Lahm: "Wir werden alle Gegner nerven"

München - Bevor es für Philipp Lahm in den Urlaub geht, analysiert der Bayern-Kapitän die Transfers seines Vereins, lobt den Siegertypen Manuel Neuer und kontert Oliver Kahn.

Morgen geht es für Phillip Lahm in Urlaub. Bevor sich der Kapitän des FC Bayern nach Griechenland aufmachte, äußerte er sich noch einmal zu den Geschehnissen bei seinem Klub.

Herr Lahm, am Freitag haben Sie noch mal bei „Tore für Afrika“ für eine gute Sache gekickt. Waren Sie zufrieden mit der Veranstaltung Ihrer Stiftung?

Total. Es war eine runde Sache – es waren viele Leute da, weit über 1000. Das Wetter hat gehalten, die Zuschauer und wir Spieler hatten Spaß, so soll es sein. Es ging ja um einen guten Zweck, da sollte Spaß nicht zu kurz kommen.

Für so etwas verschiebt man seinen Urlaub gern

Ja sicher, und ab jetzt ist richtig Urlaub. Vor den Spielen mit der Nationalelf war schon eine Woche frei, jetzt kommen noch drei fußballfreie Wochen. Ich finde das sensationell – in den letzten Jahren hatte ich nie so viel Urlaub.

Mit welchem Gefühl gehen Sie denn in Ihren Urlaub – finden Sie, der FC Bayern ist auf einem guten Weg, sich für die kommenden Aufgaben zu rüsten?

Ich habe ein sehr, sehr gutes Gefühl. Erst einmal kommt in Jupp Heynckes ein Trainer, der den Verein bestens kennt und mit dem auch die Mannschaft vertraut ist. Dazu können sich die Neuverpflichtungen sehen lassen – wenn ich allein an Manuel Neuer denke. Es hat mich sehr gefreut, dass dieser Transfer geklappt hat. Er ist ein Weltklassetorwart. Auch die anderen Zugänge sind so, dass man sagen kann, man geht gestärkt in die Saison. Wir greifen wieder an.

Udo Lattek behauptet, Neuer allein sei schon die halbe Meisterschaft...

Es ist nicht immer nur einer, der zählt. Es ist wichtig, gerade mit Blick auf die Champions League, dass man einen breiten Kader mit Qualität hat – den haben wir. Deswegen bin ich sehr zuversichtlich, dass wir die nächste Saison wieder voll angreifen werden.  

Karl-Heinz Rummenigge hat bei Neuer bereits das berüchtigte „Bayern-Gen“ ausgemacht. Haben Sie es auch schon bemerkt?

Er ist auf jeden Fall ein Siegertyp. Und wenn das ein Gen ist, dann hat er es, das ist sicher. So musst du sein als Torwart des FC Bayern, dass du wirklich keinen einzigen Ball reinlassen willst, dass du dich auch beim Stand von 5:0 noch über ein Gegentor ärgerst. So war es auch bei Oliver Kahn. Das zeichnet Manuel aus. Ich bin sehr froh, dass er ab jetzt bei uns ist.

Sie haben in der abgelaufenen Saison oft das Defensivverhalten der Mannschaft kritisiert – wie wichtig ist es, dass Jerome Boateng zur Stärkung der Innenverteidigung kommt?

Das wird man sehen. Es liegt nicht an Jerome und nicht am FC Bayern, ob er kommt. Da muss Manchester City mitspielen. Ich kann nur sagen, dass wir mit einem sehr guten Kader in die neue Saison gehen werden. Ich werde keine Personalpolitik kommentieren, aber Jerome ist ein sehr guter Spieler, keine Frage.

Rafinha sagt über sich: „Ich nerve meine Gegenspieler.“ Ist so einer genau das, was der FC Bayern nach einer enttäuschenden Saison wieder braucht?

Wenn wir wieder alle guten Fußball spielen, werden wir sowieso wieder alle unsere Gegner nerven. Und zwar jeder Einzelne von uns. Wir brauchen Qualität in unseren Reihen. Und da bringt uns Rafinha mit Sicherheit weiter.

Uli Hoeneß findet, nach Mark van Bommels Abgang würde der Mannschaft wieder so ein giftiger Typ gut tun, einer, der mal dazwischenhaut...

Wenn unser Präsident das so sieht, hat er Recht. Er ist lang genug im Geschäft.

Sie links hinten in der Viererkette, Rafinha rechts – das dürfte die kleinste Außenverteidigung der Liga sein. Ein Problem?

Nein. Wir waren jetzt in der Nationalmannschaft zuletzt wohl auch das kleinste Mittelfeld, das es überhaupt gibt. So etwas spielt keine Rolle, wenn man trotzdem noch ein paar größere Spieler im Team hat. Da muss man ja nur zum FC Barcelona schauen, die haben zwei hochgewachsene Innenverteidiger und vielleicht noch einen größeren 6er. Das war’s dann aber. Wichtig ist, ob einer Fußball spielen kann oder nicht.

Trainer Andries Jonker traut dem neuen Bayern-Team in der Liga einen Durchmarsch von Spieltag eins zu. Ist das realistisch?

Das ist unser Ziel. Wir wollen in der kommenden Saison die Liga von Anfang an dominieren. Wir wissen aber auch, dass es nicht so leicht wird. Einfach so mal durchmarschieren, das geht in der Bundesliga nicht auf Knopfdruck.

Franz Beckenbauer hat zuletzt Christian Nerlinger kritisiert. Er sei zu selten aus dem Hintergrund getreten und müsse sich ändern, um akzeptiert zu werden. Stimmen Sie der Kritik am Sportchef zu?

Nein. Wir Spieler, die tagtäglich mit Christian Nerlinger zusammenarbeiten, wissen, was wir an ihm haben. Er ist ein absoluter Fachmann, und das sieht man jetzt auch wieder an unseren Transfers.

Dann können Sie Beckenbauers Schelte also nicht nachvollziehen?

Nein. Das ist die Meinung eines Außenstehenden, sowas gibt es beim FC Bayern immer wieder. Aber wer die Abläufe bei uns nicht tagtäglich erlebt und nur aus der Ferne urteilt, kann ja gar nicht immer richtig liegen. Jeder, der eng an der Mannschaft und eng an unserem Sportchef dran ist, weiß, was Christian Nerlinger für hohe Qualitäten hat.

Oliver Kahn hat sich kürzlich auch über den FC Bayern negativ geäußert. Dem Verein fehle eine echte Idee hinter den Transfers, man würde nicht gezielt einkaufen, sondern fast wie Real Madrid einfach nur nach Namen...

Also, da braucht man doch jetzt nur unsere aktuellen Transfers anschauen, um zu sehen, dass das nicht stimmt. Unsere Transfers sind punktuell, sie sind spezifisch auf Positionen ausgerichtet. Da kommen lauter Leute, die genau das sind, was wir jetzt brauchen. Ich sehe da absolut keine Parallele zu Real Madrid, die einfach jedes Jahr fünf Offensivspieler kaufen.

Nun geht es für Sie in Urlaub. Turner Fabian Hambüchen erzählte mal, er nehme in den Ferien gute fünf Kilo zu. Wie ist das eigentlich bei Ihnen?

(grinst) Also, ich werde mit Sicherheit keine fünf Kilo zulegen. Ein bisschen nimmt man immer zu, aber das ist nichts Tragisches, das hat man nach dem Trainingsstart in wenigen Tagen wieder runter. Ich spiele im Urlaub immer ziemlich viel Tennis, im Schnitt so zwei Stunden am Tag, und das hält einen fit. Du machst da was für deine Ausdauer, hast Sprints dabei – das ist genau das, was du als Fußballer auch brauchst.

Interview: Andreas Werner

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