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Man ist sich nah: Rummenigge (l.) und Kahn

Bayern-Kandidat Kahn 

Titan auf der Warmhalteplatte - wie die Bayern die Zukunft planen

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Ehe Oliver Kahn beim FC Bayern eine Position einnimmt, müssen noch viele Fragen geklärt werden - Karl-Heinz Rummenigge schließt Präsidenten-Amt für sich aus 

München – Das Internet-Lexikon „Wikipedia“ hält bei einer Recherche bezüglich Titan eine lange Liste parat. In der Mythologie ist es ein Begriff, auch in der Chemie, es gibt einen Mond, der so heißt und eine Elektro-Band in Mexiko, etliche Bücher und Science-Fiction-Geschichten, ein Super-Computer wurde Titan genannt und eine US-Trägerrakete. Als vorletzter Punkt der Liste taucht dann Oliver Kahn auf. Titan ist bekanntlich der Spitzname des langjährigen Bayern-Kapitäns.

Klickt man den Namen Oliver Kahn an, erscheinen die nächsten langen Listen. Erfolge, Titel und Auszeichnungen reichen bis zur Nominierung zur „Goldenen Henne“, einem Publikumspreis im Bereich Entertainment. Die Liste der Vereine, für die er einst das Tor bewachte, ist hingegen kurz. Nach seinem Stammverein Karlsruher SC steht da nur noch: FC Bayern.

Von 1994 bis 2008 hütete der „Titan“ das Münchner Tor, und so wie die Dinge liegen, könnte es bald eine neue Zeitrechnung geben, bei der der FC Bayern und seine langjährige Nummer 1 wieder für eine gefühlte Ewigkeit verknüpft werden. Seit der Jahreshauptversammlung in der letzten Woche wird Kahns Name auch von den aktuellen Bossen als Nachfolge-Kandidat gehandelt. Sepp Maier, zu aktiven Zeiten stets an der Seite des heute 49-Jährigen, sagte nun, er sei „wie der junge Uli Hoeneß“. Doch groß angelegte Recherchen sind derzeit im Grunde verfrüht. Eigentlich zählt nur eine Frage: Wie lange hält sich Titan auf einer Warmhalteplatte? 

Wann und in welchem Aggregatzustand die eine oder andere Personalie in der Führungsetage am Ende der Öffentlichkeit serviert wird, ist seit Uli Hoeneß’ Aussage, sich Kahn in nächster Zeit warmhalten zu wollen, in der Öffentlichkeit ein großes Thema geworden. Hoeneß’ Aussagen werden aktuell nur zu gerne gedreht und gewendet, in diesem Fall wollte der Präsident schlicht eine Abkühlung der Gemüter empfehlen. Im Februar wird sich der Aufsichtsrat mit der Personalie Kahn befassen; doch es wird dauern, ehe sie konkret wird. Es sind nämlich schon ein paar Fragen mehr offen als nur die eine mit dem Titan auf der Warmhalteplatte.

Kahn ist noch eine Weile anderen Geschäften und Partnern verpflichtet. Beim ZDF läuft sein Vertrag als TV-Experte bis zur EM 2020, wobei er aussteigen könnte und der Sender um seine Neigung weiß, dass er mal beim FC Bayern einen Posten einnehmen möchte. Zudem hat er 2016 die Firma „Goalplay“ gegründet, die mittlerweile 30 Mitarbeiter umfasst. Kahn ist in diversen Werbespots zu sehen und hat eine Kooperation mit Saudi-Arabien – alles Angelegenheiten, die bei einem Einstieg an der Säbener Straße zumindest dahingehend geprüft werden müssen, ob sie kompatibel sind.

Bisher schließen die Bayern aus, dass Kahn zum Verein stößt, bevor der bisherige Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge aufhört. Dessen im nächsten Winter auslaufender Vertrag soll bis Weihnachten um zwei weitere Jahre verlängert werden. Im Anschluss daran Präsident zu werden, ist für den 63-Jährigen kein Thema: „Ich habe meiner Frau in Aussicht gestellt, irgendwann mal mehr Zeit für die Familie zu haben. Ich habe schließlich fünf Kinder und bin auch schon drei Mal Großvater.“ In seinem Umfeld wird bestätigt: So liebevoll, wie Rummenigge mit seinen Enkeln umgeht, genießt er bereits jetzt jede Sekunde mit ihnen.

Kahns exakte Position im künftigen Führungszirkel der Bayern ist aktuell völlig offen, und vielversprechend erscheint vielen die Idee, ihn im Verbund mit Gladbachs Manager Max Eberl zu installieren – wobei die Zukunft da völlig losgelöst von Hasan Salihamidzic zu betrachten sei, heißt es. Dass der Sportdirektor in seiner Abwesenheit von den Fans auf der Jahreshauptversammlung verspottet wurde, liegt daran, dass er bisher keine glückliche Figur abgegeben hat. „Wenn er ein Großer werden will, muss er da durch“, sagte Hoeneß, „das ist jetzt ein Stahlbad.“ Da würde es sicherlich nicht schaden, wenn Hasan Salihamidzic aus Titan wäre.

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