

Wie sehen Sie im Nachhinein Ihre Bayern-Zeit?

Meine Bayern-Zeit war sehr gut. Ich habe unter Ottmar Hitzfeld enorm viel gelernt und habe auch trotz einer Verletzung über 50 Prozent der Spiele gemacht, was eine gute Quote ist. Die Übergangsphase nach ihm mit Jürgen Klinsmann war dann einfach schwierig, der Schritt zum HSV ist richtig gewesen. Hier waren und sind meine Perspektiven einfach besser.

Wie sehen Sie Ihre Perspektiven in der Nationalelf? Zuletzt waren Sie nicht mehr dabei – haben Sie die EM schon aufgegeben?

Ich habe die EM auf gar keinen Fall aufgegeben, im Gegenteil. Fakt ist: Ich brauche mal eine Saison, in der ich verletzungsfrei voll durchziehen kann. Ich fühle mich gut, die Vorrunde war schon sehr ordentlich, es sieht gut aus. Ich bin voll im Saft. Meine Aufgabe ist nun, an die Vorrunde anzuknüpfen und die Bundesliga weiter als Plattform zu nutzen. Mein Ziel ist ganz klar, dass ich zur Nationalelf zurückkehre. Ich war bei den letzten beiden Weltmeisterschaften und der EM dabei, da will ich wieder hin.

„Ich würde nicht mehr alles auf Bayern wetten“

Wie ist Ihr Kontakt zu Bundestrainer Jogi Löw?

Der Kontakt war und ist immer da. Ich gehöre zum erweiterten Kreis der A-Nationalelf, zu diesem Stamm von 30, 35 Spielern. Meine Aufgabe ist klar: Fit bleiben und Leistung zeigen. Und dann liegt es am Bundestrainer.

Wie lautet Ihr Tipp im Meisterrennen?

Bayern, Dortmund, Schalke, Gladbach – das sind vier sehr gefestigte Mannschaften da oben. Es wird spannend. Ich denke, den Titel machen Bayern und Dortmund unter sich aus und tendiere noch immer ein bisschen mehr zu Bayern.

Das klingt, als wären Sie sich mit dem Bayern-Tipp nicht mehr sicher . . .

Im Sommer wäre ich mir sicherer gewesen. Jetzt würde ich nicht mehr mein ganzes Geld darauf wetten.

Interview: Andreas Werner

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Kommentare