Erste Niederlage: Carlo Ancelotti
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Erste Niederlage: Carlo Ancelotti

Kommentar zur Pleite des FC Bayern in Madrid

Zu Ancelottis Vorteil

  • Hanna Raif
    vonHanna Raif
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Der Schluss, dass der FC Bayern nicht um Europas Krone mitspielen kann, ist überzogen. Es war nur ein Spiel. Heynckes verlor auch in der Gruppenphase. 

Was muss sich ein Jupp Heynckes denken, wenn er aus dem beschaulichen Schwalmtal beobachtet, was da mit seinen Nachfolgern in München veranstaltet wird? Mit Pep Guardiola fing alles an. Als der Spanier verpflichtet wurde, hatte man das Gefühl, da komme ein Außerirdischer nach München. Ein Alleskönner, einer, der nichts falsch machen kann und ohnehin über jeden Zweifel erhaben ist. Und auch Carlo Ancelottis Lebensgeschichte wurde öffentlich schon vor seinem Amtsantritt derart seziert, als sei ein neues Staatsoberhaupt im Anflug.

Zur Erinnerung: Es handelte sich in beiden Fällen nur um den Trainer des FC Bayern. Und dass nach Guardiola, der nicht wenige aufgrund zu hoher Erwartungen im Vorfeld enttäuscht hat, auch Ancelotti kein Galaktischer, sondern ein ganz normaler Mensch ist, weiß man nun seit Mittwoch. Auch er kann mal scheitern. Für den Italiener und den FC Bayern ist das gar nicht mal schlecht.

Die Kunst, aus Niederlagen Gutes zu ziehen, muss gelernt sein. Wenn es aber eines gibt, das den Bayern nach dem 0:1 bei Atletico Madrid wirklich helfen kann, dann ist es die Botschaft, die in alle Welt gesendet wurde. Ja! Auch die Bayern – und Carlo Ancelotti – können mal verlieren! Das verschafft zunächst etwas Unruhe, dann aber auch schnell mehr Ruhe. Rekorde müssen nicht mehr gebrochen werden, das Wort „unschlagbar“ ist aus dem Wortschatz gestrichen, Ancelotti ist nicht schon ein Held, bevor es richtig los geht, nur weil er das „Spanien-Trauma“ besiegt hat. Daraus aber müssen alle Beteiligten nun ihre Lehren ziehen.

Die Mannschaft hat gemerkt, dass sie nicht unantastbar ist und – bis die wichtigen Spiele kommen – noch viel Arbeit vor ihr liegt. Diese Pleite ist also ein durchaus effektives Mittel gegen Sättigung, Zufriedenheit und Lethargie. Ancelotti hilft zudem in der täglichen Arbeit, dass die offenbarten Fehler von einzelnen Spielern den Konkurrenzkampf latent spannend halten. 29,3 Jahre alt war die Bayern-Mannschaft am Mittwoch im Schnitt, so alt wie zuletzt vor acht Jahren. Auf der Bank aber sitzen Spieler wie Joshua Kimmich, Kingsley Coman, Renato Sanches und bald wieder Douglas´Costa. Jungs, die noch nicht alle das Format für derart große Spiele haben. Trotzdem müssen sie herangeführt werden.

Der Schluss, dass die Bayern nicht um Europas Krone mitspielen können, ist vollkommen überzogen. Nicht durchdrehen, ganz ruhig bleiben: Das gilt auch an dieser Stelle. Es war nur eine Niederlage. Eine, die wurmt und ein bisschen wehtut. Aber auch Heynckes hat in der Gruppenphase mal verloren. Prominentes Beispiel: 1:3 bei BATE Borissow. Keine acht Monate später stemmte er den Henkelpott in die Höhe. Erst da wurde er: Galaktisch.

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