Tonagebend: Rummenigge.
+
Tonagebend: Rummenigge.

Rummenigge bleibt

Der Schenkeldrücker - warum Rummenigge so wichtig ist

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
    schließen

Karl-Heinz Rummenigge hat seinen Vertrag beim FC Bayern verlängert - gerade aktuell ist er an der Seite von Uli Hoeneß unentbehrlich

München – Die bemerkenswert schiefgelaufene Pressekonferenz des FC Bayern hat sich in den Jahresrückblicken einen besonderen Platz reserviert, sie war auch auf der bemerkenswert aus dem Ruder gelaufenen Jahreshauptversammlung des Clubs ein Thema. Man müsse künftig mit Kritik souveräner umgehen, gestand Karl-Heinz Rummenigge da, und mit Blick auf Uli Hoeneß sagte er schmunzelnd, sobald Alarmzeichen aufleuchten, werde er „hin und wieder meine Hand auf den Oberschenkel drücken“, wenn er merke, der Präsident werde unruhig: „Damit du nicht irgendwann mal explodierst.“ Sehr fürsorglich.

Gerade in jüngster Zeit haben die Fans das Gefühl, der Schenkeldrücker Rummenigge ist als Ausgleich zu Hoeneß wichtiger denn je. Er selber wünsche sich den langjährigen Gefährten „manchmal mit weniger Emotionalität und mehr Gelassenheit“, so der 63-Jährige auf der Jahreshauptversammlung, und Hoeneß wiederum wünschte sich, der Vorstandsvorsitzende möge seinen 2019 auslaufenden Vertrag zügig verlängern. Gestern vermeldete der Verein, der Kontrakt sei nun bis 2021 ausgeweitet worden. Nie war der Schenkeldrücker so wertvoll wie heute.

Der 63-Jährige gewann zuletzt als Ruhepol des Vereins Profil, weil er die Dinge rationaler bewertet als sein Kollege, dem momentan alles in die Schuhe geschoben wird, was nicht gut läuft. Das ist Hoeneß gegenüber nicht fair, unter anderem war die Pressekonferenz nicht seine Idee, doch das soll Rummenigges souveräne Außendarstellung nicht schmälern. Hoeneß dürfte sich gewünscht haben, dass ihm der Vorstandschef angesichts der Kritik öffentlich mehr zur Seite gestanden wäre, doch Rummenigge hat sich trotzdem insgesamt als Kopf des Vereins entwickelt. Ab und an verfährt er lieber nach der Strategie, die Dinge ausklingen zu lassen. Aktuell gefällt er sich in der Rolle des gelassen wirkenden Lenkers besser. Rummenigge kann auch austeilen, wenn er es für angemessen hält. Zurzeit aber bringt er noch öfter als sonst die Vokabel Demut an. Nach dem schiefen Bild, das die Bayern-Führung im Herbst abgegeben hatte, ist das nicht unvernünftig.

Rummenigge bleibt nun also bis 2021, Hoeneß wurde diese Woche für weitere vier Jahre als Chef des Aufsichtsrats bestätigt und möchte Ende 2019 wieder als Präsident kandidieren. Oliver Kahn soll Rummenigge beerben, aber der Umbruch in der Chefetage wird noch dauern. Wie der Wechsel dann einmal vonstatten geht, dürfte auch davon abhängen, wie oft in der Zeit bis dahin der Schenkeldrücker in Rummenigge gefordert ist. Und wie sich die bayerische Explosionsgefahr entwickelt. ANDREAS WERNER

Auch interessant

Kommentare