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Neuer Sound für den FC Bayern

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Leslie Mandoki © dpa

Tutzing - Gut möglich, dass es dem gemeinen Fan erst gar nicht auffallen wird, am kommenden Sonntag, wenn der FC Bayern in seinem ersten Ligaspiel gegen Mönchengladbach antritt.

Er wird sich sein Bier holen und seine Bratwurst, mit seinen Kumpels über die Qualitäten des neuen Japaners Takashi Usami philosophieren und hoffen, dass die Bayern die Borussen aus der Allianz Arena fegen. Doch irgendwann wird er merken, dass da irgendwas anders ist im Stadion. Oder besser: Er wird es hören.

Der FC Bayern München hat sich zur neuen Saison eine neue akustische Identität gegönnt. Geschaffen hat sie der Musikproduzent Leslie Mandoki (58), der schon mit Künstlern wie Phil Collins, den No Angels und Jennifer Rush zusammenarbeitete. Er sitzt auf einem schwarzen Ledersofa in seinem Büro in Tutzing hoch über dem Starnberger See und sagt: „Der FC Bayern will sich als weltweit erster Fußballverein eine eigene ,audio corporate identity‘ gestalten.“ Es geht dabei um die Inszenierung des Spiels, um die Lieder, die im Stadion zu hören sind, wenn die Fahnenschwenker auf dem Rasen stehen, wenn die Spieler auflaufen, wenn ein Tor fällt, in der Halbzeitpause, am Ende des Spiels – und je nachdem, ob der FC Bayern gewonnen oder verloren hat, ertönt eine andere Musik.

Leslie Mandoki legt eine Demo-CD ein, murmelt: „Das ist so 20 Minuten vor dem Spiel“, und drückt auf die „Play“-Taste. Kraftvolle Trommeln dröhnen aus den Lautsprechern, untermalt von sphärischen Klängen. Es wird pathetisch, emotional, melodramatisch – das Stück steht ganz offensichtlich für Vorfreude. Und wie klingt die neue Tormusik? „Puh“, sagt Mandoki und runzelt die Stirn. „Die Tormusik ist das Schwierigste, da sitzt gerade das ganze Haus dran. Da werden wir gemeinsam mit den Fans die beste Lösung definieren.“

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Der Musikproduzent spielt das nächste Lied an – und plötzlich singt da einer: „FC Bayern, so heißt unser Verein. Wir sind stark und mia san mia, so wird es immer sein.“ Ein Fan-Song, ganz klar. Leslie Mandoki hat nicht nur stimmungsvolle Instrumentalstücke geschrieben, sondern auch die „Stimme des Südens“ gesucht, in Zusammenarbeit mit dem FC Bayern. Tausende Fans haben sich beworben, und Anfang Juli, beim öffentlichen Training der Profis in der Allianz Arena, haben 30 000 ihren Sieger gekürt. Er heißt Christian Stoll, doch nicht nur er, sondern auch andere sind in den vergangenen Monaten nach Tutzing in Mandokis Park Studios gefahren, um neue FC-Bayern-Lieder einzusingen. Zu Weihnachten soll es eine CD geben mit 14, vielleicht 16 Stücken.

Leslie Mandoki lehnt sich nach vorne und hebt den Zeigefinger. „Aber, was mir ganz wichtig ist“, flüstert er: „Es geht mir nicht darum, die bekannten Lieder zu ersetzen. Willy Astor und Stephan Lehmann haben zum Beispiel einen großartigen Song geschrieben. Ich wäre doch völlig verrückt, wenn ich mir anmaßen würde, den ,Stern des Südens‘ anzutasten.“ Was nun aber nicht heißt, dass Mandoki nicht auch darauf hofft, ein eigenes kleines Plätzchen im Herzen der Fans zu erobern: „Natürlich“ wolle er das, ruft er, fast schon empört. „Wenn ich nicht davon träumen würde, dass unsere Arbeit von den Fans angenommen wird, dann wäre ich bescheuert. Genau das versucht ein Musiker doch immer, wenn er ein Album macht oder auf der Bühne ein Konzert spielt – das Publikum zu begeistern.“

Immerhin arbeitet er seit eineinhalb Jahren an dem Fußballprojekt. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, hat ihn seinerzeit gefragt, ob er sich vorstellen könne, die Stadionmusik neu zu arrangieren. „Das war und ist für mich eine große Ehre“, sagt Mandoki. Er habe „Respekt und Demut vor der Materie und vor den handelnden Personen“. Damit meint er ausdrücklich auch und vor allem die Fans: „Die Fans sind der FC Bayern. Das sind mehr als nur Anhänger, sie sehen sich als Teil des Ganzen. Und wenn ich jetzt Musik für sie mache, dann empfinde auch ich mich als Teil des Ganzen. Ich denke, über diese Arbeit auch ein kleines Scheibchen zu werden von diesem Gesamtkunstwerk FC Bayern.“

Thierry Backes

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