Ottmar Hitzfeld , Franz Beckenbauer
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Sky-Experten unter sich: Ottmar Hitzfeld und Franz Beckenbauer werden die Liga auch diese Saison analysieren.

Ottmar Hitzfeld im Interview

„Kahn hat auch nicht alles gehalten“

München – Ottmar Hitzfeld freut sich auf die neue Bundesliga-Saison. „Alle Fans können sich freuen“, verspricht der ehemalige Bayern-Coach und jetzige Trainer der Schweizer Nationalmannschaft.

Hitzfeld arbeitet auch dieses Jahr wieder für den Pay-TV-Sender Sky als Experte.

-Herr Hitzfeld , wie sehr fiebern Sie der neuen Bundesliga-Saison entgegen?

Da ich nicht aktiv beteiligt bin, kann ich die Bundesliga mit weniger Stress verfolgen. Wenn man selbst Trainer ist, ist es der Job, der Auftrag vom Verein, erfolgreich zu sein. Das ist weniger Vergnügen. Da ist Vergnügen nur, wenn man gewinnt. Und wenn man verliert, hat man Theater und muss immer Brände löschen.

-Erwarten Sie diese Saison bei Ihrem früheren Klub Bayern viele Brände?

Ich denke, es wird generell viele Brände in der Liga geben. Es hat jetzt schon den ersten gegeben in Mainz , wo der Trainer fünf Tage vor Beginn entlassen wurde, was ich nicht verstehe. Bei Bayern glaube ich nicht, das es so viele Brände geben wird wie in der letzten Saison. Die Bayern haben mit Louis van Gaal einen hervorragenden Trainer, der Fachkompetenz und Durchsetzungsvermögen hat. Er kann Erfolge vorweisen, er weiß, wie man Champions-League-Sieger und Meister wird. Von daher hat man da keine Baustelle. Ich sehe eher Unruhe vom Kader her.

- Finden Sie auch, Bayern hat zu viel Personal?

Ja. 22, 23 Profis und ein paar Nachwuchsspieler reichen völlig aus. Zu viel kann Unruhe bringen und erschwert die Arbeit eines Trainers. Vor allem sind zu viele Stürmer da. Stürmer wollen immer spielen. Wenn Luca Toni nicht drankommt, weil Mario Gomez einschlägt und Miro Klose gut spielt, wird er unzufrieden sein. Das kann ein Problem werden. Wobei ich da kürzlich falsch verstanden wurde: Ich habe gesagt, Toni ist Weltmeister und wird unzufrieden sein, wenn er nicht spielt. Da wurde draus gemacht, Toni sei ein „Weltmeister der Unzufriedenheit“ – das habe ich so nie gesagt.

-Elf-Millionen-Mann Anatolij Timoschtschuk ist ein anderer prominenter Härtefall unter van Gaal.

Der Trainer hat sich für Mark van Bommel entschieden, Anatolij Timoschtschuk sitzt auf der Bank. Er kann ein Problemkind werden.

14 Fakten über Louis van Gaal

Louis van Gaal: 14 Fakten aus seiner Zeit vor dem FC Bayern

-Wie sehen Sie die Entscheidung, Michael Rensing zur Nr. 1 zu machen?

Die Abwehr hat mit Lucio einen Leistungsträger verloren, und Philipp Lahm habe ich immer lieber links als rechts spielen lassen. Er hat da mehr Bewegungsfreiheiten. Aber Rensing ist für mich eine Nr. 1. Als Olli Kahn bei Bayern angefangen hat, hat er auch nicht gleich alles gehalten.

-Ein anderes großes Thema war der Flirt Real Madrid/ Franck Ribery . Gibt er für Bayern weiter alles?

Ja. Ich kenne Franck sehr gut. Er ist ein Vollprofi. Wenn Real lockt, ist das für jeden Spieler eine Versuchung, aber Uli Hoeneß hat da eine ganz klare Meinung geäußert. Und wenn Uli Hoeneß sagt, man braucht das Geld nicht, man muss die Schlossallee nicht verkaufen, ist das so. Man muss ja auch das beste Pferd im Stall behalten. Und Ribery ist der beste Bayern-Spieler. Er ist eine Attraktion für die ganze Liga. Ich freue mich, dass Bayern standhaft bleibt.

-Er soll in der Raute die Zentrale besetzen. Wird der Plan aufgehen?

Ich sehe Ribery als einen Spieler, der auf der Seite weltklasse ist. In der Mitte hat er das noch nicht unter Beweis stellen können. Von daher bin ich gespannt auf ihn.

-Der Auftakt hat es gleich in sich: Wie wird das Spiel Hoffenheim gegen Bayern, wie geht es aus?

Es wird ein Leckerbissen. Beide Mannschaften spielen nach vorne. Das verspricht das erste Spektakel. Ich bin nach wie vor mit dem Herzen bei Bayern , deshalb hoffe ich auf einen Münchner Sieg.

-Und wer wird Meister?

Der FC Bayern.

-Sie sagen das sehr bestimmt – gibt es keine anderen Titelanwärter?

Die Frage ist: Wer wird hinter Bayern Zweiter? Ich tippe auf Wolfsburg, die haben letzte Saison nicht aus Zufall so viele Tore geschossen. Das Dreigestirn Misimovic, Grafite und Dzeko ist einzigartig. Ansonsten bin ich gespannt auf Stuttgart, ob Hleb die super Leistung von früher bestätigt und Pogrebnjak einschlägt. Er wird Anpassungsprobleme haben. Leverkusen wird mit Jupp Heynckes konstanter sein, Bremen hat nach der schlechten Saison Nachholbedarf. Schalke hat nicht das Potenzial für die ersten Drei. Falls doch, wäre es ein weiteres Wunder von Felix Magath. Wenn Ibisevic wieder in Form kommt, muss man mit Hoffenheim rechnen. Beim Hamburger SV weiß ich nicht so recht, ob sie die nötige Konstanz aufbringen können.

-Wird man Sie noch mal in der Bundesliga sehen?

Ich gehe davon aus, dass das nicht mehr der Fall sein wird. Aber das habe ich 2004 auch gedacht und plötzlich war ich doch wieder bei Bayern . Man sollte nie was ausschließen. Aber ich habe es nicht vor.

Gespräch: Andreas Werner

Beckenbauer: „ Van Gaal hat die Mannschaft besser im Griff als Klinsmann“

Franz Beckenbauer hat sich dafür entschuldigt, vergangene Woche mit einer unbedachten Aussage bezüglich der Personalie Franck Ribery beim FC Bayern für Unruhe gesorgt zu haben. „Ich habe nur sagen wollen, dass ich verstehe, wenn sich ein Spieler mit einem Angebot von Real Madrid beschäftigt. Das würde jeder Spieler. Zu sagen, München sei ihm wurscht, war zu drastisch. Das hätte ich vornehmer ausdrücken müssen. Dass er seine Wurzeln nicht hier hat, ist ja Fakt.“ Inzwischen sei das Missverständnis ausgeräumt, und der Bayern-Boss schließt nicht mal aus, dass der Franzose seinen Vertrag verlängert: „Wenn er in guter Laune ist, wird er bleiben.“

Ob Ribery mit der Rolle als Nummer 10 zurechtkommt, ist Beckenbauer selbst gespannt: „Für sein Spiel braucht er Platz, den hat er auf der Position nicht, aber vielleicht entwickelt er sich zu einem echten 10er.“

Der „Kaiser“ vertraut da voll auf den neuen Trainer Louis van Gaal. „Er hat die Mannschaft besser im Griff als Jürgen Klinsmann , der es vor allem am Ende nicht mehr geschafft hat, die Spieler zu dirigieren. Ihm ist alles aus der Hand geglitten.“ Dabei habe der Ex-Coach den Aufsichtsrat zuvor durchaus beeindruckt. „Er hat ein Konzept vorgestellt, besser geht es nicht. Aber es war halt nur Papier. Theorie. Es hat sich als nicht haltbar erwiesen.“

Den Kader hält auch Beckenbauer für zu groß, und vor allem den Fall Luca Toni sieht er kritisch: „Er ist Weltmeister und selbstbewusst. Er wird Ansprüche stellen.“ Anatolij Timoschtschuk werde sich „eher zurückhalten“, bisher sei er auf der falschen Position aufgelaufen: „Rechts kennt er sich nicht aus – das ist ein Sechser. Aber Mark van Bommel spielt diese Position hervorragend. Es wird eine spannende Auseinandersetzung, die beide antreiben kann, über ihre Leistungsgrenzen hinauszugehen.“

Bei Michael Rensing hofft Beckenbauer, „dass er ruhiger wird. Letzte Saison hat er mit seiner Überaktivität die ganze Abwehr durcheinandergebracht. Er dachte, er ist ein zweiter Kahn. Aber das ist er nicht, er braucht Zeit. Er ist ein großartiges Talent, dem ich zutraue, es hier zu schaffen.“

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