“Ich bin bei Bayern ein besserer Stürmer geworden“: Lewandowski.
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“Ich bin bei Bayern ein besserer Stürmer geworden“: Lewandowski.

Lewandowski im Interview

„Süßigkeiten waren ein Problem“

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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  • Hanna Raif
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Robert Lewandowski, Starstürmer des FC Bayern, spricht im Interview über Ernährungsfragen, Carlo Ancelotti, Pierre-Emerick Aubameyang, Angebote aus China und die Torkrise von Thomas Müller

München – Robert Lewandowski erscheint in Funktionsshirt und Trainingsklamotten zum Interview. Es ist frühmorgens, gleich steht die erste Einheit an. Aber das passt auch zu dem 28-Jährigen, bei dem alles auf Professionalität ausgerichtet ist – bis hin zum Nachtisch, wie er im Gespräch erklärt.

-Herr Lewandowski, wie ist es, gleich im ersten Spiel des Jahres das „Tor des Jahres“ geschossen zu haben?

(lacht) Ich freue mich eher, dass wir gewonnen haben. Das war ein sehr wichtiger Sieg. Nach vier Wochen Pause fragt man sich immer, wie es läuft.

-Hätten Sie so ein Tor vor drei Jahren auch schon geschossen?

Vielleicht eher nicht. Ich denke schon, dass ich bei Bayern ein besserer Stürmer wurde.

-Thomas Müller hat als junger Bursche mal 100 Tore in einer Saison erzielt. Wie war das bei Ihnen früher?

Oh, da habe ich weniger geschossen. Ich weiß aber wirklich nicht, wie viele, ich habe sie nie gezählt. Ich weiß nur, dass ich immer Offensivspieler war und auch immer die meisten Tore in meiner Mannschaft geschossen habe, klar. Und es hat auch schon immer jeder die Tore von mir erwartet. Da hat sich nichts geändert.

-Mit Ihrem Treffer in Freiburg haben Sie Giovane Elber in der Liste der ausländischen Torschützen überholt. Nun ist nur noch Claudio Pizarro vor Ihnen. Er hat 190 Tore, Sie 135. Ein Ziel?

Nein. Weil Claudio fast sein ganzes Leben in der Bundesliga spielt. Da muss ich ja wirklich noch sehr lange spielen.

-Bis 2021 haben Sie aber doch nun noch Zeit.

Die Frage ist, wie lange ich so viele Tore schießen kann.

-Viele haben gedacht, der FC Bayern sei für Sie eine Zwischenstation. Ist München nun aber Ihre Heimat?

München ist eine superschöne Stadt, schön zu leben. Die Mannschaft ist super, die Spieler auch. Wir haben hier alles, was wir brauchen. Ich freue mich einfach jeden Tag, beim FC Bayern spielen zu dürfen.

-Franck Ribery und Arjen Robben wollten auch nicht so lange bleiben.

Das stimmt. Aber es ist ja hier auch nicht schwer, sich einfach wohlzufühlen.

-Wie viele Sekunden haben Sie über das Angebot aus China nachgedacht?

Keine Sekunde wäre gelogen. Aber das ist einfach eine andere Welt. Eine, über die ich nicht lange nachdenken musste.

-Bei Bayern bekamen Sie ja auch einen sehr guten Vertrag. Ist das der Beweis, dass Tore doch das Wertvollste am Fußball sind?

Ja. Und Tore sind auch das Schwerste am Fußball. Die Erwartung, dass man in jedem Spiel ein Tor schießen muss, dass man nicht nur gut spielen, sondern immer etwas Neues machen muss, ist sehr hoch. Im Fußball läuft doch am Ende einfach alles über die Tore.

-Carlo Ancelotti hat zu Ihnen gesagt, Sie sollen wieder auf Ihren Killerinstinkt vertrauen. Weil für ihn Tore auch am wichtigsten sind?

Ja. Er ist ein Trainer, der weiß, wie wichtig die Stürmerposition für die Mannschaft ist. Er weiß: Meine Tore können der ganzen Mannschaft helfen, ihr zum Beispiel Selbstvertrauen geben, wenn ein Spiel lange offen war. Wenn wir nur gut spielen, das reicht ja nicht. Für einen Sieg brauchst du Tore.

-Man hat den Eindruck, Sie entwickeln sich stets weiter. Erst wurden Sie Freistoßexperte, nun liefern Sie artistische Tor-Einlagen.

Manchmal muss man das einfache Spiel suchen, manchmal kann man was Neues zeigen. Es wäre ja langweilig, wenn wir als Mannschaft oder auch ich als Spieler immer gleich spielen würden. Und manchmal gibt es eben Situationen wie in Freiburg. Da hatte ich einfach keine Zeit zu überlegen, deshalb habe ich etwas versucht. Eine Flanke in der vorletzten Minute – und dann dieses Tor. Das ist doch die schöne Seite vom Fußball. Man weiß nie, was passiert. Und auch nicht, zu was man selbst in der Lage ist. Da geht es um Instinkt. Das läuft dann alles automatisch.

-Woher kommt dieser Instinkt?

Ich trainiere ihn seit vielen Jahren. Von wem oder seit wann ich ihn habe, ist schwer zu sagen. Ich habe jetzt kein besonderes Geheimnis, als Kind kein Schlüsselerlebnis. Er ist einfach in mir drin.

-Was haben Sie denn gestern Abend gegessen?

Genug (lacht).

-Stimmt es eigentlich, dass Sie Ihr Essen in verkehrter Reihenfolge einnehmen? Also Nachspeise – Hauptgericht – Vorspeise.

Nein, und es ist gut, dass Sie das fragen. Weil das öffentlich nämlich oft falsch dargestellt wird. Es geht nur um die Nachspeise, die ich vor der Vorspeise esse. Also: Nachspeise – Vorspeise – Hauptspeise. Ich esse doch nicht die Suppe am Ende. Das würde niemand machen, der sich mit gesunder Ernährung auskennt.

„Deinen Instinkt kannst du nicht verlieren. Geht nicht.“

-Sie essen aber das Tiramisu vor der Suppe?

Tiramisu? Ich mag kein Tiramisu (lacht).

-Warum aber die Nachspeise zuerst?

Weil die Nachspeise, das Süße, schneller verdaut werden kann. Die Suppe auch. Aber Eiweiß braucht am längsten, das braucht Zeit. Wenn ich Süßigkeiten am Ende esse und das mit dem Eiweiß in meinem Magen gemischt wird, dann wird es nicht so gut verarbeitet.

-Wie ist es denn, wenn Sie mit der Mannschaft unterwegs sind? Bekommen Sie dann als Einziger die Nachspeise vor dem Essen?

Ja. Die anderen kennen das natürlich inzwischen von mir. Aber ich esse auch nicht jeden Tag ein Dessert. Ich habe da gar nicht so oft Lust drauf. Höchstens ein, zwei Mal die Woche. Nur früher war das ein bisschen anders.

-Gibt es Kollegen in Ihrem Team, die sagen: Ich mache das jetzt auch so?

Bisher habe ich noch niemanden gesehen, der auch mit dem Nachtisch anfängt. Also glaube ich eher nicht.

-Früher war Bixente Lizarazu in München, auch er hatte einen vorbildlichen Körper, allerdings ein Laster: Er hat jeden Tag ein Weißbier getrunken.

Ein was?

-Ein Weißbier.

Oh, das ist nicht gesund.

-Stimmt. Aber gibt es für Sie auch Versuchungen?

Früher hatte ich wirklich ein Problem mit Süßigkeiten. Ich habe jeden Tag welche gegessen. Aber jetzt habe ich keinen Appetit mehr drauf. Früher war das so ein Automatismus: Wenn du viel Schokolade isst, gewöhnt sich dein Körper daran, er verlangt danach, er sagt: „Hey – wo ist meine Schokolade? Ich brauche sie, ich habe jeden Tag welche!“ Wenn du deinen Körper aber entwöhnst, verlangt er danach auch nicht mehr. Mit Getränken ist das genauso. Mit allem.

-Sie haben Ihren Körper jetzt also unter Kontrolle.

Theoretisch, ja. Ich versuche es zumindest (grinst).

-Ihre Frau Anna ist schwanger. Wie schwierig ist es da, die Linie zu halten?

Warum?

-Es heißt, der Mann nimmt mit der Frau zu.

(lacht) Nein, nein, da müssen sich die Leute bei uns keine Sorgen machen. Meine Frau hat auch nicht diese speziellen Appetitschübe wie andere Schwangere. Ich muss mich da kein bisschen umstellen.

-Ihre Frau macht mit Ihnen auch für gewöhnlich Sport, Sie haben zuhause einen eigenen Fitnessraum. Wie läuft das jetzt?

Das ist zurzeit natürlich dosierter. Aber sie ist schon immer noch aktiv, arbeitet an einer DVD und einem Buch mit Übungen für Schwangere.

-Wie finden Sie, dass Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang sagte, er würde nie zu Bayern wechseln? Sie haben mit ihm beim BVB eine Saison lang gut harmoniert – er spielte damals auf der rechten Seite.

Ja, das stimmt, das hat gut geklappt. Aber dass er nicht zu Bayern möchte, ist seine Entscheidung. Das beschäftigt mich überhaupt nicht.

-Viel näher steht Ihnen Thomas Müller. Wie sehr leiden Sie mit, wenn er Ladehemmung hat?

Das ist immer ein Problem, wenn du in einer Saison 20 Tore schießt. Wir haben ja schon über die Erwartung an Stürmer gesprochen – und die ist bei Thomas jetzt natürlich enorm, größer als vor zwei Jahren. Jeder erwartet nun, dass er mindestens 20 Tore schießt. Aber man muss trotzdem mit ihm zufrieden sein, gerade er sollte nicht nur an Toren gemessen werden. Thomas hilft der Mannschaft auch ohne Tore sehr. Er kämpft immer, und wenn einer kämpft, kommen die Tore wieder, ganz sicher.

-Hat er seinen Instinkt verloren?

Deinen Instinkt kannst du nicht verlieren. Geht nicht. Es ist nur eine Phase, in der er kein Glück hat. Die ist bald beendet. Der Instinkt kommt.

-Sie rieten ihm im Herbst, als er 999 Minuten ohne Tor war, ruhig zu bleiben. Das ist bei langen Flauten aber sicher nicht so einfach: Ruhig bleiben.

Ist es nicht. Aber du musst geduldig sein und an dich glauben. Das macht Klasse aus.

-Wie lang ging denn Ihre längste Torflaute mal?

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Und ich hake sowas immer sehr schnell ab. Es ist für einen Stürmer wichtig, nicht zu lang nachzudenken. Das funktioniert nie gut. Als Stürmer musst du immer denken: Jetzt kommt das nächste Spiel – und ich schieße ein Tor.

Interview: Hanna Raifund Andreas Werner

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