1860- und FCB-Fans  vereinen sich gegen Polizeigewalt

München - Beim Amateurspiel zwischen 1860 und dem FC Bayern wurden Fans durch Polizeischläge verletzt. Löwen- und Bayern-Anhänger trommeln jetzt gemeinsam für eine Kennzeichnung von USK-Beamten.

Es ist eine bemerkenswerte Runde, die sich im Feierwerk an der Hansastraße versammelt hat. Löwenfans, Bayernfans, Rechtsanwälte, ein Menschenrechtler und mehrere Stadtpolitiker sitzen gemeinsam auf dem Podium. Es geht um ein Thema, bei dem sich ausnahmsweise alle einig sind: Polizeigewalt im Rahmen von Fußballspielen. Zu häufig passiere es, dass Beamte der Polizei – insbesondere Mitglieder des Unterstützungskommandos (USK) – Fans misshandelten und aufgrund fehlender Identifizierbarkeit ungestraft davonkämen. „Deshalb stellen wir heute die Rivalität zwischen den Vereinen hinten an, um gemeinsam etwas zu erreichen“, sagt Henning Tidelski vom Bayern-Fanclub „Münchner Schickeria“.

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Die Forderungen der Fangruppen entsprechen denen einer aktuellen Kampagne von Amnesty International: Polizeibeamte sollen erstens durch eine Ziffernfolge auf der Uniform klar gekennzeichnet sein und

In vereinter Mission: Günter Krause, Leiter des Fanprojekts München, Löwen-Fan Herbert Schröger, Bayern-Fan Simon Müller und der Fürther Jörg Strauß (v.l.n.r.).

zweitens von einer unabhängigen Untersuchungsgruppe kontrolliert werden. Bisher liegt die Bearbeitung entsprechender Anzeigen gegen Polizisten bei der Polizei selbst – „es gibt keine institutionelle Unabhängigkeit“, kritisiert Rechtsanwalt Marco Noli. Der Jurist vertritt unter anderem zehn Mandanten, die im Dezember 2007 beim Besuch eines Amateur-Spiels zwischen dem TSV 1860 und dem FC Bayern im Grünwalder Stadion durch Polizeischläge verletzt wurden (wir berichteten). Herbert Schröger, Mitglied bei „Löwenfans gegen Rechts“, war bei dem Spiel dabei. Als sich die Türen nach Ende der Blocksperre öffneten, sei plötzlich eine Gruppe von USK-Beamten auf die Fans zugestürmt und habe „ein wildes Geknüppel“ begonnen. Es sei dabei keine Rücksicht auf Geschlecht oder Alter genommen worden. „Ich gehe seit 35 Jahren zum Fußball, so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Schröger. „Und ich möchte das auch nie wieder erleben.“

„Aus dem Nichts kamen sie angerannt und haben wild in die Menge geprügelt.“

Ähnliches berichtet Jörg Strauß von der Spielvereinigung Fürth. Er war am 10. Februar beim Pokalspiel gegen den FC Bayern zu Gast. Am Stadion sei es im Streit um eine mitgebrachte Trommel zu einem Handgemenge gekommen. Die Reaktion des USK war für Strauß völlig unverhältnismäßig: „Aus dem Nichts kamen sie angerannt und haben wild in die Menge geprügelt.“ Strauß steht abseits – dennoch verbringt er den Rest des Spiels mit weiteren, „zufällig anwesenden“ Fans auf der Stadionwache. „Ich kam mir vor wie ein Bauernopfer.“ Wer die Geschehnisse filmen oder fotografieren wollte, sei gezwungen worden, die Aufnahmen zu löschen, zahlreiche Fans hätten gebrochene Arme, Rippen und Gehirnerschütterungen davongetragen.

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In beiden Fällen versuchten die Opfer, den Namen oder die Dienstnummer der betreffenden Polizisten zu erfahren – ohne Erfolg. So hat eine Klage gegen Polizisten wenig Erfolg, weiß Marco Noli. Bis heute gebe es keine Ergebnisse zu den Untersuchungen beider Spiele. „Kein einziger Beamter wurde vernommen, die Verfahren laufen gegen Unbekannt.“

Um das künftig durch eine individuelle Kennzeichnung, etwa mit einer Nummer, zu ändern, müsste das Innenministerium zustimmen. Die Chancen dafür stehen schlecht: „Wir sind klar gegen die Kennzeichnungspflicht“, sagt Sprecher Holger Plank. Seine Argumente bringt auch die CSU im Landtag immer wieder vor, die Partei lehnt entsprechende Anträge seit Jahren ab: Eine namentliche Kennzeichnung berge die Gefahr der Verfolgung Einzelner durch radikale Gruppen. Eine numerische Kennzeichnung mache nur bundeseinheitlich Sinn – und dafür gebe es keine Mehrheit.

Alexander Bosch von Amnesty hält dagegen: Im Ausland und auch in Berlin gelte die Pflicht ohne Probleme. Das sieht auch die FDP so, doch sie wird nicht gegen ihren Koalitionspartner stimmen. Das wissen die Fans – und sind sich nochmals einig: Ihre einzige Chance ist die Öffentlichkeit.

Ann-Kathrin Gerke

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