Jürgen Klinsmann (links) und Uli Hoeneß beim Spiel gegen Frankfurt.
+
Jürgen Klinsmann (links) und Uli Hoeneß beim Spiel gegen Frankfurt.

Nach Klinsis Pflichtsieg gegen Frankfurt: Bloß kein neues Barca-Debakel

München - Das erste “Endspiel“ gegen Frankfurt hat Jürgen Klinsmann überstanden, seiner Mission beim FC Bayern droht aber weiter das vorzeitige Ende.

Nach der Schande von Barcelona durfte der 44-Jährige durch den Liga-Pflichtsieg gegen Eintracht Frankfurt wenigstens einmal durchschnaufen. Wenn auch nur ganz kurz, denn obwohl der Schock aus dem Champions-League-Hinspiel noch immer nicht ganz verdaut ist, steht das nächste Duell mit dem Bayern-Schrecken in Person von Eto'o & Co. ein weiteres Mal an.

"Wir werden sie nicht mit vier Toren schlagen"

Beim Viertelfinal- Rückspiel am Dienstag (20.45 Uhr/Premiere) in München glaubt nach der Lehrstunde beim 0:4 aus der Vorwoche keiner an ein Fußball-Wunder, doch gegen einen wohl nicht in Bestformation auflaufenden Gegner soll wenigstens der kräftig ramponierte Ruf ein wenig aufpoliert werden. “Wir werden sie nicht mit vier Toren schlagen, das ist uns sehr wohl bewusst. Aber wir werden uns mit Anstand und Charakter präsentieren und den Leuten ein tolles Champions-League- Spiel zu zeigen“, sagte der schwer angeschlagene Bayern-Trainer.

Verbraucht, verunsichert - und auf verlorenem Posten?

Der hoch engagierte Klinsmann steht wieder einmal mitten im Fokus der Kritik. In “keinster Weise“ denke er ans Aufgeben. “Ich hatte schon extremere Momente: Drei Monate vor der WM mit der 1:4-Niederlage gegen Italien und am Schluss gab es das Sommermärchen“, sagte der unerschütterliche Optimist.

Der 44-Jährige verkündet weiter seinen Glauben an den Erfolg des ambitionierten Projekts, das mit dem Verpassen der Qualifikation für die Champions League in der Liga wohl sofort beendet sein dürfte. Schon beim 4:0 (3:0) gegen harmlose Hessen musste sich der Schwabe eine ganze Reihe “Klinsmann raus“-Rufe gefallen lassen.

Die Bayern-Fans erwarten eine achtbare Leistung gegen Barcelona.

“Wir reißen uns den Hintern auf jeden Tag für den FC Bayern und ich werde das durchziehen“, stellte der Coach klar. Die Gegenspieler hießen zwar Russ und Chris statt Messi und Henry, aber für die geschundene bayerische Fußball-Seele und Klinsmanns Job war das 4:0 Gold wert. “Wir stecken ja alle gemeinsam in der Scheiße und dann tut das dem ganzen Verein, den Spielern und dem Trainer gut“, gestand Lukas Podolski. “Wir haben jetzt noch sieben Endspiele und wollen deutscher Meister werden.“

Für einen kleinen Schritt in diese Richtung sorgten Franck Ribéry (3. Minute), Luca Toni (17.), Lucio (23.) und Bastian Schweinsteiger (48.) mit ihren Toren.

Butt soll wieder gegen Barca ran

Der Titel kann die Saison noch “einigermaßen retten“, glaubt Toni, aber mehr als Schadensbegrenzung ist für den Rekordmeister nicht mehr drin. In der Meisterschaft beträgt der Rückstand des FC Bayern weiter drei Punkte auf Spitzenreiter VfL Wolfsburg. “Wir wissen, dass wir in der Bundesliga ein Ergebnis nacheinander einfahren müssen“, betonte Klinsmann, der Jörg Butt im Tor erneut den Vorzug vor Michael Rensing gab. Grund:“Im Moment muss ich Michael leider wehtun und dessen weitere Entwicklung hinten anstehen, damit wir hier die Resultat einfahren, an denen wir alle gemessen werden.“ Auch gegen Barcelona soll der im Hinspiel im Gesicht verletzte Butt wieder zwischen die Pfosten und will bloß kein zweites Barca- Debakel erleben.

1:5 in Wolfsburg, 0:4 in Barcelona, jetzt 4:0 gegen Frankfurt: Dass diese Zickzack-Bayern, die Sporting Lissabon im Achtelfinale mit 7:1 nach Hause schickten, zumindest einen (Teil)- Erfolg gegen das Starensemble aus Spanien landen, ist durchaus denkbar. “Das kann einiges reparieren, aber nicht alles“, befand Klinsmann.

Mehr als Reparatur-Arbeiten sind wohl auch nicht drin: In bislang 17 Jahren Champions League gelang lediglich Deportivo La Coruna 2004 einmal nach einem 1:4 im Hin- ein 4:0 im Rückspiel gegen den AC Mailand. Einen Vier-Tore-Rückstand holte noch niemand auf. Der aufgebrachte Anhang soll am Dienstag besänftigt werden, dazu wollen Ribéry und Gefährten auch mit Blick auf ihren eigenen Marktwert zeigen, dass es nicht nur gegen Eintracht Frankfurt reicht.

“Wenn man reinkommt ins Stadion und am Anfang ist keine Stimmung da, dann tut das im Herzen weh. Wir müssen es unbedingt umdrehen, dass wir wieder eine gute Stimmung haben“, forderte Schweinsteiger.

Die Aufstellung:

Bayern München: Butt - Lell, Lucio, Demichelis, Lahm - Schweinsteiger, van Bommel, Zé Roberto, Ribéry - Sosa - Toni

FC Barcelona: Víctor Valdés - Alves, Piqué, Puyol, Sylvinho - Touré Yaya, Keita, Xavi - Iniesta, Eto'o, Henry Schiedsrichter: Rosetti (Italien)

Christian Kunz und Michael Fox, dpa

Auch interessant

Kommentare