Eine Fanvereinigung des FC Bayern wandte sich an sich an den Staat Katar.
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Eine Fanvereinigung des FC Bayern wandte sich an sich an den Staat Katar.

Choreo für BVB-Spiel geplant

Kurios: Bayern-Fans schreiben offenen Brief an die Botschaft von Katar

  • Florian Schimak
    vonFlorian Schimak
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Die FC Bayern-Fanvereinigung „Club Nr. 12“ hat sich unter kuriosen Umständen an die Botschaft von Katars gewandt. Grund: Ein geplantes Banner.

München - Ob man solch ein Schreiben in der Botschaft des Staates Katar schon einmal erhalten hat, darf durchaus bezweifelt werden. Die FC Bayern-Fanvereinigung „Club Nr. 12 e.V.“ hat sich mit einem offenen Brief an die katarische Botschaft in Berlin gewandt und um die Freigabe eines geplanten Banners für die Partie gegen Borussia Dortmund im Achtelfinale des DFB-Pokals am kommenden Mittwoch gebeten. 

Der Hintergrund dieser Bitte ist durchaus kurios: Vor dem Champions-League-Spiel gegen Paris St.-Germain hatte die Fanvereinigung ein Spruchband mit der Aufschrift „@UEFA: FÜR WIEVIEL MIO. KANN MAN SICH VOM FINANCIAL FAIRPLAY FREIKAUFEN?“ geplant und auch vom FC Bayern die Genehmigung erhalten, diese während des Spiels auszurollen. 

Leitete die UEFA den Inhalt an PSG weiter?

Der FC Bayern informierte die UEFA, dass ein solcher Banner geplant sei, woraufhin diese angeblich den Inhalt des Spruchbandes an PSG weitergegeben wurde. 

Kurz vor dem Anpfiff nahm der FC Bayern sein O.k. daraufhin wieder zurück und verweigerte den Einlass mit dem Spruchband, weil dieses möglicherweise die „gute Beziehung zu Paris St.-Germain“ gefährden würde. 

Dies stieß den Anhängern des Rekordmeisters sauer auf, weil sie sich in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt fühlen. Daher plant die Fanvereinigung nun im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den BVB ein Spruchband mit dem Inhalt „FÜR MEINUNGSFREIHEIT! IN DER SÜDKURVE, IN NYON, IN DOHA, ÜBERALL!“ und fragte in einem offenen Brief bei der katarischen Botschaft an, ob der Staat ein Problem mit dieser öffentlichen Botschaft habe. 

Der offene Brief des Club Nr.12 e.V. im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Botschafter, 

folgendes Anliegen mag Ihnen zunächst befremdlich vorkommen, wir dürfen Ihnen aber versichern, dass wir es durchaus ernst meinen: Der Club Nr. 12 ist die unabhängige und überregionale Vereinigung aktiver FC Bayern-Fans und bittet Sie hiermit um die Zustimmung für ein geplantes Spruchband, das wir während des Spiels des FC Bayern gegen Borussia Dortmund am 20.12.2017 in der Südkurve der Münchner Fußballarena präsentieren wollen. 

Wir erlauben uns, Ihnen so kurz wie möglich den Hintergrund unserer Anfrage zu erläutern: 

Der Vorstand der Club Nr.12 e.V. ist der festen Überzeugung, dass funktionierende Financial Fairplay-Regeln ein wichtiger Baustein sind, um nachhaltiges Wirtschaften im europäischen Fußball sicherzustellen. Mit der Vereinsführung des FC Bayern stimmen wir deshalb überein, dass das von der UEFA angewandte Regelwerk dringend reformiert werden muss. Aus unserer Sicht ist es z.B. nicht zielführend, die Vereine, die gegen das Financial Fairplay verstoßen, mit Geldstrafen zu belegen. 

Für das Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Paris St. Germain vor wenigen Tagen hat der Club Nr. 12 ein Spruchband vorbereitet mit der Aufschrift: 

"@UEFA: FÜR WIEVIEL MIO. KANN MAN SICH VOM FINANCIAL FAIRPLAY FREIKAUFEN?"

Das Spruchband wurde bei der Vereinsführung des FC Bayern angemeldet, die uns daraufhin die Erlaubnis für die Präsentation während des Spiels erteilte. Dabei hat die Vereinsführung durchaus das Risiko berücksichtigt, dass die traditionell überempfindliche UEFA-Administration das Spruchband als Kritik verstehen und mit einer Strafe für den FC Bayern sanktionieren könnte. Am Vorabend des Spiels wurde der UEFA-Delegation das Spruchband durch den FC Bayern angekündigt. Der UEFA-Delegierte kündigte daraufhin an, er werde das Spruchband in seinen Spielberichtsbogen aufnehmen. Dies kann man als Signal werten, dass eine Strafe durch die UEFA ausgesprochen wird. Die Vereinsführung hat uns am selben Abend noch einmal bestätigt, dass man dieses Risiko eingehen wird und das Spruchband ausdrücklich erlaubt ist. 

Im Laufe des Spieltags kam es jedoch zu einem Stimmungsumschwung beim FC Bayern und wenige Stunden vor dem Spiel wurde der Club Nr. 12 gebeten, auf die Präsentation des Spruchbands zu verzichten. Dieser Bitte wollten wir nicht entsprechen. Daraufhin wurde das Spruchband von der Vereinsführung des FC Bayern verboten und der Einlass ins Stadion mit dem Spruchband verwehrt. Als Begründung wurde uns mitgeteilt, dass man mit dem Spruchband die Verantwortlichen von Paris St. Germain verärgern könnte und dies zu vermeiden sei, da man an guten Beziehungen zu Paris St. Germain interessiert ist.

Zusätzlich erreichten uns allerdings Gerüchte und vage Andeutungen, dass der Inhalt des Spruchbands von der UEFA an Paris St. Germain weitergegeben wurde. Von dort wurde diese Information angeblich erneut weitergereicht, so dass daraufhin die katarische Botschaft tätig wurde. 

Diese setzte sich, so das Gerücht, mit der Vereinsführung des FC Bayern in Verbindung und soll - angeblich - damit gedroht haben, dass die Präsentation des Spruchbands durch die Bayern-Fans zu einer spürbaren Verschlechterung der Beziehungen zwischen Katar und dem FC Bayern führen könnte. 

Aus wirtschaftlicher Sicht wäre dies natürlich ein viel größeres Risiko für die FC Bayern München AG als die Möglichkeit einer vier- oder fünfstelligen UEFA-Strafe. Vermutlich gibt es nicht so viele andere Flughäfen auf der Welt, die es sich - wie der Hamad International Airport - leisten möchten, mehrere Millionen Euro pro Jahr für Imagewerbung auf Trikotärmeln einer Fußballmannschaft auszugeben. 

Sollten Sie nun verwundert den Kopf schütteln, da niemand in der Botschaft jemals von dem geplanten Spruchband gehört hat, möchten wir uns für die entstandenen Umstände entschuldigen und wären Ihnen für eine kurze Antwort sehr dankbar, damit wir uns dafür einsetzen können, dass dieses – in diesem Fall haltlose - Gerücht nicht weiterverbreitet wird. 

Sollten Sie oder einer Ihrer Mitarbeiter allerdings tatsächlich beim FC Bayern interveniert haben, würden uns die Hintergründe sehr interessieren, da sich uns nicht erschließt, inwieweit der katarische Staat durch unser Spruchband betroffen ist.

Meinungsfreiheit zählt aus Sicht des Vorstands des Club Nr.12 absolut zum Wertekanon im europäischen Fußball. Unseren Standpunkt planen wir erneut mit einem Spruchband bei einem Heimspiel des FC Bayern zu unterstreichen. Für das Pokalspiel des FC Bayern gegen Borussia Dortmund beabsichtigen wir deshalb ein großes Transparent mit der Aufschrift: "FÜR MEINUNGSFREIHEIT! IN DER SÜDKURVE, IN NYON, IN DOHA, ÜBERALL!". 

Wenn die oben beschriebenen Gerüchte zutreffen und der katarische Staat entscheidenden Einfluss auf die Genehmigung von Spruchbändern beim FC Bayern nimmt, möchten wir den Entscheidungsprozess hiermit abkürzen. Sie haben sicher Verständnis dafür, dass es unseren Mitgliedern nicht zumutbar ist, erneut viele Stunden Freizeit in die Herstellung eines großen Transparents zu stecken, das dann gar nicht verwendet werden darf. Wir haben uns deshalb entschieden, auf direktem Weg die Frage an Sie zu richten, ob der katarische Staat ein Problem mit dem Präsentieren der oben genannten Botschaften hat? 

Sollten Sie der Auffassung sein, dass das geplante Spruchband den guten Beziehungen zwischen dem Staat Katar und dem FC Bayern im Wege steht, wären wir für eine Rückmeldung bis Ende dieser Woche dankbar. Wir planen mit der Herstellung des Banners am kommenden Wochenende zu beginnen. 

Mit sportlichen Grüßen

Club Nr.12 e.V. 

Der Vorstand

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