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Breno sitzt in Haft

Kommentar: Kein Justizskandal

München - Günter Klein, Redakteur des Münchner Merkur, kommentiert den Fall Breno - und nennt die Profilierungs-Vorwürfe, die Uli Hoeneß der Münchner Staatsanwaltschaft macht, "unangebracht".

Nein, es war keine Show-Verhaftung. Es war nicht so wie etwa beim damaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel. Diesen, der Steuerhinterziehung verdächtig, führte die Bochumer Staatsanwaltschaft 2008 aus seiner Villa ab, nachdem sie die Fernsehsender vor die Tür einbestellt hatte. Davon, wie der FC Bayern-Spieler Breno in Stadelheim eingeliefert wurde, gibt es keine TV-Bilder. Es existiert kein demütigendes Material vom Fußballstar in Handschellen und keine Überlieferung der krimitypischen Szene, wie die Polizei den Kopf des Arrestierten beim Besteigen des Streifenwagens nach unten drückt.

Die Profilierungs-Vorwürfe, die FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß der Münchner Staatsanwaltschaft macht, sind unangebracht. Es gibt offensichtlich gute Gründe, Breno in Untersuchungshaft zu nehmen – weil man mit jedem so verfahren müsste, der im Verdacht steht, (s)ein Haus angezündet und Menschen gefährdet zu haben. Von „Gute Nacht, Deutschland“ müsste man eher sprechen, wenn sich die Staatsanwaltschaft auf einen Deal mit dem FC Bayern eingelassen hätte. Breno ist ein erwachsener Mensch, der sein Handeln alleine zu verantworten hat. Sein Arbeitgeber kann ihm zur Seite stehen – doch wenn er es unter Einsatz seines guten Namens, seiner Popularität, seines Gewichts tut, geht das in Richtung Einflussnahme, Beanspruchung von Privilegien und eben doch Prominenten-Bonus.

Es ist kein Justizskandal, der sich um Breno abspielt. Es ist vor allem eine sehr traurige Geschichte, die zeigt, dass Profifußball keine Glitzer- und Märchen-, sondern kalte Berufswelt ist. Gemessen an seiner Größe ist der FC Bayern sicherlich ein familiärer Betrieb geblieben, in der gerade eine Figur wie Uli Hoeneß für Menschlichkeit im Business steht – doch ebenso offensichtlich ist, dass im Fall Breno die Fürsorge-Systeme im Verein versagt haben müssen. Wie sich die Lage darstellt, war Breno weitgehend isoliert im Betrieb FC Bayern, man hat nichts bemerkt von den Nöten des Brasilianers im privaten, finanziellen und psychischen Bereich – oder zumindest hat man unterschätzt, welches Maß an Aufmerksamkeit er benötigen würde. Nun, im Moment höchster Not, funktioniert der FC Bayern als Wagenburg – um eine Karriere noch zu retten, vielleicht aber schon zu spät.

Günter Klein

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