Mittelfeldmann im Fokus

Kroos: Manchester will ihn, Bayern braucht ihn

Manchester will ihn, Bayern braucht ihn: Nationalspieler nach Thiagos Ausfall im Fokus. Manchester – Toni Kroos ist trotz seiner schlappen 24 Jahre schon ein alter Hase, was seinen Beruf angeht.

Er gehört seit einer gefühlten Ewigkeit zum Profikader des FC Bayern, wie bewandert er in allen Abläufen des Triplesiegers ist, zeigte sich auch gestern am Flughafen von München in jedem Detail: Er begrüßte das Personal, das beim Check-In die Reisedokumente aushändigte, plauderte mit ihm ein wenig. Und bei der Passkontrolle fand er routiniert eine Lücke, um unnötiges Schlangestehen zu umgehen.

Der Mann hat beim FC Bayern schon vieles, eigentlich alles erlebt, was ein Profifußballer erleben kann. Er wurde nach dem verlorenen Finale der Champions League 2012 in München als einer der Sündenböcke geschmäht, weil er als Elfmeterschütze kniff, das war der Tiefpunkt. Er war aber auch bei den fünf Titeln im Jahr 2013 eine prägende Figur – auch wenn er bei Champions-League- und Pokalfinale verletzt fehlte.

Die Frage ist: Will sich dieser Mann beruflich verändern, sucht er eine neue Herausforderung? Manchester United, Gegner heute Abend in der Königsklasse (20.45 Uhr MESZ), will den Mittelfeldmann. Er wird im „Old Trafford“ im Fokus stehen. Die Situation ist seit Samstag noch um eine kuriose Komponente reicher geworden: Nach dem Ausfall von Thiago ist in der Schaltzentrale wieder eine Planstelle frei, Kroos, der gegen Hoffenheim von Pep Guardiola geschont wurde, dürfte diese Lücke nun wieder füllen.

Manchester will ihn, Bayern braucht ihn – anders ausgedrückt könnte man sagen: Kroos oder nix. Seit Guardiolas massiver Kaufempfehlung bezüglich seines Landsmanns („Thiago oder nix“) gehört dieser Satz zum Sprachgebrauch in München. Kroos oder nix lautet also nun das Motto, denn die Bayern haben zwar in Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm Alternativen, doch ihr junger Kollege gilt als der, der die Ballstafetten seines Trainers an vorderster Front am elegantesten umsetzen kann – sofern er will.

Denn auch das ist eine Geschichte, die zum Thema Kroos gehört: der Hang zum Phlegma. Heute kann er bei gesteigerter Aufmerksamkeit beweisen, dass ihm oft zu Unrecht unterstellt wird, bei Spielen, in denen es drauf ankommt, abzutauchen. Er selbst spielt die Spekulationen um seine Person herunter. Dass ihn ManU-Coach David Moyes seit längerem beobachten lasse, spiele für das Duell „keine Rolle“, versicherte er, „ich fliege nach Manchester und habe nur im Kopf, dass wir uns für das Halbfinale qualifizieren“. Erfolgsorientiertes Denken könnte ein Indiz dafür sein, wo er in Zukunft Lücken sucht. Während die Münchner nächste Saison sicher wieder in Europas Elite mitmischen, droht Manchester United als Siebter der Premier League akut das Verpassen des internationalen Geschäfts, einschließlich der Europa League, und ein Jahr kann in der ältesten Industriestadt der Welt sehr lang werden, wenn man nicht so häufig spielt, wie man es gewohnt ist. Der Freizeitwert von Manchester hält sich in Grenzen.

„Toni Kroos wird gesichert nächste Saison für den FC Bayern spielen“, stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gestern klar, „darüber hinaus ist es unser Wille, dass er auch nach dem 30. Juni 2015 noch unser Trikot trägt.“ Die Vertragsgespräche ruhen bis zum Sommer. Ob ihn die englische Küche reize, wurde Toni Kroos vor dem Abflug gefragt. „Wir haben unsere eigene dabei“, sagte er. Das „Gottseidank“ konnte man sich dazudenken. Der Mann weiß schon, was er am FC Bayern hat.

Andreas Werner

Bayern und ManU: Bilder von Training und PKs

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Rubriklistenbild: © dpa

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