Muss im Sommer gehen: Thomas Wörle
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Muss im Sommer gehen: Thomas Wörle

Kommentar: Trainer-Wechsel bei Bayern

Fluch und Segenin der Nische

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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Das Desinteresse am deutschen Frauen-Fußball macht nicht einmal vor dem FC Bayern Halt. Dabei hätte das Team mehr Aufmerksamkeit verdient. Die Hoffnungen ruhen auf der DFB-Auswahl und der deutschen Nationalmannschaft.

Trainer-Wechsel beim FC Bayern – und keine, mit Verlaub, Sau interessiert es. Es ist so kurios wie aussagekräftig, was in den letzten Wochen passiert ist. Im Oktober hatten die Münchner verkündet, sich nach der Saison von ihrem Coach zu trennen – nach neun Jahren. Der Nachfolger blieb Geheimsache. Solche Nachrichten würden Schlagzeilen verursachen, die die Welt umkreisen. Deutschlandweit würden sich Heerscharen von Reportern auf die Jagd nach Hintergründen und Neuigkeiten machen, es gäbe eine Großfahndung nach dem neuen Mann, und Kommentatoren in sämtlichen Medien würden sich in Erklärungsversuchen überbieten. Doch diesmal nicht. Mürrisch wurde hier und da in einer Zeitungsspalte eine Meldung freigeschaufelt. Warum? Es geht ja nur um Frauen-Fußball. Was in den letzten Wochen bei Bayern passierte, zeigt Fluch und Segen einer Nische.

Dass Trainer Thomas Wörle nach neun Jahren beachtlicher Arbeit im kommenden Sommer gehen muss, ist bisher nur Insidern – manche werden hier sagen: Freaks – bekannt. Dass Jens Scheuer, aktuell SC Freiburg, übernimmt, ebenfalls. Die Szene ist denkbar klein. Schlagzeilen? Fehlanzeige. Das erleichtert den Protagonisten die Arbeit – und ist dennoch auch ein Ärgernis für sie. Denn Protagonisten brauchen eine Bühne. Sie brauchen sogar Schlagzeilen. Aber der Frauenfußball steht im Abseits.

Der Zuschauerschnitt beim FC Bayern unterstreicht das überdeutlich. Er ist ein Jammer – vor allem vor dem Hintergrund, dass die Münchner seit Jahren um den Titel kämpfen und mit Nationalspielerinnen gespickt sind, das Gros davon Führungsfiguren der DFB-Auswahl. Kapitänin Melanie Leupolz und Kolleginnen hätten mehr Interesse verdient, doch der Zuschauerschnitt hat sich verlässlich auf enttäuschendem Niveau eingependelt.

Die Hoffnungen auf einen Anstieg des Interesses ruhen auf der Frauen-WM im kommenden Sommer. Und auf der deutschen Nationalelf, die mit ihrem Straucheln in den letzten Jahren große Schuld am Liebesentzug der Deutschen trägt. Dringender denn je braucht der hiesige Frauenfußball positive Schlagzeilen. Es ist bereits besorgniserregend beschaulich in dieser Nische, was gewiss kein Segen ist. Sondern eindeutig zum Fluch wird.

andreas.werner@merkur.de

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