„Nicht wirklich prickelnd“: Bayern-Star Thomas Müller blieb auch beim 2:1 in Bremen permanent hängen.
+
„Nicht wirklich prickelnd“: Bayern-Star Thomas Müller blieb auch beim 2:1 in Bremen permanent hängen.

Nur die Bilanz stimmt

Nix ist super

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
    schließen

Selbst Carlo Ancelotti gibt zu, dass der FC Bayern seine Spielidee verloren hat

Bremen – Parkplätze sind selten architektonisch ansprechend, in der Regel will man sie schnell verlassen, zudem war es kalt geworden und dunkel. Das Bremer Stadion kann im Winter ein unwirtlicher Ort sein, nur wenige Meter entfernt plätschert die Weser, und an einem Flussufer hat Väterchen Frost ja stets leichtes Spiel. Als Thomas Müller am Samstagabend auf dem Parkplatz den Bus seines FC Bayern ansteuerte, hielt er trotz allem an. Seine Laune war zwar auch frostig, aber so fügten sich die Worte mit den Atemwolken in der eiskalten Luft zu einem authentischen Stimmungsmosaik.

„Außer mit dem Ergebnis können wir wirklich nicht zufrieden sein“, sagte der Nationalspieler nach dem 2:1 gegen den SV Werder, „es fühlt sich auf dem Platz nicht brillant an.“ Diese Ansicht beruhigte Außenstehende, die bis heute noch rätseln, ob die Münchner unter Carlo Ancelotti nun einfach nur genial mit ihren Kräften haushalten oder bloß schlechter spielen als sie eigentlich könnten. Auch von außen betrachtet sieht es alles andere als brillant aus.

„Es fühlt sich nicht so gut an, weil wir spielerisch und strukturell nicht das abgeliefert haben, was wir wollen und was wir können“, analysierte Müller erfrischend offen, „deshalb ist es eher ernüchternd.“ Zwei Pflichtspiele sind nun 2017 absolviert, zwei 2:1-Siege verbuchten die Bayern. Aber mehr als der Ertrag stimmt nicht positiv. „Ich dachte, wir könnten unseren Schwung aus den abschließenden Spielen der Hinrunde mitnehmen, aber in den letzten beiden Spielen haben wir uns sehr schwergetan“, sagte Müller, „der Wille der Mannschaft ist absolut vorhanden, aber es läuft im Moment bei uns nicht viel zusammen. Es finden wenige Kombinationen statt, obwohl wir gerne so spielen würden.“ Zwar stehen Vergleiche zu den Auftritten unter Pep Guardiola intern längst auf dem Index – ignorieren kann man aber kaum, dass der einst so beeindruckende Stil Geschichte ist.

Selbst Ancelotti gab zu, sein Team habe „die Spielidee verloren“. Die Mannschaft sei „ein bisschen ängstlich – wir haben uns Sorgen gemacht“. Das klingt beunruhigend, zumal man ja davon ausging, die zweite Halbserie werde nicht mehr von so rumpligen Auftritten wie im ersten Halbjahr geprägt. Dass die Bayern gegen Bremer ängstlich waren, gegen die sie seit Jahren Zu-Null-Siege angehäuft haben, sagt viel aus. Und auch das 6:0 im Duell am ersten Spieltag wurde nun relativiert. Damals jauchzte der den Bayern wohlgesonnene Teil der Republik auf, die Münchner würden befreit vom Joch des strengen Guardiola nun jeden Gegner ebenso befreit zerlegen. Die These ist nicht mehr zu halten, offensichtlich.

Auch gegen Bremen war es ein reiner Sieg der individuellen Klasse; Franck Ribery und Arjen Robben sorgen weiterhin für den Unterschied, dazu hatte David Alaba einen lichten Moment. Müller hingegen sucht schon seit Monaten den Müller der Vorjahre („bei mir läuft es wirklich nicht prickelnd“), er steht da stellvertretend für das ganze Team, dem Manuel Neuer die Leviten las: „Wir haben keinen guten Fußball gespielt.“

Es gebe nach Spielen immer positive Aspekte, sagte Philipp Lahm, „aber es gibt auch viele negative“. Dass bei diesem Team „viel Luft nach oben“ sei, „kann jeder sehen, das wissen wir selber“, meinte der Kapitän. Man müsse besser spielen, vor allem, wenn ein Gegner mal Arsenal London heißt, doch diese Appelle gibt es schon seit Saisonbeginn an die Mannschaft. Die Fans sollen sich nicht sorgen, sagte Lahm: „Wir sind selbstkritisch und sagen nicht, alles ist in bester Ordnung. Ich habe hier noch keinen gesehen, der findet: Alles ist super.“ Der Kapitän schaute dabei sehr streng drein. Die Worte sprach er zwar noch im warmen Kabinengang aus, doch sie hätten auch bestens zum Klima draußen am Parkplatz gepasst. Denn das Fazit lautet eiskalt: Nix ist super.

Auch interessant

Kommentare