Kampfhahn folgt auf Papagei

München - Das Spiel gegen den SV Werder Bremen brachte ein erfreuliches Resultat für die Bayern. Hängen blieb aber ein unerfreuliches Bild: die Auseinandersetzung zwischen Robben und Müller.

Der FC Bayern hat ein offizielles Tier-Maskottchen, es ist Berni, der Bär, eingeführt im Sommer 2004. Doch ein anderes Tier hat ihn verdrängt, durch eine einzige Bemerkung des Trainers machte es Karriere: der Papagei. Die Töne seiner diversen Kritiker nannte Louis van Gaal am Tag vor dem Spiel in Bremen „Papageien-Musik“, die verstummen würde, „wenn wir gewinnen“. Nun, in Bremen siegten die Bayern 3:1, auf eine zumindest in Sachen Entschlossenheit beeindruckende Weise. Würde Louis van Gaal eine Botschaft richten wollen an die Papageien? Er lehnte galant ab: „Dann würde ich etwas wiederholen und wäre selbst ein Papagei.“

Hier geht Arjen Robben Thomas Müller an die Gurgel

Werder gegen Bayern: Die Noten für Robben & Co.

Werder gegen Bayern: Die Noten für Robben & Co.

Das Papageien-Bild hatte für die neue Variante der internen Zerwürfnisse gestanden, die der Trainer mit seiner eigenwilligen Art forciert, der Papagei hat das Zeug, zum Wappentier des FC Bayern zu werden - doch der 3:1-Erfolg in Bremen bietet den Beteiligten die Chance, die Lage entspannter zu gestalten. Denn einer noch drastischeren sportlichen Situation sind die Bayern entkommen, weil sie einen 0:1-Rückstand drehten. Sie bleiben drei Punkte vom Tabellenzweiten, von Leverkusen, entfernt. Mit sechs Zählern Abstand zu Bayer und 17 (statt weiterhin 14) auf Dortmund hätte ein Papageien-Konzert angehoben an der Säbener Straße in München.

So aber konnten sich die Bayern als glaubwürdiger Anwärter auf einen Champions League-Platz positionieren, der SV Werder war außerdem gar nicht schwach wie zuletzt, Trainer Thomas Schaaf meinte: „Diesmal haben wir was angeboten.“ Auch Louis van Gaal musste zugeben, „dass Bremen die ersten 20 Minuten besser war als wir“. Nach 14 Minuten hatte das Ecken-Verhältnis 4:0 für Bremen gelautet, die Bayern waren „sehr verteidigend“ (Trainer-Slang). Dass dann zwei Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit ausgerechnet der sperrige Werder-Abwehrchef Per Mertesacker das 1:0 machte (technisch einwandfrei ins lange Eck gezirkelt) war eine für die Münchner bittere Pointe.

Werder gegen Bayern: Die Noten für Robben & Co.

Werder gegen Bayern: Die Noten für Robben & Co.

Werder gegen Bayern: Die Noten für Robben & Co.

Arjen Robben, dem das 1:1 gelang, sagte, in der Nachbetrachtung sehe es wirklich so aus, „als ob wir dieses Gegentor gebraucht hätten, denn danach haben wir nach vorne gespielt“. Kapitän Philipp Lahm empfand es als „schön zu sehen, dass die Mannschaft intakt ist, dass sie weiter Fußball gespielt, schnell ausgeglichen hat und jede einzelne nicht mit einem Punkt nach Hause fahren, sondern gewinnen wollte“. Die Gegenpointe zu Mertesackers 1:0 war, dass Bayern-Stürmer Mario Gomez ihn zu einem Eigentor zwang (76.), das das Münchner 2:1 bedeutete.

Im Saisonverlauf hatte der FC Bayern in seinen Auswärtsspielen oft in der Schlussphase den Vorsprung aus der Hand gegeben (zuletzt geschehen vor zwei Wochen in Wolfsburg beim 1:1), in Bremen bestand die Gefahr nicht, der mit jeder Minute stärker werdende Thomas Müller servierte für den eingewechselten und wüst ausgepfiffenen Ex-Bremer Miroslav Klose noch das 3:1 (86.). Auf einen Heimsieg drei Auswärtspunkte folgen zu lassen, ist den Bayern in dieser Saison davor nur vom 16. auf den 17. Spieltag gelungen, zwei Erfolge fühlen sich noch nicht so sehr nach Serie an, doch aktuell rechnet Philipp Lahm noch das Pokal-4:0 beim Zweitligisten Aachen dazu - und schon sind die Bayern Seriensieger. Die Lage in der Liga erfordert auch, dass sie das sein müssen.

„Wir waren vor allem aggressiv“, strich Arjen Robben als positives Merkmal hervor. Wobei diese Selbstcharakterisierung auf den Holländer mehr zutraf als auf alle anderen. Robben bat, als er nach dem Spiel von der Erregungswelle wieder heruntergekommen war, „dass man aus dieser Sache keine große Geschichte macht“. Sie hatte mit dem Ausgang des Spiels nichts zu tun, sie fand ihren Höhepunkt erst, als bereits abgepfiffen war - doch sie lieferte die prägnantesten Bilder: Arjen Robben ging auf seinen Mitspieler Thomas Müller los, dafür zog er die weißen Handschuhe aus und führte die Rechte zu Müllers Gesicht. Die Kollegen Timoschtschuk und Gomez eilten herbei, um zu schlichten.

Aber was war der Anlass für Robbens Raufhändel? Der Niederländer war geladen. Auf dem Weg in die Pause hatte er Schweinsteiger angeschnauzt, an Müller missfiel ihm reklamierende und abwertende Gestik - vor allem, als er, Robben, einen Freistoß in die oberen Etagen des Weserstadions gedroschen hatte. „Ich hasse das, wenn Leute die Arme hochreißen, das ist nicht respektvoll“, erklärte er, „wir werden darüber noch reden“. Für Trainer Louis van Gaal, der die Szene nicht sah und nur geschildert bekam, war es landestypische Kultur der Auseinandersetzung: „In Holland ist es üblich, dass wir streiten und sagen, was uns nicht passt. Jeder Spieler hat eine Funktion, erfüllt er sie nicht, muss man ihn auf seine Verantwortung hinweisen - aber alles sollte mit Respekt geschehen.“ Nun, um Funktionen ging es bei Robben vs. Müller nicht. . .

Der Bayern-Zoo freut sich dafür über seine Erweiterung: Nach Bär Berni und dem Papagei sind nun auch die Kampfhähne eingezogen.

Auch interessant

Kommentare