Getroffen: Uli Hoeneß bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern.
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Getroffen: Uli Hoeneß bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern.

Kommentar: Buhrufe gegen Uli Hoeneß

Liebe beim FC Bayern in Zeiten der Scheinheiligkeit

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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Das Volk muckt auf - Uli Hoeneß muss sich hinterfragen, wie er den FC Bayern in Zukunft führen möchte. Doch auch die Fans sollten sich Gedanken, warum es angeblich zu einer Entfremdung kam. Die Gefahr, manipuliert zu werden, ist heutzutage groß. Kommentar.

Als Uli Hoeneß nach der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von ein paar Fans im Rollstuhl um ein Erinnerungsfoto gebeten wurde, sagte der Präsident natürlich zu. Doch selbst für das Foto lächelte er nicht. Was für ein Motiv war da entstanden: Eine Momentaufnahme? Oder eines für die Ewigkeit? Die Buhrufe gegen ihn am Ende der Versammlung hatten ihn gekränkt. Sehr.

Liebesentzug an der Basis, das schmerzt ihn mehr als jeden anderen, galt er doch immer als Mann des Volkes. Wie ist der Eindruck entstanden, dass es ausgerechnet bei ihm zu einer Entfremdung kam? Die legendäre katastrophale Pressekonferenz trug dazu bei. Doch auch die Macht der Medien hat viel Kraft entwickelt. In der heutigen Zeit regiert die schnelle Schlagzeile. Aber wer Dinge nicht hinterfragt, läuft Gefahr, manipuliert zu werden.

Gewiss eckt Hoeneß gelegentlich mit Kraftausdrücken an, sein Führungsstil verträgt ein Update, etwas mehr Souveränität bei Kritik schadet nicht – und ewig darf er nicht mehr an seinem Stuhl kleben. Die Fans des FC Bayern sollten sich aber auch fragen, was sie wollen. Der 66-Jährige wurde wegen seiner offenen Worte (und auch wegen seines offenen Visiers) stets geschätzt, und Meinungsmacher werden im Fußball zusehends rarer. Eine subtilere Wortwahl wäre sicher angemessener, aber die Kritik an Hoeneß’ flapsigen Bemerkungen trägt oft auch mal heuchlerische Züge. Er möchte authentisch sein, duckt sich bei heiklen Themen nicht weg. So war er immer. Nur wird er nun dafür regelmäßig abgewatscht.

FC Bayern: Der Wendepunkt, als der Ton gegen Hoeneß rauer wurde

Wer sich die Mühe macht, durchschaut die Hintergründe. Seitdem Uli Hoeneß nur noch selten Interviews gibt, ist der Ton gegen ihn rau. Diese Spirale drehte sich immer weiter, und ein gutes Beispiel ist die jüngste Instrumentalisierung von Paul Breitner. Es passte, dass nur wenige Tage vor der Jahreshauptversammlung lanciert wurde, der Ehrenspielführer solle sich der VIP-Loge fernhalten. Vor gut sechs Wochen, als das Telefonat stattgefunden hatte, wären die Wellen viel zu schnell wieder abgeebbt, um am Freitag thematisiert werden zu können.

Hoeneß ist in einer undankbaren Lage. Er wurde als Sündenbock für alles ausgemacht. Ob das fair ist? Erfolge, gute Entscheidungen und wenig Angriffsfläche zu bieten, nur das wird ihm in nächster Zeit helfen – kurios, da sein Lebenswerk es verdient, auf einem festeren Fundament zu stehen. Kommendes Jahr sind Präsidiumswahlen. Dann entstehen Motive, die die Zeiten überdauern. Wenn Hoeneß einmal geht, wird der FC Bayern ein anderer Club. Ein besserer als in den Jahrzehnten mit ihm?

andreas.werner@merkur.de

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