Landon Donovan
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Bleibt Landon Donovan im Rampenlicht? Der US-Boy, 26, strebt weiter den Durchbruch in Europa an. Eigentlich ist er eine große Nummer: der jüngste Spieler, der jemals 100 Länderspiele schaffte, in Amerika ist er erfolgreichster Torjäger des Nationalteams, fünfmal wurde er „Fußballer des Jahres“.

Landon Donovan: „Fünf Chancen bleiben mir noch“

München – Karl-Heinz Rummenigge sagt, man werde Landon Donovan nicht über den 8. März hinaus behalten. Heißt es also, schon bald Abschied zu nehmen von Donovan?

-Landon, im Deutschen gibt es die Redewendung, jemand sitze auf gepackten Koffern. Ist das Ihre Situation?

Ich bin hierhergekommen mit der Erwartung, dass alles passieren kann. Ich hatte ein paar Spiele, was zu zeigen, es war nicht perfekt, aber okay, vielleicht gelingen mir Tore gegen Köln, Lissabon oder Bremen. Insgesamt fünf Möglichkeiten bleiben mir auf alle Fälle – und alles kann anders sein, als man es jetzt liest. Ich kann nur meinen Fußball kontrollieren, das mache ich. Wenn man zu mir am 8. oder 9. März sagt: „Geh wieder nach Amerika“, dann mache ich das und bin weg.

-Haben Karl-Heinz Rummenigge oder Uli Hoeneß schon gesprochen mit Ihnen?

Nein, aber sie haben ja immer gesagt, sie werden im März entscheiden. Vielleicht haben sie es auch schon getan.

-Das Problem aus Sicht des FC Bayern scheint zu sein: Galaxy will viel Geld haben, man spricht von acht Millionen Euro, doch Bayern will nicht soviel ausgeben.

Das ist immer entscheidend im Fußball und bei einem Spieler, oder?

-Wer wäre für eine Freigabe eigentlich zuständig? Der Klub, die Galaxy, oder die Liga, die Major League Soccer?

Beide. In Amerika ist das anders, nicht so einfach wie in Deutschland, wo du Bayern, Dortmund oder Stuttgart gehörst. In den USA hat die Liga immer was zu sagen, sie kontrolliert alle Mannschaften. Das ist schwer zu erklären, auch nicht für jeden Spieler gleich – doch bei mir ist es so, dass sowohl Galaxy als auch die MLS Ja sagen müssen zu einem Wechsel. Mein Vertrag ist mit der MLS. In anderen Profiligen in Amerika und in fast allen Ligen der Welt wäre der Vertrag mit dem Klub.

-Spielt auch die Sache David Beckham eine Rolle? Wenn Galaxy ihn zum AC Mailand gehen ließe, könnte man in L. A. nicht noch auf Sie verzichten.

Kann sein, aber auch darüber habe ich keine Kontrolle.

-Gehen wir mal Ihre vier Pflichtspieleinsätze für den FC Bayern durch. Beginnend mit dem Pokalsieg in Stuttgart. . .

Das Spiel war schon vorbei, als ich kam, ich hatte eine gute Chance, ein Tor zu machen. Wäre toll gewesen. In Hamburg war ich die letzten 15 Minuten dabei, habe in ein paar Situationen was unternommen, aber nicht soviel. Gegen Dortmund: Kein Tor gemacht oder vorbereitet, doch ich denke, ich habe Einfluss genommen, der Mannschaft geholfen. Es stand 1:1, als ich eingewechselt wurde, und wir haben 3:1 gewonnen. In Berlin war es körperlich schwer für mich, weil ich gerade aus Amerika kam. Es war nicht mein bester Tag, aber ich war nahe dran, zwei Tore zu machen. Wenn nur eine meiner beiden Chancen reingegangen wäre, dann würden wir jetzt ein anderes Interview führen.

-Ganz schöner Druck, sich in kurzer Zeit beweisen zu müssen. Ein paar Wochen nur läuft der Vertrag, ein paar Minuten nur sind Ihnen in den Spielen geblieben.

Es ist kein Druck, für mich ist es Spaß. Aber ich weiß schon: Ich habe nicht viel Zeit, fünf Spiele bis zum 8. März. Doch ich spüre, wie es aufwärts geht, fühle mich im Training zunehmend wohler. Trotzdem: Wie sich alles entwickelt, liegt nicht nur in meiner Macht. Kann sein, dass ich für Bayern noch fünf Tore schieße, aber die MLS sagt, sie lässt mich nicht gehen, oder Bayern kann sagen: „Schön, aber wir brauchen dich nicht.“ Was passiert, passiert.

-Wäre die Rückkehr nach Los Angeles eine Niederlage?

Nein, meine Frau ist da, meine Hunde sind da und meine Mannschaft der letzten vier Jahre mit vielen Freunden. Ich liebe Galaxy, mein Herz gehört auch ihr. Ich habe immer gesagt, dass ich in Europa spielen möchte. Wenn nicht jetzt, dann vielleicht nächsten Jahr. Mein Vertrag in Amerika läuft bis 2011. Das heißt: 2010, wenn das Vertragsende naht, kann es eine Konstellation, die Sinn macht für Galaxy und für mich.

-Wo, wenn nicht in der Bundesliga, würden Sie in Europa spielen wollen?

Ist egal Am liebsten in einer schönen Stadt wie in München. Wenn dann der Klub noch gut ist wie der FC Bayern.

-Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, drei, vier Spieler hätten Sie in München mit offenen Armen aufgenommen, einen heben Sie als besonders herzlich hervor.

Miroslav Klose. Der ist immer super und das ist nicht normal, denn wir sind fast Gegner. Ein Superprofi.

-Bei der WM 2002 haben Sie gegeneinander gespielt. Kam es damals schon zum Kennenlernen?

Nein, ich wusste, dass er ein überragender Spieler ist, er hat doch gleich drei Tore gegen Saudi-Arabien gemacht, das war unglaublich. Und gegen uns hätte er auch eines machen können.

-1:0 im Viertelfinale für Deutschland. Ihr US-Team hatte Pech, weil der Schiedsrichter ein Handspiel von Thomas Linke auf der Linie nicht sah. In Deutschland hat man das aber nicht thematisiert.

In Amerika hat man schon darüber geredet.

-Wir haben den Wahnsinns-Olli-Kahn gefeiert.

Ja, in Deutschland war das Handspiel Cleverness.

-Wie äußert sich Kloses Menschlichkeit. Was tut er für Sie?

Eigentlich nichts Besonderes. Er fragt immer, wie es geht, erkundigt sich, wie es in Amerika ist. Und wenn ich eingewechselt werde, hilft er, sagt: „Komm, wir machen jetzt ein Tor.“

-Wer steht Ihnen sonst noch nahe aus der Bayern-Mannschaft?

Fast alle. Es gibt keinen, der nicht mit mir sprechen oder keinen Spaß machen würde.

-Doch sind Sie in den Augen der Mannschaft nicht der Spieler des Trainers? Jürgen Klinsmann hat Sie gebracht, er fördert Sie. Das kann auch gefährlich sein, leicht hat man den Ruf weg, das Ohr des Trainers zu sein.

Es ist nicht so, wie alle schreiben. Jürgen Klinsmann und ich waren Freunde in Amerika, aber ich habe ihn nur so ein-, zweimal gesehen im Jahr. Er hat acht Jahre in Los Angeles gelebt und war bei jedem Spiel in unserem Home Depot Center, da weiß er über alle Spieler Bescheid. Klar ist es ein Vorteil, dass der Trainer in L.A. vier Jahre meine Spiele gesehen hat, trotzdem muss ich hier immer etwas zeigen, für die Mannschaft, die Zuschauer.

-Am Samstag ist das Spiel gegen Köln. Da Sie einige Zeit bei Bayer Leverkusen verbracht haben, wissen Sie. . .

. . .dass Köln für mich ein großer Rivale sein muss.

-Das erste Halbjahr 2005 waren Sie in Leverkusen, haben Sie damals den beginnenden Trubel um Lukas Podolski in Köln mitbekommen?

Wir haben zu meiner Zeit nicht gegen Köln gespielt, der FC war in dieser Saison in der 2. Liga. Poldi ist in Köln der Prinz, das habe ich mitbekommen. Es ist vergleichbar mit LeBron James im US-Basketball oder im amerikanischen Fußball mit Cobi Jones.

-Ein kleiner quirliger Kerl mit Locken, stimmt’s?

Ja, jede Mannschaft hat so einen Liebling. Der Hype um Lukas und die jetzige Konstellation sind unglaublich, doch ebenso unglaublich ist, dass wir in zwei Wochen im DFB-Pokal nach Leverkusen gehen. Das Leben ist manchmal Wahnsinn, aber super.

Das Interview führte Günter Klein

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