Kevin Vogt und die TSG Hoffenheim konnten die jüngsten beiden Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern für sich entscheiden
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Kevin Vogt und die TSG Hoffenheim konnten die jüngsten beiden Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern für sich entscheiden.

Interview mit Kevin Vogt

FCB-Angstgegner Hoffenheim? „Nagelsmann lässt sich wieder etwas einfallen“

  • Manuel Bonke
    vonManuel Bonke
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1899 Hoffenheim konnte die jüngsten beiden Vergleiche gegen Bayern gewinnen. Kevin Vogt spricht über das Erfolgsrezept, Julian Nagelsmann und die personelle Schwächung der TSG durch den nächsten Gegner.

Herr Vogt, wie fühlt es sich an, als Bayern-Schreck nach München zu kommen? Immerhin hat die TSG Hoffenheim die letzten beiden Spiele gegen den FCB gewonnen.

Vogt: Dass wir so genannt werden, bleibt nicht aus – es gibt schlimmeres (lacht). Natürlich haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir gegen die Bayern bestehen und sie auch schlagen können. Das ändert für uns aber nichts daran, dass wir um die Schwere der Aufgabe wissen. Du brauchst einen Sahnetag um in München zu gewinnen.

Wie will die TSG den FC Bayern dieses Mal knacken?

Vogt: Unser Trainerteam lässt sich da schon immer etwas einfallen. Wir wissen, was uns erwartet und werden mit Sicherheit die eine oder andere Idee mit aufs Feld nehmen.

Was für die vergangenen beiden Siege ausschlaggebend?

Vogt: Es war eine Mischung aus taktischer Disziplin und Kampf. Natürlich musst du eine gute Laufleistung an den Tag legen und kämpferisch alles geben. Wir wollen aber auch Fußball spielen, was auch absolut notwendig ist, um den Bayern Paroli bieten zu können. Nur hinten reinstellen? Das ist weder unser Anspruch, noch würde es unserer Handschrift entsprechen.

In der Rückrunde ist die Handschrift bisher noch nicht so zu erkennen. Warum?

Vogt: In beiden Spielen haben wir es verpasst, konsequent vorm Tor zu sein. Chancen und Umschaltmomente sind ja vorhanden. Wir müssen unsere Möglichkeiten aber effektiver ausspielen und vor allem besser verwerten, um erfolgreicher zu sein und auch wieder in andere Tabellenregionen vorzustoßen. Deshalb gilt es, weniger von unseren Ansprüchen zu erzählen, als sie vielmehr auf dem Platz umzusetzen.

Als Ihr persönliches Ziel haben Sie die erneute Qualifikation für den Europa-Pokal zu schaffen. Die Erwartungen schon runter geschraubt?

Vogt: Sie haben es richtig gesagt: Mein persönliches Ziel ist es, international zu spielen. Das ist der permanente Anspruch an mich selbst. Natürlich müssen wir als Team dafür die dementsprechenden Ergebnisse einfahren. Die Leistungsdichte in der Saison ist wieder höher, da reicht ein Blick auf die Tabelle. Mannschaften, die vergangenes Jahr etwas geschwächelt haben, sind wieder da. Darum ist es nicht leichter geworden. Fakt ist, wir haben noch Luft nach oben.

Apropos schwächeln: Sind die Bayern wirklich so stark oder ist die Konkurrenz einfach zu schwach?

Vogt: Ein Mix aus beidem! Die Dominanz der Bayern ist unumstritten. Darüber brauche ich nicht viel zu philosophieren. Zwischen Platz zwei und Platz zehn beträgt die Differenz gerade mal vier Zähler. Diese Mannschaften – uns eingenommen - haben im Verlauf der Saison zu viel liegengelassen oder sich gegenseitig die Punkte genommen.

Die Bayern haben Hoffenheim auch ordentlich geschwächt: Allein im letzten halben Jahr sind mit Niklas Süle, Sebastian Rudy und Sandro Wagner gleich drei TSG-Leistungsträger nach München gewechselt. Sauer?

Vogt: Zu 0,0 Prozent bin ich da sauer oder angefressen! Das ist eben das Geschäft. Die Jungs haben außergewöhnlich gute Leistungen gebracht und dann wird ein großer Verein wie der FC Bayern halt aufmerksam. Ich gönne es den beiden, mittlerweile sogar den dreien, von Herzen, dass sie bei einem der größten Klubs in Europa spielen dürfen. Das haben sie sich erarbeitet.

Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen Hoffenheim und dem FC Bayern Anfang September ging es ordentlich zur Sache.

Serge Gnabry verabschiedet sich im Sommer laut FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge ebenfalls nach München. Was ist er für ein Typ?

Vogt: Serge ist im Umgang total pflegeleicht. Er ist sehr ehrgeizig, sehr fleißig und hat das Herz am rechten Fleck. Leider war der Junge lange verletzt. Seitdem er wieder dabei ist, tut er neben dem normalen Training noch mehr dafür, dass er fit und gesund bleibt. Wenn er es schafft, seine hohe individuelle Qualität Woche für Woche auf den Rasen zu bringen, ist er eine enorme Stütze für die ganze Mannschaft.

Kann der Verein so viele Abgänge von Leistungsträgern kompensieren?

Vogt: Dass wir dazu in der Lage sind, hat man in den vergangenen Jahren doch bereits gesehen – auch wenn es immer eine Herausforderung ist. Wir haben das gut mit jungen Spielern kompensiert und im vergangenen Jahr die beste Saison der Vereinsgeschichte gespielt. Wie viele Spiele Stefan Posch (20) oder Kevin Akpoguma (22) schon gemacht haben, oder dass sich ein Dennis Geiger (26) auf der Sechs festgesetzt hat, hätten doch die wenigsten vor der Saison erwartet. Diesen Weg geht Hoffenheim seit mehreren Jahren eben und das auch sehr erfolgreich.

Da hat Julian Nagelsmann wohl einen großen Anteil daran.

Vogt: Ich brauche für Julian keine Werbung zu machen. Seine Arbeit ist Werbung genug für ihn. Fußballerisch ist er ein Fachmann auf höchstem Niveau und ich habe das Gefühl, er macht die Spieler besser. Außerdem ist Julian einfach authentisch. Seine Tür steht immer offen und er hat immer ein offenes Ohr, auch für andere Meinungen. Deshalb ist seine positive Wahrnehmung aus meiner Sicht gerechtfertig.

Können die Spieler die Wechsel-Gerüchte um seine Person ausblenden?

Vogt: Das schaffen wir hier schon ganz gut. Es ist ja auch egal was er sagt und wie oft er es sagt - das Thema wird hauptsächlich von außen hereingetragen, intern herrscht diesbezüglich absolute Ruhe. Das ist auch gut so und wird sich nicht ändern.

Interview: Manuel Bonke

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