Macht immer eine gute Figur: Robert Lewandowski bewies beim Auftakt in Freiburg, dass er bestens in Form ist.
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Macht immer eine gute Figur: Robert Lewandowski bewies beim Auftakt in Freiburg, dass er bestens in Form ist.

Duell der Sturm-Idole

Inzaghis Erben

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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Robert Lewandowski und Claudio Pizarro stehen bei Carlo Ancelotti hoch im Kurs. Beim Duell des FC Bayern mit Werder Bremen haben sich die beiden einen Extra-Blick verdient.

München – So sehr Uli Hoeneß Pep Guardiola schätzt – es gab Phasen, da war der Katalane selbst ihm nicht geheuer. Einmal ging der Präsident ins Bett, ohne das Endergebnis eines Spiels seiner Bayern gegen Wolfsburg abzuwarten. Als er abschaltete, lautete der Pausenstand 0:1, nach vorne war nichts gegangen, und da Robert Lewandowski lediglich auf der Bank saß, rollte sich Hoeneß im Bett hin und her und grummelte: „Mensch Pep, mach’ uns den Lewandowski nicht kaputt.“ Als er am nächsten Morgen hörte, die Partie sei mit einem 5:1 für seine Bayern geendet, sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Und noch mehr schmeckte dem Patriarchen, dass fünf der fünf Münchner Treffer auf das Konto des eingewechselten Robert Lewandowski gegangen waren.

Es ist ja immer noch am besten, wenn sich die Leute selber helfen – nur hatte man in München zeitweise die Befürchtung, sogar der phänomenale Pole werde an Guardiolas Geringschätzung für Stürmer zerbrechen. Zlatan Ibrahimovic und Samuel Et’o sind die prominentesten Opfer des Trainer-Genies, Mario Mandzukic suchte bei den Bayern bald das Weite, doch Lewandowski reihte sich in diese Liste nicht ein, wofür sie in der Chefetage schon ein paar Kreuzerl gemacht haben, innerlich. Inzwischen ist jegliche Gefahr gebannt.

Guardiolas Erbe Carlo Ancelotti gilt als Pragmatiker der alten Schule. Als Italiener weiß er den Wert schon eines einzigen Tores zu schätzen, denn in der Serie A reicht oft eins für einen Sieg. Als Ancelotti beim AC Mailand seine größten Erfolge feierte, ließ er einen gewissen Filippo Inzaghi stürmen, und obwohl der große Johan Cruyff mal über ihn sagte, Inzaghi könne eigentlich gar nicht fußballspielen, sorgte seine Treffsicherheit europaweit für Angst und Schrecken. Nicht zuletzt bei den Bayern, auch sie knipste er bei Gelegenheit aus.

Inzaghi traf bis ins hohe Alter, und am Freitag nickte Ancelotti, als er auf seinen früheren Weggefährten angesprochen wurde. Beim SV Werder Bremen läuft am heutigen Samstag Claudio Pizarro auf, mit 38 Jahren ein Relikt, aber gefährlich wie ein Reptil, die können ja auch alt werden und bissig bleiben. Ja, der sei ein bisschen wie Inzaghi, sagte Ancelotti, und das Lob war keineswegs höfliche Flunkerei. Zwar wurde Pizarro beim FC Chelsea unter dem Chefcoach Ancelotti bereits nach drei Monaten weggeschickt – doch das lag nicht an dem Italiener. Der hätte ihn gerne behalten: „Er ist sehr gefährlich im Strafraum, sehr intelligent.“ Auch Pizarro lässt auf den 57-Jährigen nichts kommen im Übrigen. „Er ist ein sehr kluger Trainer“, sagte er dieser Tage in Bremen.

Das Duell zwischen Inzaghis Erben wird beim heutigen Gastspiel der Münchner an der Weser einen Extra-Blick wert sein: Pizarro ist mit 190 Treffern bester ausländischer Torjäger der Ligageschichte, Lewandowski folgt auf Platz zwei mit 135 Erfolgserlebnissen. Holt er ihn ein? Bei einem Vertrag bis 2021 müsste der 28-Jährige Stand heute 55 Treffer auf dreieinhalb Jahre verteilen; bei seinem bisherigen Schnitt scheint das machbar, auch wenn er selbst sagt, diese Marke sei kein Ziel.

Pizarro, der bisher bei einem Saisontor steht und seit 707 Minuten auf ein Erfolgserlebnis wartet (seine längste Ladehemmung bei Bremen), meinte nun, er hoffe, dass ihm Lewandowski den Rekord nicht raube. Am Donnerstag jedoch musste er mit dem Training aussetzen, sein Konkurrent hingegen bewies mit zwei Toren in SC Freiburg, dass er in Schuss ist. Zudem trifft er gegen Bremen mit Vorliebe. In den letzten sieben Duellen stolze zehn Mal.

Über Lewandowski würde nicht mal der strenge Cruyff sagen, er könne nicht fußballspielen. Fazit: Die Phasen, in denen sich Uli Hoeneß um ihn sorgte, sind längst passé.

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