Zurück an alter Wirkungsstätte: Uli Hoeneß bei der Jahreshauptversammlung am Freitag.
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Zurück an alter Wirkungsstätte: Uli Hoeneß bei der Jahreshauptversammlung am Freitag.

Merkur-Kommentar

Hoeneß zurück – der Ton verschärft sich

  • VonHanna Raif
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München - Uli Hoeneß zeigt gleich zum Start als Präsident, dass er bei bestimmten Themen ganz der Alte geblieben ist. Sein Tonfall gegen Leipzig ist ein Hinweis auf die Zukunft. Ein Kommentar.

Wie heißt es so schön: der Ton macht die Musik. Und beim FC Bayern ist dieser seit Freitagabend 22.18 Uhr nicht mehr ganz so harmonisch und unisono wie in den letzten Jahren, sondern wieder etwas schriller. Denn auch wenn Uli Hoeneß sich in den Wochen vor seiner Rückkehr einen Start ohne Paukenschlag vorgenommen hat, hat man an diesem, seinem ersten Wochenende als wiedergewählter Präsident des FC Bayern gesehen, dass es ab jetzt an der Säbener Straße wieder anders zugeht. Manch einen nervt das, ein größerer Teil findet es gut. So oder so: Für den Unterhaltungsfaktor der Bundesliga ist es nicht schädlich. Unikat bleibt Unikat.

Hoeneß kam, sprach – und teilte aus. Eine Überraschung war es nicht, dass das erste Opfer RB Leipzig hieß. Dass der Tabellenführer von Hoeneß aber gleich als „Feind“ bezeichnet wurde, ließ das Auditorium bei der Jahreshauptversammlung kurzzeitig aufschrecken. Natürlich waren es Worte im Affekt, Hoeneß war euphorisiert, voller Adrenalin, und er entschuldigte sich am Tag danach ja auch brav. Das ändert aber nichts daran, dass man nun weiß, was in ihm vorgeht. Dieser Neu-Bundesligist aus dem Osten der Republik mag kein echter „Feind“ sein – aber er ist auch nicht nur ein „Rivale“ (wie vom weniger euphorischen Hoeneß am Samstag gesagt).

Man hat sich die Entwicklung von RB in den letzten Monaten in München gelassen angesehen. Nun aber, da sich herauskristallisiert,

Hanna Raif

dass die Flügel, die Dietrich Mateschitz dem Klub verliehen hat, einen nicht enden wollenden Höhenflug ausgelöst haben, muss man den Widersacher neu bewerten. Es passt gut, dass ausgerechnet jetzt Hoeneß wieder da ist. Denn obwohl Rummenigge erst vor zwei Wochen im Bayern-Magazin ein Loblied auf Retorten-Klubs wie Hoffenheim und Leipzig gesungen hat („Was daran verwerflich sein soll, erschließt sich mir nicht“), haben die Bayern nun jemanden, der Spitzen setzen kann. Hoeneß ist beim Thema Leipzig unverbrannt.

Der neue und alte Bayern-Präsident wird dosiert aber bewusst vorgehen. Die Arbeit, die Leipzig macht, lobt er; die Herausforderung, die sich als Jäger bietet, stellt er als positiv heraus. Das alles ändert aber nichts daran, dass Bayern nicht gerne nur die zweite Geige spielt. Man muss kein Wahrsager sein, um zu wissen: Der Ton – er wird noch schriller werden.

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